Reiseblog

 
10Mai
2013

Fahrradtour 2013 Teil 1 Österreich - Slowakei - Ungarn

Den Auftakt des Blog macht die Beschreibung der Fahrradreise mit meinem Kumpel Manuel. Wir haben im April und Mai 2013 einige Länder durchstreift, viele interessante Erlebnisse geteilt und sehr viel gesehen. Wir sind mit zwei 28 Zoll Campus Trekkingrädern aufgebrochen. Viel Spaß beim Lesen unserer Erlebnisse.

 

28.04.2013 Start am Bahnhof in MannheimTag1 Passau (D)- Wesenufer (A)

  Am 28.04.2013 starteten wir unsere Radtour. Wir, das sind Manuel und ich. Manuel ist einer meiner engsten Freunde. Er arbeitet in der gleichen Einrichtung wie ich und wir sind bereits durch gemeinsame Radtouren und Urlaube reiseerprobt. Wir hatten vor, die Donau ab Passau entlangzuradeln bis nach Apatin im Norden Serbiens.Hier mündet die Drau in die Donau. Von dort wollen wir flussaufwärts der Drau bis ins slowenische Maribor folgen.

Aber los ging es erst einmal früh morgens um 07:00 Uhr am Mannheimer Hauptbahnhof bei gerade 7C°. Es lagen gemütliche drei Stunden Zugfahrt vor uns. Die Bahn rollte über Stuttgart, Göppingen und die Geislinger Steige hinauf über Ulm bis zum Münchner HBF. Wir hatten Platz und Ruhe im ersten Zug   Zugfahrt  und saßen anschließend gegen 10 Uhr auch schon im Regionalzug nach Passau. Dieser wiederum war sehr eng, das Fahrradabteil war zu klein für unsere zwei Bikes, so stellte ich meins an die zum Glück außer Betrieb gestellte, defekte Toiltettentür. Die Fahrt dauerte 2h 15 min und war auch recht kurzweilig. Nebenan wurde ein völlig betrunkener Schwarzfahrer erwischt, der zwar brav seine Strafe zahlte aber dann trotzdem völlig orientierungslos an irgendeinem Dorfbahnhof ausstieg.

 Passau Yeah!  Um 12:45 erreichten wir das bewölkte Passau und die Temperatur hatte sich auf 14 Grad C° verdoppelt. Immerhin. Wir rollten in Richtung Altstadt/Donau und schlossen unsere Räder an einem zentralen Platz an. Wir wollten noch ein bisschen die Altstadt anschauen und eine Kleinigkeit essen gehen. Es war um diese Jahreszeit nicht viel los und so konnten wir in Ruhe den historischen Kern und die Mündung der beiden Flüsse Inn und Ilz in die Donau anschauen. Der grüne Inn führt aus den Alpen doppelt soviel Wasser und ist somit auch größer und breiter wie die blaue Donau, allerdings hat diese den Namenswettbewerb gewonnen, weil sie einfach mehr Laufkilometer seit ihrer Quelle vorweisen kann wie der Inn. Das kleine Flüsschen Ilz dagegen hat sehr dunkles Wasser und wirkt recht unscheinbar, gegen die beiden großen Gewässer.

Drei-Flüsse Stadt Passau

Wir kauften uns einen Sticker der Stadt Passau zur weiteren Dekoration unserer Räder und setzten uns draußen in der Nähe der Donau in einen Biergarten, um mit einen Salat und einem Bier dazu, auf den Start der Tour anzustoßen.

Gegen 15 Uhr fuhren wir dann also endlich stromabwärts Richtung Österreich. Der Radweg führte anfangs noch an der B388 entlang. Aber es störte nicht viel Autoverkehr. Der Radweg war gut ausgebaut und eben und vor allem hervorragend ausgeschildert und das sollte bis nach Ungarn auch so bleiben Das Wetter wurde zunehmend besser und

schließlich empfing uns Österreich mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir fuhren gemütlich an der träge vor sich hinfließenden Donau entlang, passierten Engelhartszell und ein großes Wehr und kamen am frühen Abend schließlich in Wesenufer an. Wir hatten hier eine kleine Pension vorgebucht und die erste Etappe endete am Rande des Ortes, natürlich mit einer 10% Steigung hoch zur Pension. Wir luden unsere Sachen aufs Zimmer und liefen noch einmal in das winzige Dorf zurück, um in einer Wirtschaft zu Abend zu essen. Ich bestellte flambierten Kaiserschmarrn mit Marille (grandios!) und Manu checkte die Bärlauchknödel, welche er ebenfalls als sehr gut empfand. Abends, zurück in der Pension,  gab es noch ein Zipfer-Pils auf der Dachterasse, wobei uns der Wirt plötzlich erschreckte, als er ungehört und ungesehen plötzlich neben uns stand und fragend schon fast brüllte, ob alles in Ordnung sei.

Er hatte einen zackigen und lauten Ton an sich und gab mit diesem auch etwas befehlsmäßig seiner wahrscheinlich 35 Jahre jüngeren südostasiatischen Ehefrau Aufforderungen und Befehle, die sie stets brav ausführte.  

Tages-km: 42,97         gesamt-km: 42,97         tages-hm: 120,4     gesamt-hm: 120,4

 

 

Tag 2:    29.04.2013

Wesenufer - Donauschlinge Schlögen -Linz - Mauthausen- Ybbs- Marbach

Wir standen schon um 7:00 Uhr auf und machten uns über das leckere Frühstücksbuffet her. Bis wir allerdings die Räder bepackt hatten, unsere Sachen sortiert hatten und startklar waren, zeigte die Uhr dann doch 08:35 Uhr. Der Radweg zwischen Wesenufer und Schlögener Schlinge war gesperrt und so mussten wir auf die hügelige Landstraße ausweichen. Bei einer schönen langen Abfahrt verlor ich plötzlich meine kopierten Landkarten aus meiner Lenkertasche und die losen Blätter flogen über die Straße. Glücklicherweise waren aber gerade Straßenbauarbeiter zur Stelle, die die Blätter einsammelten und mir inklusive einer starken Bierfahne überreichten. Wir erreichten endlich die Schlögener Schlinge. Diese ist eine Flussschlinge im oberen Donautal in Oberösterreich. Der Fluss bahnte sich im Durchbruchstal zwischen Passau und Linz seinen Weg durch das böhmische Massiv. An der Schlinge wendet die Donau in einer engen Kehre um 180 Grad von südöstlicher auf nordwestliche Laufrichtung, anschließend verläuft der Fluss wieder weiter Richtung Osten.Das obere Donautal wird oft als der schönste und ursprünglichste Abschnitt der Donau beschrieben, obwohl sie hier nicht frei fließt, sondern durch mehrere Donaukraftwerke gezähmt wurde. Leider sind diese Kraftwerke nicht nur optisch eine Belastung für den Fluss. Wir bemerkten allerdings positiv, dass an den Ufern künstliche Kiessandbänke aufgeschüttet wurden, an denen wieder eine ursprüngliche Flusslandschaft entstehen konnte. Die Fahrt war wunderschön, da bis Aschach kaum Bebauung steht und wir an der bewaldeten Donau fast 20km entlangfahren konnten ohne einem Menschen zu begegnen. In Aschach kamen wir dann wieder in der "Zivilisation" an, dort machte sich gleich eine geruchsintensive Ölmühle bemerkbar und ab hier ging es durch flaches Land weiter Richtung Linz. Wir machten Halt an einem Rastplatz und lasen gemütlich bei unserer Jause die dort aufgestellte Tafel. Hier war die Sage vom "Raubritter Mangold" aufgeschrieben, der in dieser Gegend sein Unwesen trieb.

(Hier ist die Sage nachzulesen)

 http://www.donausteig.com/de/4-02-2748569/detail/ein_echter_tunichtgut.html

Wir passierten ein weiteres großes Wehr und erreichten mit sehr gutem Timing die Kettenfähre hinüber nach Ottensheim. Der Fährmann, ein alter Seebär erzählte uns wo die Männer und die Frauen die meiste Kraft haben und lachte über seine eigenen Witze.

 .

Auf der linken Donauseite angekommen fuhren wir teilweise hügelige 12km und erreichten um 12:30 Uhr die Stadt Linz .

Linz Zentrum Linz.

Wir schlossen die Räder ab und schlenderten durch die schöne Innenstadt. Die Landeshauptstadt von Oberösterreich emping uns freundlich und man merkte ihr die fast 200.000 Einwohner auf den ersten Blick nicht an. Die Stadt machte einen beschaulich-gemütlichen Eindruck auf uns. Die Altstadt besteht aus schönen alten Häusern und gemütlichen Läden.

  Mozarthaus in Linz.  Ein Muss war natürlich hier die Originale Linzer Torte zu probieren. Wir suchten uns einen gemütlichen kleinen Bäckerladen und fanden das  Feingebäck, welches nur wenig mit der in Deutschland bekannten Linzertorte zu tun hat. In der Nähe des großen Domes ließen wir uns die Spezialität schmecken.

   echte Linzertorte Anschließend besichtigten wir die Kirche.  Linzer Dom Auch von Linz besorgten wir uns wieder einen Sticker für das Rad und stärkten uns noch einmal bevor es weiter ging, mit einem frischen Salat und Glasnudeln verstärkt von einem guten Gösser Naturradler Lachend

Jause 

Gegen 14:30 Uhr fuhren wir dann weiter, entlang der schönen Donauauen von Linz. Auf der rechten Donauseite erschienen jedoch so langsam die Ausläufer der Industriegebiete von Linz mit Kraftwerken, Raffinerien usw. die das Bild zumindest optisch erst einmal wieder trübten.

Wir kamen gut voran und passierten schöne kleine Ortschaften. Zwischendrin konnte man immer einen Blick auf die Donau erhaschen. Plötzlich überholte uns ein Belgier auf einem Rennrad welches reisetauglich gemacht wurde. Er fuhr gut und gerne 25-30km/h während wir mit durchschnittlich 18-20km/h hinterherhechelten. Er sollte uns später noch einmal begegnen.

Wir waren ziemlich begeistert von der SPAR-Supermarktkette in Österreich. Die Filialien  hatte viele frische Salate und einiges leckeres und brauchbares für uns im Sortiment, da wir uns rein vegetarisch ernähren. Manuels Hauptanliegen waren Müsliriegel und Energydrinks, meine waren Wasser, Cola und kleine fertige Cappuchinos und ich entdeckte u.a. den leckeren Indianerbohnen-Chili Aufstrich in der Kühltheke. Wir kamen voll auf unsere Kosten.

Wir  erreichten Mauthausen, welches traurige Berühmtheit  erlangte als größtes österreichisches Konzentrationslager in der Zeit  des Nationalsozialismus.

Nach 110 gefahrenen Kilometern rasteten wir an einem Hochsitz, denn wir hatten jetzt das Strudengau erreicht. Dies ist eine Region und Kulturlandschaft, die sich im Osten von Oberösterreich und im Westen von Niederösterreich befindet.

Strudengau Blick vom Hochsitz

Das war in etwa auch so das gewünschte Tagesziel. Wir palaverten und einigten uns schließlich doch noch ein paar km am frühen Abend zu radeln, weil es so gut lief an dem Tag. Das es dann doch noch einmal gut 45 km werden sollten, ahnten wir natürlich nicht. Der Radweg führte nun wieder direkt am Fluss entlang und einige Tafeln an den Felsen huldigten dem Kaiser, der damals die Felsen im Fluss wegsprengen ließ und so eine sichere Schifffahrt ermöglichte.

Nach insgesamt über 150km kamen wir schließlich ziemlich platt im kleinen beschaulichen Marbach zu Füßen von Maria Taferl an und fanden auch schnell eine gemütliche Pension mit netten älteren Wirtsleuten.

Wir waren echt ziemlich fertig und beschlossen den Tag nach der Dusche nur noch im nahen Bootsrestauarant bei einem üppigen Salat und blaufränkischem Rotwein ausklingen zu lassen.

Salat mit Pinienkernen und Schafkäse.

Tages-km: 155,70  gesamt-km: 198,67        Tageshm: 247  Gesamt-hm: 367 hm

Durchschnitsgeschwindigkeit. 18,8 km/h       Fahrzeit 08:16h

 

 

Tag 3: Marbach - Melk - Dürnstein- Krems- Traismauer- Tulln

30.04.2013

Wir standen gemütlich um 08:00 Uhr auf und starteten bei einem gemütlichen Frühstück mit hausgemachter Traubenmarmelade und Kaffee. Der Wirt erzählte uns vom Nibelungengau, in dem wir uns nun bereits befanden. Wir erfreuten ihn, als wir wiederum berichteten, dass wir in der Nähe von Worms und von gleich mehreren (!)Siegfriedbrunnen im Odenwald wohnen. In der Kurpfalz und der Umgebung beginnt schließlich die Nibelungensage. Hagen von Tronje warf ja bekanntlich den Schatz der Nibelungen bei Worms in den Rhein, zumindest zeugt das dort stehende Denkmal von dem Ereignis.

 Pension in Marbach 

Das Prunkstück dieser Gegend ist die Wallfahrtskirche Maria Taferl, die mir auch ein Freund sehr empfohlen hat. Somit beginnen wir den Tag mit dem Aufstieg zur Wallfahrtskirche, welcher zu Fuß in etwa 3km bergan führt und erst durch Wohngebiete, dann durch lichten Wald und schließlich über einen Bußweg aus Treppen führt. Wir durften die Räder in der Pension stehen lassen und machten uns an den teilweise ziemlich steilen Aufstieg, der auch einen Teil des österreichischen Jakobsweges darstellt.

Aufstieg nach Maria Taferl Weg zu Maria Taferl Wallfahrtskirche Maria Taferl

 Wir kamen schnell ins Schwitzen und erreichten nach ca 35min die schöne Kirche, die sich harmonisch und unaufdringlich in das Landschaftsbild einfügt.Wir sahen uns im prächtigen Innern um und bestaunten den schön gestalteten Innenraum. Manu wollte mir deutlich machen, dass gleich die Messe beginnt, aber ich überhörte ihn und kapierte nicht gleich,was er meinte. Plötzlich standen die anwesenden Besucher auf und es begann der Gottesdienst. 

Maria Taferl Gottesdienst. Wir wollten natürlich nicht unhöflich sein und die Zeremonie stören und nahmen etwa 20min ebenfalls mit daran teil. Ich kannte katholische Gottesdienste noch gar nicht, da ich im protestantischen Thüringen aufgewachsen bin, aber Manu war mit den Abläufen vertraut, die den deutschen Ritualen und Kirchenliedern sehr ähnelten. Denn er stammt vom Bodensee und ist katholisch geprägt. Der Pfarrer hielt eine unseres Erachtens recht gute Predigt. Schließlich nutzten wir die sich bietende Gelegenheit und schlossen uns anderen Besuchern an, die die Kirche gerade verließen.

Wir genossen darußen noch etwas die Aussicht von dem hohen Ausblick  und ich kaufte im Shop mir bis dato noch unbekanntes, österreichisches Mohnöl als kleines Mitbringsel. Später zu Hause stellte sich heraus, dass es einen angenehm milden und nussigen Geschmack besitzt und sich hervorragend für grüne und bunte Salate eignet. Den Abstieg schafften wir in weniger als 30min.

Blick über das Nibelungengau

Die Fahrräder hatten wir etwa 11:30 Uhr startklar und so fuhren wir die folgenden 20km bis nach Melk. Der Gegenwind war an dem Vormittag sehr stark und machte uns zu schaffen, wir kamen nicht gut vorwärts.

Am frühen Nachmittag erreichten wir dann endlich Melk mit seinem berühmten Stift und somit auch das Tor zur Wachau. In der Innenstadt rasteten wir und Manu trank einen Kaffee. Ich probierte das Marilleneis...

  Stift Melk Melk Innenstadt... und beide waren wir begeistert.  Wir mussten nun einige Höhenmeter bewältigen bevor es wieder bergab über die große Donaubrücke von Melk ging. Nun hatten wir endlich die vielgerühmte Wachau erreicht.

Diese schöne Gegend in Österreich empfing uns etwas diesig, aber mit angenehmen Temperaturen. Die Kultur und Naturlandschaft wurde im Jahre 2000 ins UNESCO- Weltkulturerbe aufgenommen. Sie zeichnet sich aus, durch das enge Donautal, steile Weinberge, alte Burgen und Dörfer mit Natursteinarchitektur. Wir fuhren nun bewusst etwas langsamer und saugten die Eindrücke regelrecht in uns auf.

  Wachau Wachau Wachau Wachau Wachau Dürnstein in der Wachau   

Schließlich machten wir eine ausgiebige Jause in dem Städtchen Dürnstein. Hier soll der Sage nach Richard Löwenherz von England auf dem Rückweg von einem seiner Kreuzzüge gefangen gehalten worden sein, bevor er heimlich auf die Burg Trifels in der Pfalz "verlegt" wurde.

Das mittelalterliche Städtchen war sehr gemütlich, es gab viel alte Bausubstanz und der Tourismus war zwar recht stark vorhanden, wurde aber mit seinen Shops und Restaurants dezent in die alte gemütliche Stadt integriert. Ich genoß ein Glas grünen Veltiner, den guten weißen Hauswein der Wachau. So konnte es leicht beschwingt weiter gehen. :)

Manu bei der Jause                   grüner Veltiner                        Prost

So gelangten wir schließlich in das Städtchen Krems Dieses markiert leider auch schon das Ende der Wachau. Wir fuhren durch das kleine alte Städtchen und mangels Schilder und bestaunens der Altstadt verfuhren uns hier zum ersten Mal ein wenig.

Stadttor von Krems.   Fahrradfahrer in Krems Wir suchten etwas herum und natürlich fanden wir kurz darauf auch wieder den Weg zurück zur Donau und rollten auf einem Damm durch flaches und ebenes Land nun zügig dahin. Auch in Österreich ist der 1.Mai ein Feiertag, deswegen wollten wir all unsere Vorräte für den kommenden Tag noch einmal auffüllen und einen Supermarkt finden. Wir fragten einheimische Spaziergänger nach der nächsten Einkaufsmöglichkeit und mussten dafür erst einmal wieder unseren Donauradweg verlassen und kamen so nach Traismauer in der Nähe von St. Pölten. Wir waren glücklich wieder einen SPAR -Markt gefunden zu haben und deckten uns mit dem Nötigsten und mit allerlei Unötigem ein. Wir verfuhren uns ein zweites Mal, als wir aus dem Ort zurück wollten und schafften es dann doch irgendwie wieder zur Donau zu finden, wir orientierten uns letztlich immer am Flüsschen Trais, der irgendwann in die Donau mündet.

Unser erklärtes Tagesziel war Tulln an der Donau. Auf dem Donaudamm entdeckten wir .  ein Reptil hat sich gesonnt und ist nun aufgeschreckt

 ein Reptil, aber es war zu schnell weg um es zu bestimmen.

 Am Abend gegen 20:00 errichten wir das Blumenstädtchen. Tulln hat diesen Beinamen, denn der Ort ist sehr grün und kreuz und quer von Blumenrabatten durchzogen. Wir quartierten uns in der modernen, aber fast leeren Jugendherberge "Marc Aurel" ein. Dort gab es Internet und Manu konnte seine Erlebnisse im Internet teilen und Neuigkeiten erfahren u.a die Geburt der Tochter eines unserer frühen Radmitreisenden Jan. Wir stießen mit Zipfer und Gösser auf das Ereignis an und fielen irgendwann ins Doppelstockbett.

Tages-km: 111.05 km   Gesamt-km: 309,72 km Tages-249hm: Gesamt -hm: 616hm

Fahrzeit: 06:46:53       Durchschnitsgeschwindigkeit 16,30km/h:

 

1.Mai 2013  Tag 4

Tulln (A) - Wien (A) - Bratislava (SK)- Mosonmagyarovar (H)

Wir standen wieder um acht Uhr auf und waren die einzigsten Gäste im großen Speisesaal der Jugendherberge. Nachdem wir uns gut satt gegessen hatten, wischte Manuel vorbildlich den Tisch und wir beluden unsere Fahrräder, die im extra dafür vorgesehenen Fahrradschuppen standen. Ich bemerkte, dass mir jetzt ein Spanngurt fehlte mit dem ich zusätzliches Gepäck am Rad sicherte, zum Glück hatte ich einen zweiten dabei und konnte den Verlust verschmerzen.

Beim Start hörte ich ein leichtes Klingen am Hinterrad. Ich hielt an und sah, dass eine Speiche gebrochen war. An Ersatzspeichen hatte natürlich niemand gedacht. Ich zwackte die Speiche mit der Zange ab und hoffte, dass es so ohne Zwischenfälle weiter gehen konnte. Dies wird sich später als Trugschluss herausstellen. Leider kostete das alles wertvolle  Zeit und so ließen wir das vom Architekten  Hundertwasser gestaltete Hausboot aus, welches in Tulln zur Besichtigung liegt, denn wir wollten ja heute wenigstens noch etwas von Wien sehen. Bis in die Hauptstadt waren es knapp 40km und je näher wir der Stadt kamen, desto voller mit Radfahrern wurde der Radweg.

Die Sonne schien schön warm, wir konnten die Jacken ausziehen und im T-Shirt fahren. Wir erreichten nach gut 2h die Donauinsel, die nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich ist. Man spürte, dass Feiertag war. Ganz Wien schien sich heute sportlich zu betätigen, überall waren Leute am grillen, entspannen, sonnen, skaten, Rad fahren und Wetter genießen.

An einer der zahlreichen Brücken, die die Donauinsel mit der Innenstadt verbinden, wollten wir uns schließlich Richtung Zentrum wenden. Ich stellte das Rad ab und sondierte die Lage. Als ich zurück kam, hatte Manu an seinem Mundwinkel einige Bläschen entdeckt, nachdem er seinen Mund in meinem Fahrradspiegel eingehend untersucht hatte. Dies sah nach einem schmerzhaften und unangenehmen Herpes aus. Leider bricht bei Manu auf größeren Touren oder andauernden langen körperlichen Belastungen hin und wieder das Virus aus. Das hatte er schon vor zwei Jahren auf der Radtour von Danzig nach Helsinki durchmachen müssen. Also als erstes eine Apotheke finden um eine Creme zu kaufen, die die Ausbreitung wenigstens verhindert und das Jucken erträglich macht.

Doch zunächst gönnten wir uns nach den ersten 50km des Tages, erst einmal eine Rast bei Kaffee und Sacherstückchen in einem Wiener Cafe

Sacherstückchen in Wien 

Nach der Pause suchten wir weiter den Weg in die Innenstadt. Wir kamen zum Wiener Prater, dem großen Vergnügungspark, bei dem heute scheinbar halb Wien auch Vergnügen suchte. 

Wiener Prater

Es war unheimlich anstrengend bei den vielen Menschenmassen per Pedes durch die Stadt zu gelangen. Wir fragten uns durch und fanden den Weg in die Innenstadt schließlich und was noch wichtiger war, eine offene Bereitschaftsapotheke für Manu. Er besorgte sich nach längerem Warten seine Creme und wollte dann gern auch noch etwas von Wien sehen. So fuhren wir klingelnd und fluchend durch die Touristenströme hindurch.

Wien  Innenstadt von Wien Manu hat seine Creme City of Vienna Viaka in wien

Wir hatten recht schnell die Nase voll von der überfüllten Stadt und ich war bald richtig genervt von den Massen und dem dauernden Stop and Go. Wir durchquerten ein wenig die Wiener Innenstadt, bis zum Stephansdom schafften wir es aufgrund der Menschenmassen aber leider nicht. Schließlich suchten wir wieder den Rückweg. Leider war wenig Beschilderung für Radfahrer vorhanden, teilweise fehlte sie völlig. So versuchten wir per Himmelsrichtungsbestimmung wieder zur Donau zu gelangen. Schließlich fanden wir den Donauradweg wieder und pausierten dort angekommen erst einmal zufrieden im Grünen.

Wir rollten weiter und erreichten recht schnell die am Donauradweg liegenden großen Raffinerien der OMV, der größten östereichischen Mineralölgesellschaft. Der Weg führte quer durch das riesige stinkende Gelände. Nun fuhren wir immer schnurgerade ca 25km auf dem Donaudamm entlang. Wir waren mitten im Nationalpark - Donauauen, nur vom Fluss sahen wir leider nichts. Die Strecke war recht eintönig und monoton und ermöglichte regelrecht meditatives Fahren. Jeder fuhr sein eigenes Tempo und versank in seinen Gedanken und irgendwann merkten wir, dass wir einen riesigen Abstand hatten.

Die Sonne schien ziemlich stark an dem Tag und ich hatte ordentlich Sonnenbrand am rechten Unterarm und Ellbogengelenk bekommen. Ich schützte die Stelle mit einem Tuch, aber sie feuerte ordentlich bei der Berührung. Ich hatte kein Bepanthen oder etwas ähnlich linderndes zur Hand und überlegte wie ich die gerötete Haut beruhigen könnte. Im Essbeutel hatte ich noch ein Glas Kokosöl dabei, welches ich eigentlich als Butterersatz auf Reisen nutze. Es ist geruchsneutral und normalerweise recht fest bei Zimmertemperatur. Ich schmierte mir das durch die Hitze verflüssigte Öl auf die roten Stellen. Es wurde sofort von der gereizten Haut regelrecht aufgesaugt und verschaffte aber auch tatsächlich schnell Linderung und Beruhigung auf der krebsroten Haut. Es wurde so schnell von der Haut aufgenommen, das ich in den nächsten Stunden noch mehrmals nachölen musste. Ein tolles Mittel, welches ich zu diesem Zweck fortan gern wieder auf Radreisen einpacken werde, man muss eben aufpassen, wenn man dann seine Kleidung berührt, denn durch das Öl entstehen natürlich große Fettflecken.

Wir waren jetzt bereits 25km vor Bratislava und fanden zum Glück noch einen gemütlichen Gasthof. Hier stürzten wir jeder einen halben Liter eiskalten Almdudler hinter und gönnten uns einen frischen Salat.

Wir kamen der slowakischen Grenze immer näher und schließlich sahen wir die Thebener Pforte, den Durchbruch der Donau durch die Ausläufer der Ostalpen rechts und den kleinen Karpaten links der Donau. Diese natürliche Pforte bedeutete auch den Abschied vom schönen Österreich. Wir waren gespannt was uns dahinter alles erwarten würde.

  Thebener Pforte

Gegen 18 Uhr passierten wir schließlich die Grenze zur Slowakei. Der Radweg führte uns über einen Hügel Richtung Innenstadt, vorbei an Bunkern aus der Zeit des eisernen Vorhangs.  

slowakische Grenze Bunkerwelt

Die Stadt war schnell erreicht und wir sahen den Regierungssitz, Teile der Innenstadt und die sogennante "UFO Brücke", die über die Autobahn Richtung Wien und Budapest führt. Bei früheren Autofahrten war mir das seltsame Konstrukt bereits schon einige Male aufgefallen.

die sogenannte  Regierungssitz der Slowakei   

Wir kamen jetzt recht zügig voran und hatten im Grunde auch sehr schnell wieder die Stadt hinter uns gelassen. Nach dem Gewusel in Wien hatten wir heute auch keine Lust mehr auf eine zweite Hauptstadt und so sahen wir es ziemlich gelassen, dass Bratislava auch nur noch im rückspiegel zu sehen war. Obwohl es ja auch nicht alle Tage vorkommt, dass man an einem Tag zwei Hauptstädte mit dem Rad erreicht.

Nun "tankten" wir noch einmal an einer Tankstelle auf, kauften eine Straßenkarte für Ungarn und tranken das slowakische und kultige Koffeingetränk Kofola. Bevor uns die aggressiven Mücken hier am Rande der Donau endgültig zerfressen konnten, brachen wir auf, zur finalen Etappe dieses Tages.

Rast an der slowakischen Tanke 

Das diese aber noch scheinbar endlos werden würden, ahnten wir in dem Moment natürlich nicht. Wir rollten erst einmal wieder weiter auf dem Donaudamm Richtung Osten. Leider war die Beschilderung mittlerweile mehr als spärlich und so fuhren wir einfach nach Gefühl weiter.

Die Donau teilt sich hinter Bratislava in einen Arm, der auf slowakischer Seite fließt und einen der auf ungarischer Seite fließt. Wir sind immer auf der rechten Seite geblieben.

Nach gut 20km Donaudamm mit vielen Inlinern und Radfahren im Gegenverkehr, kamen wir tatsächlich an die sehr unscheinbare Staatsgrenze zwischen Ungarn und der Slowakei. Nur ein kleines Schild machte uns bewusst dass wir nun schon in Ungarn waren.

Juhu! Drei Staaten an einem Tag mit dem Rad. Nicht schlecht!

Ich schaltete das Navi ein, damit wir im nächsten Ort eine Unterkunft finden können. Es zeigte mir im etwa 7km entfernten Rajka das einzigste Hotel im Ort an. Schließlich wurde es langsam dunkel und vor allem Manu war heute ziemlich fertig. Dies lag nicht zuletzt an der zusätzlichen Belastung durch seinen Herpes. Wir steuerten das Hotel an und.. Überraschung.. es existierte nicht mehr.

Ich fragte mit einem Mix aus deutsch und englisch eine Imbissbesitzerin neben dem ehemaligen Hotel nach einer Unterkunft. Sie verwies auf die Stadt Mosonmagyarovar, welche noch einmal etwa 18km, also eine Stunde entfernt lag. Manu war ziemlich verzweifelt, weil es mittlerweile schon dunkel war und er befürchtete, heute abend nichts mehr zu finden. Zur allergrößten Not hatten wir ja noch unsere Zelte und Schlafsäcke dabei, aber das wollte er nur im allergrößten Notfall nutzen, zumal die Mücken einige Kilometer vorher sehr zahlreich und aggressiv waren. Ich unterhielt ihn einfach die ganze Zeit während der Fahrt und so fraßen wir die letzten Kilometer.

Irgendwann erreichten wir tatsächlich die kleine Stadt, die nur aus Zahnarztpraxen zu bestehen schien. Wir erfuhren, dass hier das Geschäft florierte, denn viel Österreicher lassen sich hier günstig die Zähne sanieren.

Wir fanden ein Hotel, aber hier kostete die Nacht über 90€!! Unmöglich. Also weiter suchen. In einer Nebengasse fanden wir eine kleine gemütliche Pension, in der tatsächlich noch ein DZ frei war und deren Besitzer ein wenig deutsch sprach. Manu war überglücklich und wir bezogen schnell das Zimmer, duschten und Manu wollte nicht mehr mal ein Bier trinken. Das tat ich dann stellvertretend, denn nach diesem Tag war es mehr als verdient,allein wegen der ganzen ausgeschwitzten Mineralien, hier schön auf dem T-Shirt zu erkennen. Zwinkernd

Salzrand .

 

Tageskm: 156,42 km    gesamt-km: 466,14km   Tages-hm: 183 gesamt-hm: 799hm

Fahrzeit: 08:48:37 h  Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,70km/h

 

 

Tag 5 +6                         02./03. 05. 2013

 

Mosonmagyarovar-Györ-Komarom- Esztergom-Budapest

 Der Wecker klingelte um 08:00Uhr und wir waren nach gut 9h Schlaf immer noch ziemlich platt vom Vortag. Die Stimmung war nicht wirklich gut heute morgen, Manu hatte eine SMS von seiner Freundin bekommen, die er nicht verstand und auf deren Rückantwort er schon eine Weile wartete, außerdem begann sein Herpes am Mund zu schmerzen. Und zu guter Letzt regnete es auch noch und die Wolken am Himmel hingen grau und schwer herab.

Wir packten soweit zusammen und wollten gerade zum Frühstück gehen, doch wir konnten unser Zimmer nicht mehr verlassen. Die Türklinke ließ sich zwar herunter drücken, aber sie griff nicht ins Türschloss und die Tür ließ sich nicht öffnen. Der Schlüssel steckte noch von außen im Schloss. Gestern hatte niemand mehr von uns daran gedacht zuzuschließen und somit überhaupt den Schlüssel zu vermissen. Jetzt waren wir eingesperrt und kamen nicht aus unserem Zimmer heraus. Wir probierten sie zu öffnen, riefen und klopften abwechselnd und versuchten uns bemerkbar zu machen. Jedoch bekam niemand etwas mit. Das Fenster war klein und führte nur in einen lichtlosen Hinterhof. Auch dort war keiner zu sehen. Das einzigste was wir tun konnten, war so lang zu rufen bis es irgendein Gast oder das Personal mitbekommt. Das besserte unsere Laune natürlich nicht.

Endlich hatte ein deutscher Gast Erbarmen. Er schloss von außen auf und wir waren frei :) Wir dankten ihm und gingen gemeinsam zum Frühstück.

Es gab allerlei leckere Dinge und unsere Laune besserte sich merklich, denn auch Manus SMS-Rätsel wurde aufgelöst. Ich wollte gern den Zeitdruck etwas herausnehmen und Manu etwas entlasten. Ich hatte mich im Vorfeld bei der Planung verkalkuliert, denn wir müssten theoretisch an diesem Abend noch bis nach Budapest kommen. Bis in die Hauptstadt sind es aber noch mehr als 160km. Das wäre für diesen Tag einfach zu viel geworden, so erkundigte ich mich bei der Rezeptionistin nach dem Bahnhof, während Manu sein restliches Gepäck verstaute. Ich wollte ihm den Vorschlag noch schmackhaft machen, denn Manu ist sehr ehrgeizig und will alles aus eigener Kraft schaffen. Zug fahren würde nur im äußersten Notfall in Frage kommen. Wir einigten uns schließlich, dass wir wenigstens mal beim Bahnhof vorbeischauen wollten und nachfragen wie die Zugverbindungen ausschauen.

Um 9:00 waren wir startklar und fuhren zum Bahnhof, der etwa 6km weiter in Richtung Györ lag. Dort angekommen, schlossen wir die Räder an und erkundigten uns nach Zügen Richtung Osten. Wir hatten Glück, in genau 3min fuhr ein Zug in Richtung Györ und dann weiter nach Esztergom. wir wurden uns blitzschnell einig, dass wir den Zug nehmen, Jetzt musste alles sehr schnell gehen. Ich kaufte die Tickets, verstaute meine Wertsachen, während Manu schon begann die Räder abzuschließen. Die Ticketverkäuferin drängte zur Eile und hielt uns die Tür zum Bahnsteig auf. Wir mussten aber mit unseren bepackten Rädern erst einmal durch die schmale Tür der Bahnhofshalle kommen. Manu hielt die Tür auf, ich schob Rad eins hinein, stellte es ab, dann kam ebenso Rad zwei an die Reihe. Die Bahnhofsfrau hielt derweil den Zug auf. Wir beeilten uns und rannten mit den Rädern zum Zug. Schließlich hievten wir die schweren Bikes hinein und saßen endlich im Abteil. Jetzt waren wir doch ganz froh, es so schnell geschafft zu haben und den Zug als Alternative gewählt zu haben.

in der ungarischen Eisenbahn

Es nieselte draußen und wir kamen unseren Ziel ein wenig schneller näher. Die Fahrt nach Györ ging recht schnell und wir stiegen dort am Bahnhof in den Zug nach Komarom um. Diese Fahrt ging auch fix und kurz nach 11 Uhr standen wir am Bahnsteig jener Stadt an der Donau, deren eine Hälfte slowakisch - (Komaro), die andere Hälfte Ungarisch ist. Wir hatten etwa 80km eingespart und konnten jetzt wieder weiter an der Donau entlang fahren, um Esztergom zu besuchen .

 

Es hatte aufgehört zu regnen. Wir entdeckten sofort einen großen Markt der britischen Kette TESCO und Manu ging zuerst einkaufen. Ich wartete draußen auf ihn. Hier wirkte  es bereits etwas osteuropäischer, es gab viele schlicht gekleidete Menschen, ältere Autos, darunter viele Ostmarken wie Ladas und auch Trabbis oder Wartburgs.

Manu benötigte ein Weilchen, denn der Markt war groß und unübersichtlich. Wir wollten aber auch nicht gemeinsam rein gehen, denn draußen standen einige seltsame Gestalten, bei denen ich unsere Räder nicht unaufbesichtigt stehen lassen wollte. Dazu haben wir vor zwei Jahren in Riga Lehrgeld zahlen müssen, als uns mitten in der Stadt fast das Navi gestohlen worden wäre.

Nachdem ich auch meinen Einkauf fertig hatte (es gab Quarkriegel, ähnlich wie im Baltikum) fuhren wir schließlich los. Der Donauradweg war hier nur noch ganz selten ausgeschildert und führte ohnehin meist über Landstaßen. Wir fuhren nun etwa 50km über hügelige Landstraßen in Richtung der alten ungarischen Hauptstadt Esztergom, deren berühmtes Ekennungszeichen eine riesige Kapelle ist, die über der Donau thront. Das Wahrzeichen ist die große Kuppel der Kathedrale.

Als wir kurz vor der Stadt waren, überholte uns plötzlich wieder unser belgischer Rennradler, dem wir kurz hinter Linz schon einmal begegneten. Er fuhr grußlos an uns vorbei und raste wieder einmal davon.

Ich kam an diesem Tag schlecht vorwärts, irgendwie fehlte die Power der letzten Tage. An einer großen Kreuzung sahen wir unseren Belgier erneut, diesmal machte er eine Pause um etwas zu essen. Also doch nur ein Mensch :) Diesmal überholten wir ihn und noch einmal ist er uns auf der Reise nicht begegnet.

Wir rollten in die Stadt ein und die Kuppel der großen Kapelle wies uns den Weg. Das eindrucksvolle Gebäude war auf einem Bergsporn erbaut und so konnten wir einen ordentlichen Anstieg hochkurbeln. Jener hatte sich aber gelohnt, denn nun thronte das riesige Bauwerk majestätisch über uns und lockte mit seiner goldenen Kuppel und den großen Portalen, näher zu kommen.

Kathedrale von Esztergom Kathedrale inside majestätisch perfekte Geometrie

Wir rasteten aber zunächst erst einmal an der alten Mauer über der Donau, teilten uns aber den Platz mit einer Schiffsladung voller Donaukreuzfahrer. Wir blickten über den Fluss hinüber auf die slowakische Seite.

Esztergom

Manu schraubte seine gekaufte grüne Flasche Mineralwasser auf, setzte an, und...spuckte und fluchte plötzlich. Er setzte noch mal an und er spuckte und fluchte noch mehr. Er hatte zwei Flaschen stark salziges und hoch mineralisiertes Wasser erwischt, welches bei Durst pur absolut ungenießbar war. Es schmeckte in etwa wie lauwarmes Mittelmeerwasser, sehr salzig und regelrecht brechreizfördernd.

Ich glaube es fehlte nicht viel und Manu flippte fast aus, als dann noch neben der Kapelle ein als Hofnarr verkleideter junger Mann mit seiner Querflöte auftauchte und mittelalterliche Weisen zum Besten gab und dafür natürlich Geld wollte. Ich fand diese gesamte Situation jedoch zum Brüllen komisch, ließ es mir natürlich nur bedingt anmerken.

Wir schlossen die Räder bei dem Hofnarr ab und besuchten die Kathedrale. Das Innere war wirklich beeindruckend, wir liefen herum und schauten uns alles an, dann setzten wir uns auf die Bänke um durchzuatmen und etwas herunterzukommen. Nachdem wir etwas geruht und die stille Amosphäre eingesaugt hatten, wurde es auch schon wieder langsam Zeit aufzubrechen.

Wir hatten zwei Möglichkeiten nach Budapest zu kommen. Es gibt einen längeren aber auch landschaftlich schöneren Weg am sogenannten Donauknie entlang. Dieser ist bergig und etwa 70km lang. Die andere Möglichkeit war quer über die Landstraßen zu fahren, ebenfalls bergig, aber nur 42km lang, dafür aber stark befahren. Da es schon nachmittag war, entschieden wir uns für die zweite Alternative. Wir hielten in der Stadt nochmal am Coop- Markt, damit Manu endlich gutes trinbares Wasser und einen Energybooster kaufen konnte.

Wir verließen Esztergom und schon begannen die Hügel. Sie waren eigentlich erträglich, hatten um die 4-7% Steigung, aber ich kam nur schlecht voran. Manu war die meiste Zeit voraus. Die Straße war sehr stark befahren und der Lärm und die Abgase der Pkws und vor allem Lkws machten keinen Spaß. Außerdem zog sich der Himmel langsam zu, es sah nach Gewitter aus.

20Km weiter, kurz vor dem Gipfel der letzten Steigung, machten wir noch einmal Rast an einem Aldi und kauften ein. Daraufhin war es nicht mehr weit und es ging endlich auf ebener Strecke weiter. Plötzlich wurde der Himmel regelrecht schwarz und ein starker Wind kam auf. Wir hielten an der nächsten überdachten Bushaltestelle an, um uns unterzustellen. Keine Minute zu spät, denn dann krachten gleich von drei Seiten gleichzeitig die Gewitter los. Das Inferno dauerte etwa eine halbe Stunde und zog über die nahen Berge weiter.

Das Gewitter zieht auf dunkel wie in der Nacht Regenwand Blitze noch mehr Blitze

Die leuchtenden Warnwesten wurden angezogen und wir fuhren bei leichtem Regen wieder weiter. Es war wirklich infernalisch. Der wind blies stark und in heftigen Böen von der Seite. Mein vorderes Licht war ausgefallen, die Autos fuhren dicht an uns vorbei, wir wurden nass gespritzt, die Sicht war schlecht und es wurde durch die Nässe ziemlich kalt. Dann sprang noch meine Kette herunter und zu allem Übel flog kurz darauf noch meine Straßenkarte  aus der Tasche und war dahin. Zum Glück hatten wir noch das Navi. Ich hielt in einer Hand das Gerät und versuchte mit dem Verkehr auf der Hauptstraße mitzuschwimmen, denn Radwege gab es nicht oder nur unzureichend. Endlich erreichten wir das Ortsschild von Budapest.

Wir mussten nun noch etwa 10km durch die Stadt fahren, um zu unserem Hotel zu gelangen. Der Regen war mal mehr mal weniger stark und es war bereits dunkel. Irgendwann erreichten wir erleichtert und erschöpft unsere Unterkunft.

Es war mit knapp 50€ pro Nacht noch relativ günstig für die Stadt, dafür lag es auch ein paar Kilometer weg von der Donau und dem Zentrum. Wir checkten ein, der Mensch an der Rezeption war dabei wenig hilfreich. Das Hotel hatte keine Möglichkeiten die Fahrräder irgendwo einzuschließen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die Bikes mit auf unser ohnehin schon kleines Zimmer zu nehmen.

Räder im Hotelzimmer

Das Zimmer war enttäuschend, denn im Bad stank es gewaltig nach Schimmel und das kleine Doppelbett übertrug jede Bewegung und verstärkte sie auf der anderen Bettseite. Wenn ich ein Bein bewegte, hatte Manu das Gefühl, ich drehe mich springend auf dem Bett herum.Trotzdem waren wir froh, endlich angekommen zu sein. wir packten unsere Klamotten aus und zogen uns um, dann liefen im Regen noch mal zur nächsten Tanke, kauften Snacks und Bier und genossen zurückgekommen, diese Goodies beim Aufwärmen und Trocknen. Durch das Wackelelbett konnten wir beide nur schlecht schlafen. Leider hatten wir nicht viele Fotos an dem Tag gemacht.

Fahrradfahrer! meidet das Hotel Fabius in Budapest.

Tages-km: 113,21 Gesamt-km: 579,35 Tages-hm: 418 Gesamt-hm:1118

 

Fahrzeit: 06:49:41 Durchschnittskm/h: 16,5

 

 

10Mai
2013

Fahrradtour 2013 Teil 2 Ungarn - Serbien - Kroatien

03.05.2013 Budapest

Als Manu morgens versucht leise aufzustehen weckt er mich versehentlich mit. Schuld ist dieses Bett, welche alle Bewegungen verstärkt. Ich bin nörglig und will noch schlafen. Manu macht sich fertig und geht schon zum Frühstück. Ich lasse mir Zeit und komme irgendwann nach. Das Frühstück ist sehr dürftig. Es liegt eine Packung Toast herum, etwas Margarine und Plastikmarmeladen. Den Cappuchino muss man extra zahlen. Ich werde noch nörgliger.

Wir schnappen uns die unbepackten Räder, welch eine Wohltat, und wollen in die Stadt fahren. Ich merke dass mein Hinterrad nicht rund läuft. Ich bocke es auf und trete in die Pedale. Es dreht sich eine dreiviertel Umdrehung und plötzlich hängt der Reifen am Rahmen. Ich habe einen mörderischen Achter drin. Das passiert also wenn man eine gebrochene Speiche ignoriert und 200km weiter fährt. Unter diesen Umständen ist eine Weiterfahrt mit Gepäck unmöglich. Jetzt weiß ich auch, warum ich solche Probleme gestern beim Fahren der Hügel hatte.

Ich bin echt am Boden und sehe schon den Urlaub hier enden. Aber Manu baut mich wieder auf, mit dem einfachen aber genialen Vorschlag, eine Fahrradwerkstatt zu suchen.

Budapest Budapest

Zuerst fuhren wir in die Innenstadt um Geld zu wechseln und dann gleich nach einer Fahrradwerkstatt zu fragen. Wir fanden eine gute Wechselstube und kauften auch gleich wieder die Sticker fürs Rad und Postkarten. Ich sprach junge Passanten nach einem Bike-Laden an und nicht weit weg befand sich tatsächlich ein solcher. Nur hatte der Besitzer leider im Augenblick zu viele Reparaturen und konnte keinen Auftrag mehr annehmen. Er empfahl uns aber einen weiteren Laden, zwei Straßen weiter. Ich frage dort nach und der Monteur war sehr hilfsbereit. Er sagte: "Lass das Bike hier er tut was er kann, ich soll in zwei Stunden wieder kommen, vielleicht ist das Bike dann fertig."

Wir hatten Hunger und suchten in der Nähe eine ansprechende Location in einem Hinterhof auf. Dort bestellten wir überteuertes Designeressen und werden von der Bedienung schräg angeschaut, als wir nach Kronkorken fragten, die ich ja sammele. Die Speisen ließen lang auf sich warten, sind lecker, aber dafür winzig.

Meine Frau machte mir indess per SMS ebenfalls Mut und versprach aus der Ferne, dass alles gut wird. Oh wie ich sie in dem Moment vermisste.

Nach dem Essen schlenderten wir noch etwas im Diplomatenviertel herum und liefen langsam Richtung Radladen. Plötzlich zog ein Platzregen über uns hinweg und wir pressten uns in schmale Hauseingänge um nicht nass zu werden. Als der Regen ziemlich schnell vorüber war ging ich zum Radladen und siehe da, mein Bike war tatsächlich schon  fertig. Ich war super glücklich. Der Monteur meinte, es seien drei Speichen gebrochen, die er ausgetauscht hat. Er wollte 1500 Forint haben, was in etwa 5€ entsprach. Ich drückte ihm 2000 Forint in die Hand, den Rest für Bier, denn er hatte sich echt beeilt. Der Monteur freute sich und nahm es dankbar an.

Jetzt war meine Laune schlagartig wieder gut. Wir fuhren an der Rückseite des Parlamentes vorbei und fanden ein schönes Cafe. Wir setzten uns und tranken dickflüssige Schokolade und aßen dazu lecker zarte Palatschinka.

Palatschinka

Es war bereits Nachmittag und wir machten uns langsam auf den Rückweg zum Hotel wieder auf die andere Seite nach Buda. Wir fuhren nun über die berühmte Kettenbrücke mit den steineren Löwen und von da aus auf dem Bürgersteig durch einen stark befahrenen lauten Tunnel hindurch.

Kettenbrücke Löwen ohne Zunge Budapest Parlament die breite Donau

Wir waren auf der Suche nach einem Supermarkt, aber wir konnten eine gefühlte Ewigkeit keinen finden. Schließlich hatten wir doch Glück und wir deckten uns mit leckeren Quarkriegeln und Bier ein. Im Hotel angekommen war noch etwas Chillen angesagt. Dann wollten wir schön Essen gehen. Wenn man schon mal in Budapest ist, dann geht man..na..klar... zum Pakistani.

Das Essen schmeckte wirklich hervorragend mit MangoLassi, CobraBeer und Naan-Brot und allem was dazu gehört. Zurück im Hotel schrieben wir Karten und Manu überbrachte mir noch die traurige Nachricht des heute verstorbenen Slayer-Gitarristen, einem musikalischen Helden aus jungen Tagen. 

 

R.I.P. Jeff Hannemann

 

Tages-km: 21,16 Gesamt-km: 600,51 km

Fahr und Schiebezeit: 02:14:26h Tageshm: 107 Gesamthm: 1225

 

 

Tage 7 und 8                                 04.05. 2013

 

Budapest -Dunaujvaros- Solt- Kalocsa

Der Wecker klingelte heute schon um 07:15 Uhr. Manu ging duschen, ich hatte am Abend schon geduscht und konnte langsam wach werden. Die Sachen waren gepackt und so konnten wir um 07:30 Uhr zum Frühstück gehen. Dieses war diesmal besser als am Vortag. Wir haben das Zimmer bezahlt, die Postkarten abgegeben und sind abgefahren.

Wir wollten eine Post finden, damit wir ein Teil der Wäsche per Paket nach Hause schicken konnten. Wir hatten mal wieder viel zu viel dabei. Jeder packte etwa 2kg "StinkeWäsche" in einen großen Karton, dazu mein Mohnöl aus der Wachau und ungarische scharfe Paprikapaste und schickten das Paket zu je ca 22€ nach Hause. Wir wechselten gleich noch Geld und um 10 Uhr befanden wir uns endlich wieder auf dem Donauradweg. Die Sonne schien und wir hatten ein wunderschönes Panorama auf das Parlament in Pest.

Parlament am Morgen Parlament

Der Radweg führte uns nach Süden und wir kamen langsam hinaus zu den Vororten von Budapest. An einer russischen LUK-Oil Tankstelle kaufte ich eine neue Straßenkarte von Ungarn. Wir mussten insgesamt 22km fahren, bis wir das langgezogene Stadtgebiet emdlich verlassen hatten.

Der Weg führte nun über einsame flache Landschaften und machte richtig Spaß. Immer wieder war das Schild mit der Euroroute 6 zu sehen, ihr folgten wir nun. Wir kamen in die Partnerstadt des bei uns in der Nähe liegenden Örtchens Waghäusel (Gruß an Harry an dieser Stelle) und fuhren anschließend an einem großen beängstigend wirkenden Hochsicherheitsgefängnis vorbei.

Waghäusels Partnerstadt

Nach einigen Kilometernrollten wir lange an einem Alt-Arm der Donau entlang. Hier sah es aus wie am Balaton. Endlos zogen sich die Datschen und kleinen Häuser an den Ufern entlang. Nur der Weg war katastrophal. Er war von tiefen Schlaglöchern und Sandkuhlen durchsetzt. Entweder tat es ordentliche Schläge wenn man trotz ständiger Ausweichmanöver doch ein Schlagloch erwischte oder man versank bzw. rutschte aus in den Sandkuhlen. Der Weg tat unseren Rädern nicht gut. Nach etwa 25km auf dieser Strecke wechselte das Gelände und wir fuhren die nächsten 30km etwa ab Dunaujvaros auf dem Fahrstreifen auf dem Donaudamm.

Die Fahrspur führte über Erdboden, mal überwachsen, mal holprig und auch ab und zu mal angenehm glatt. Ich hörte Manu schimpfen wie einen Rohrspatzen. Auch dieser Weg kostete einiges an Kraft, wurde aber wenigstens optisch durch die sehr schöne Kulisse aufgewertet. Wir fuhren durch die Ungarische Tiefebene, die höchsten Punkte waren die Wassertürme in Dörfern oder Fabriken, die nötig sind, um den Wasserdruck aufrecht zu erhalten. Wir überholten zwei niederländische Reiseradlerinnen, die auf ihren Bikes in die gleiche Richtung fuhren

Donauradweg in Ungarn.

Irgendwann entdeckten wir parallel zu unserem Weg eine Straße und folgten dieser jetzt weiter. Bei einer Pinkelpause zerriss ich mir meine Fahrradhose genau im Schritt beim Absteigen vom Rad. Das war klar, jetzt wo ich das Zuviel an Wäsche heimgeschickt hatte. Ich zog mich um und meine vorletzte kurze Hose an. Die Sonne donnerte jetzt ordentlich herunter, das Thermometer in meinem Bike-Computer zeigte 32C° an.

Wir blieben jetzt auf der Landstraße und fuhren durch viele kleinere und größere Orte. In Solt tranken wir in einem kleinen Gasthof Wasser und Cola und ich holte mir wenig später ein gutes Softeis. An der Ecke, an der das Eiscafe lag, hielt auch der Bus. Ein stark alkoholisierter junger Mann schwankte heraus und förderte mehrmals in großen Schwallen Erbrochenes mitten auf den Gehweg. Nicht nur dass das die anderen Passanten auf der Straße kalt ließ, nein, einige von ihnen tappten auch noch mitten durch die Kotze. Wir hatten genug und fuhren weiter. Wir hielten noch einmal an einem kleinen Dorfladen und kauften Getränke, denn es war wirklich heiß. 15Km weiter kamen wir in der Dämmerung endlich im südungarischen Kalocsa an, neben Szeged das alte und neue Zentrum des ungarischen Paprikaanbaus.

Heugarben kurz vor Kalocsa

Auch hier war erst einmal Supermarkt suchen angesagt. Den ersten Lidl lehnten wir ab, aber da es schon ziemlich spät war, nahmen wir den folgenden Penny. Wir bevorzugen generell eher die einheimischen Supermärkte, einfach auch um die landestypischen Produkte zu kaufen. Bei Lidl, Aldi und Co gibt es zu großen Teilen eben nur die allseits bekannte deutsche Ware.

Beim Rad anschließen fuhr ich Manu an, nur weil er mal wieder wissen wollte was wir kaufen sollen. Ich wollte nicht ständig für zwei Leute denken. Ich war gereizt,  die Anstrengung, die Hitze und das tägliche Beeieinander hatten mich an diesem Tag dünnhäutig werden lassen. Er ging wieder zuerst in den Markt und ich entdeckte bereits eine Pension, bei der wir anfragen konnten. Als Manu dann rauskam, entschuldigte ich mich bei ihm und wollte selbst einkaufen gehen. Der Markt war aber kurz vor dem Schließen und die Mitarbeiter komplimentierten mich fast heraus. Ich rannte durch den Laden und schnappte mir schnell das Nötigste damit ich schnell noch bezahlen konnte.

Die gesehene Pension Alexandra war ein voller Erfolg. Sie war neu, groß, sauber und die Besitzerin sprach gut englisch. Wir konnten unsere Räder einschließen, ich wusch schnell ein paar Klamotten und entsorgte meine zerrissene Radhose. Wir klärten unseren Disput von vorhin, gingen duschen und anschließend in die City.

Heute hatte Manu die Sonne frontal erwischt. Er war krebsrot. Wir liefen durch die Stadt und suchten ein Lokal, denn unsere Mägen knurrten mittlerweile ordentlich. Wir landeten schließlich in einem schicken jugendlichen Lokal mit dem Namen Metropol. Während wir auf unser Essen warteten, tranken wir gutes eiskaltes Soproni. Der Kellner sprach perfekt deutsch, er hatte in Köln gearbeitet und er brachte uns sehr leckere Pasta und Salat. Wir gingen satt und müde nach Hause doch vor unserer Tür lag ein betrunkener Kerl auf der Bank, der das Weite suchte als wir in unsere Pension wollten. Ab ins Bett und gleich geschlafen.

 

Tages-km: 144,33 gesamt-km: 744,84   Tages-hm: 118 Gesamt-hm: 1343

 

Fahrzeit: 07:45:24h Durchschnitt: 18,00km/h

 

 

 

 

Tag 8: 05.05.2013

 

Kalocsa-Baja

 

Wir hatten ausgeschlafen und ein reichhaltiges gutes Frühstück. Statt Peffer und Salz gab es hier scharfen Paprika und Salz im Streuer. Wir zahlten 50€ + noch mal extra 2€ für die morgendlichen Kaffeegetränke.

Bei einer meiner Gepäcktaschen löste sich der Griff ab und ich improvisierte eine Reparatur mit Kabelbindern.

Im SPAR frischten wir die Vorräte auf → Energydrinks und Quarkriegel, das E und Q eines guten Starts in den Tag.

Wir schauten uns die große Kathedrale im Zentrum an und statteten dem Paprikamuseum einen Besuch ab. Darin wurde die Geschichte und Bedeutung der Paprika für Ungarn erklärt. Wir sahen uns die liebevolle Ausstellung an, kauften ein paar scharfe Mitbringsel und fuhren weiter.

Kalocsas Kathedrale Kalocsa Kalocsa Schloss von Kalocsa Paprika Museum Planet Paprika Hier wächst der scharfe Stoff Scoville lieber Chilli als in die Zitrone beißen

Das nächste Ziel war Baja, etwa 45km entfernt. Die Fahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, einzig ein große Haufen frischer Eingeweide mitten auf der Straße fanden wir sehr verstörend.

Wir kamen in Baja an und aßen erst mal ein Eis. Daraufhin setzten wir uns an einen kleinen Imbiss und nahmen ebenfalls noch Salat, Sandwiches und Palatschinka zu uns.

Baja Zentrum Storchennest in Baja

Gegen 14 Uhr brachen wir auf und fanden den Euro6 Radweg wieder. Wir folgten ihm ein paar Kilometer und merkten aber, dass wir statt weiter nach Süden zu fahren, einer westlichen Route folgten. Der Radweg wendet sich hier tatsächlich in Richtung Kroatien. Wir wollten jedoch nach Süden, zur serbischen Grenze fahren.

Wir drehten also wieder um und mitten auf der Landstraße hörte ich plötzlich einen leichten Schlag und daraufhin ein Schleifen. Ich stieg ab. Oh Nein! Wieder war eine Speiche gebrochen und sofort war ein großer Achter im Rad. Wahrscheinlich von der schlechten Strecke am Vortag. Verzweiflung machte sich erneut schnell breit.

Die einzigste Möglichkeit war zurück nach Baja zu schieben (7km) und eine Werkstatt zu finden. Allerdings war heute Sonntag. Ich sprach ein entgegenkommendes Ehepaar an und erklärte mit Zeigen auf Deutsch und Englisch mein Problem. Sie konnten mir ein Fahrradgeschäft nennen, allerdings macht das erst am Montag wieder auf. Ich speicherte mir schnell die Straße ins Navi ein, in der der Laden liegt und bedankte mich. Ich schob das Rad bis zur besagten Straße und fand den Laden auch recht schnell.

Manu organisierte in der Zeit ein DZ in der Pension Kaiser.Die Besitzer sprachen deutsch und es hing ihr Stolz, ein alter deutscher Stammbaum im Treppenhaus der sauberen und hübschen Pension. Wir packten die Sachen aufs Zimmer, duschten und konnten im TV die RTL Nachrichten schauen.

Am Abend machten wir noch einen Abstecher in die Stadt, aßen noch ein Eis und setzten uns in Flussnähe in ein Restaurant. Dort ließen wir uns Soproni 1895 schmecken, in hoffender Erwartung auf den nächsten Tag.

Soproni 1895

 

 

Tages-km:68,71        Gesamt-km: 813,55            Tages-hm: 89             Gesamt.hm: 1432

davon 6,8 geschoben

 

Fahrt und Schiebezeit: 04:42:59h

 

 

Tag 9                        06.05.2013

 

 

Baja (H) – Backi Breg (SRB) – Sombor (SRB)

 

Der Wecker klingelte um 07:30 Uhr und um 07:50 waren wir schon fertig. Ich war total aufgekratzt, denn natürlich wollte ich, dass alles mit der Fahrradreparatur klappt. An der gegenüberliegenden Straßenecke haben wir nun noch einen zweiten Reparaturservice entdeckt, der laut Hinweistafel vom Rad über den Rasenmäher bis zur Simson alles repariert. Der Laden öffnet um 08:30 Uhr.

Also genug Zeit zum Frühstücken. Im Speiseraum wurde viel Deutsch geredet. Scheinbar war in Baja gerade eine Art Treffen ehemaliger Ansässiger deutscher Herkunft. Das bestätigte mir später im Gespräch auch ein älterer Herr aus Starnberg, der extra nur dafür angereist war. Hier in Baja lebte lange Zeit eine größere Minderheit von Deutschen, auch heute sind noch viele ansässig, wenn auch längst nicht mehr so viel wie vor dem Fall des eisernen Vorhanges. Die Kinder der Pensionswirtsleute sprachen ebenfalls deutsch.

Ich stand um 08:45 vor dem Laden an der Ecke, aber leider hatten sie dort so kurzfristig keine Zeit zum Reparieren. Also direkt zum Radladen, den ich gestern schon gefunden hatte. Ich wartete ein paar Minuten und um 09:00 Uhr öffnete eine Verkäuferin. Ich schilderte und zeigte ihr das Problem und sie bat mich ein paar Minuten zu warten bis der Monteur kommt.

Dieser erschien etwa 10min später. Vor mir gaben noch zwei Damen ihr Rad mit Plattfuß ab, dann war ich an der Reihe. Er verstand sofort und meinte zu mir er benötigt etwa 45min inklusive Zentrierung des Rades.

Ich hatte also genug Zeit Manu im Hotel Bescheid zu geben und noch eine Bank aufzusuchen, denn ich hatte alle Forint aufgebraucht. Ich hob mal vorsichtshalber 3000 Forint ab, etwa 10 €.

Pünktlich um 10 Uhr war ich an der Werkstatt und das Rad war fertig. Er hatte es zentriert, das hatte der Monteur in Budapest scheinbar nicht gemacht, sondern nur die Speichen eingezogen. Der Monteur verlangte 750 Forint und war glücklich als ich ihm 1000 gab.

Ich war heilfroh, raste zum Hotel und wir konnten die Räder bepacken und starten. Ich ging noch einmal schnell in der Eckradladen und kaufte einen neuen Spanngurt für 400 Forint und dann fuhren wir ... immerhin bis zum nächsten Supermarkt am Ende der Stadt.

Dort versuchten wir noch ein paar Forint loszuwerden und waren schließlich auf der Straße Richtung serbische Grenze unterwegs. Bis dorthin waren es noch etwa 38km. Wir fuhren gemütlich dahin, da setzte langsam ein starker Wind ein und der Himmel wurde dunkel. Ich schaute nach einer Unterstellmöglichkeit, denn mittlerweile hatte ich durch diverse Radreisen ein Näschen entwickelt, wann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es regnet. So auch in diesem Fall. Ich sah einen kleinen Imbiss mit überdachten Bänken und steuerte darauf zu.

Und es fing wieder an zu regnen. Der Imbiss war aus Holz und innen stockfinster. An einem Tresen empfing uns eine mürrische Angestellte, die auch aus einer "Redneck-Gegend" im mittleren Westen stammen könnte. Außerdem saß in einer Ecke ein zusammengekauerter Kerl, der Bier trank.

Ich bestellte ein Schweppes und Manu verlangte nach einem „American Coffee“. Das war zumindest mal die Standartbezeichnung für normalen Kaffee in Budapest gewesen. Sie blaffte Manu an mit: „We only have Hungarian Coffee!“  Okay I would like to have one cup, please." Und- Baff! stellte sie die Tasse vor ihn hin.

Wir zahlten, nahmen die Getränke mit raus und aßen dazu eigens mitgebrachte Kleinigkeiten, während es vor sich hinschüttete. Nach 15min ließ der Regen langsam nach und plötzlich kam wie aus dem Nichts ein gehbehinderter Mensch langsam auf Gehhilfen angelaufen. Wir fragten uns woher er plötzlich kam, ein Dorf war nicht in Sichtweite. Er setzte sich und beobachtete interessiert was wir taten. Wir packten langsam zusammen, denn der Regen hörte auf. Ich rief beim Abfahren noch ein Tschüss zu und hob die Hand. Der Mann reagierte nicht und starrte blos. Als wir einige Meter weg waren, sah ich mich noch einmal um und der Mann ging zurück, von woher er kam. Ziemlich creepy der Ort.

Wir ereichten langsam die Grenze zwischen Ungarn und Serbien und gleichzeitig der EU. Etwa einen Kilometer vor der Grenze gab es noch eine kleine Tankstelle, die wir sogleich ansteuerten. Wir wollten unsere letzten Forint ausgeben und kauften uns eine Straßenkarte von Kroatien, sowie teures Magnum-Eis und Manu Red Bull in Dosen. Irgendwie schafften wir es unser ganzes Geld loszuwerden. Die Tankstelle war ein Treffpunkt der umliegenden Ortschaften. Hier kamen die Bauern und Arbeiter und trafen sich um Bier zu trinken.

Um 14 Uhr passierten wir die serbische Grenze. Auf ungarischer Seite wurden wir durchgewunken und an der serbischen Seite schon etwas genauer kontrolliert. Wir bekamen neue Stempel in die Pässe.

Willkommen in Serbien Freudig Radfreundlich heimliches Foto aus der Hüfte von der Grenze der serbische Donauradweg

Nun waren wir in der Batschka, einem Teil der Voivodina, welcher ein kleiner relativ autonomer Vielvölkerstaat innerhalb Serbiens ist. Hier lebten Ungarn, Serben, Kroaten, Rumänen und weitere verschiedene Minderheiten noch relativ friedlich nebeneinander. Vielleicht ist es ein wenig so wie im früheren Jugoslawien unter Tito.

Erstaunlich fanden wir, dass direkt an der Grenze auf eine große Tafel der gesamte Donauradweg mit allen Stationen komplett durch Serbien bis nach Bulgarien angezeigt wurde. Soviel Fahrradfreundlichkeit hatten wir gar nicht erwartet.

Die Landstraße hatten wir fast für uns allein. Wir kamen durch Backi Breg, das erste Dorf in Serbien. Eine Hauptstraße führte durch das Dorf und links und rechts Höfe und Häuser. Ich sah seit langem wieder mal Yugos und Zastavas. Ich freute mich, denn diese Autos sind ab und zu auch in der DDR herumgefahren, eine Erinnerung an meine Kindheit.

Die Gegend war ärmlich und lebte von der Landwirtschaft. Optisch erinnerten mich die Orte an eine Mischung aus Rumänien, Albanien und Bosnien-Herzegowina. Man sah viele Roma, die wohl in die Randregionen des Landes abgeschoben werden.

Manu in Serbien wenig los Zastava und Yugo Zastava und Manu Belgrad

Die Beschilderung war sporadisch, deswegen hielt ich bei zwei älteren Männern mit wettergegerbter sonnengebräunter Haut und wenig Zähnen. Ich nannte Sombor als Ziel und die beiden waren super lieb und hilfsbereit und zeigten mit allen Mitteln die Richtung, in die wir uns halten sollten. Wir bedankten uns und fuhren weiter.

Uns kam ein Pferdefuhrwerk entgegen, welches mehrere Meter hoch Holz, alte Möbel und allerlei Hausrat gestapelt hatte. Auf dem Sitz saßen eine alte Frau mit Kopftuch und zahnlos, daneben ihr Mann wahrscheinlich ebenso alt und ebenso wenig Zähne. Das osteuropäische Flair gefiel mir, hier war es noch so ursprünglich wie man es sich vorstellt. Alles ein wenig ungeordnet, nicht so steril und sauber wie in deutschen Dörfern, alles folgt einer eigenen Ordnung, obwohl der Anblick der Armut eher gemischte Gefühle verursachte.

Wir kamen an eine Kreuzung, an der es entweder nach Kroatien ging oder südlich Richtung Novi Sad, der Hauptstadt der Voivodina. Wir nahmen den Weg Richtung Süden und erreichten etwa 20km weiter Sombor.

zwei Länder zur Wahl Voivodina

Hier hatte ich von Deutschland aus schon ein Zimmer vorgebucht, weil ich nicht einschätzen konnte, wie viele Unterkunftsmöglichkeiten hier vorhanden sind. Das Navi kannte die Straße nicht und so fragte ich eine entgegenkommende Frau nach der Straße. Auch ihr fehlten einige Zähne. Sie war sehr hilfsbereit und dank ihrer Hilfe fanden wir den Weg in unser domizil, die Villa Kronic.

Manu war etwas geschockt und überfordert, denn er hatte nicht mit den Bergen an Dreck und Müll in manchen Seitenstraßen gerechnet. Das ist leider ein großes Problem, dass es in der breiten Bevölkerung noch wenig Bewusstsein gibt in Richtung Umweltschutz, hier müssen sich die Leute in allererste Linie erst einmal um sich selbts kümmern.

Wir erreichten schnell unsere schicke Villa Kronic. Wir gaben die Pässe ab, damit die Rezeption uns polizeilich melden konnte, dass ist in Serbien Pflicht. Wir bezogen die schönen Zimmer und freuten uns über den Platz und den Balkon mit Blick ins Grüne. Wir gingen schnell duschen und fuhren mit den Rädern in die 3km entfernte Innenstadt, die ziemlich schick restauriert war. Es gab eine breite Einkaufsstraße mit Shops und Restaurants. Wir hoben Geld ab und schauten uns ein bischen in der Stadt um.

Sombor schickes Sombor Sombor Sombor

Schließlich suchten wir uns ein Lokal heraus und ließen es uns richtig gut gehen mit Sopska Salat, Gemüse Teller, der kultigen Cockta-Limo, die es in allen jugoslawischen Nachfolgestaaten gibt und zu meinen All-time Favoriten gehört. Es ist ein Getränk schwarz wie Cola, jedoch aus Hagebutten hergestellt und ohne Koffein.Sie schmeckt säuerlich-süß und ist kalt sehr erfrischend und ein guter Energiespender. Manu schmeckt es nicht unbedingt so gut, ihm wurde von lauwarmer Cockta auf einer Serpentinen Autofahrt durch das slowenische Soca Tal davon mal schlecht.

Geschlemme mit Sopska salat

Es gab gutes Jelen Pivo (Hirsch Bier), Palatschinka und einen Rakija zur Verdauung. Neben uns saß ein junges Paar aus Subotica. Wir unterhielten uns angeregt mit ihnen und bekamen viele Informationen.Sie hatten im Goethe-Institut Deutsch gelernt und beherrschten die Sprache ziemlich gut.

Wieder einmal setzte starker Regen ein. Wir bezahlten wir für unser Festmahl zusammen etwa 24€ und machten uns auf den Rückweg. Die drei Kilometer Rückweg wurden wir komplett durchnässt. Wir trafen bei der Rezeption in der Villa Kronic einen jungen Kellner und orderten noch Jelen Pivo fürs Zimmer.

Das tranken wir auf unserem Balkon, während wir dem starken Gewitter zu schauten. Später zockten wir noch eine Runde Diktatoren Quartett, welches Manu dabei hatte. Ich verlor, denn meine braven Diktatoren wie Brechnew, Tito und Honecker kamen nicht gegen Manus Stalin, Pol Pot oder Enver Hodscha an.

Serbien gefiel uns ziemlich gut.

Villa Kronic

 

Tages-km: 78,04 km Gesamt-km: 891,59 Tages-hm: 62 Gesamt-hm: 1494

 

 

 

Tag 10                                    07.05. 2013

 

Sombor (SRB) – Apatin (SRB) – Dalj (HR) – Osijek (HR)

 

Gegen 08:00 Uhr morgens wurde ich von einem Zischen geweckt. Ich öffnete langsam meine schweren Augen um zu schauen, woher das Geräusch stammte. Da sah ich Manu wie er glücklich seine eben geöffnete Dose Red Bull ansetzte und einen ordentlichen Guten-Morgen Schluck trank, Mit diesem Schluck war die 0,33 l Dose faktisch leer.

Draußen ging ein kräftiger Wind. Wir packten zusammen und beim Frühstück waren wir die Einzigsten in einem großen Speisesaal. Wir konnten zwischen Omelett mit oder ohne Käse wählen und orderten dazu Kaffee. Zusätzlich bekamen wir super weiches frisches Weißbrot gereicht und ein Kefir- oder Ayran ähnliches Getränk. Der Kaffee war türkisch, das heißt in der großen Tasse war die Hälfte des Inhalts Kaffeesatz. Das Getränk war so stark, dass es schon seifig schmeckte. Ich schüttete alles verfügbare an Milch und Zucker hinein, aber es wurde nicht besser. Manu schlürfte vergnügt seinen Kaffee und nahm meinen gern noch dazu an. Der Koffeingehalt in seinem Blut war an diesem Morgen bestimmt schon im zweistelligen Gramm-Bereich angelangt.

Um 09:30 starteten wir Richtung Innenstadt. Wir hielten an einem Supermarkt und ich freute mich über kalten Kwas aus der Dose. Der osteuropäische Brottrunk hatte uns oft auf unserer Baltikumradtour erfrischt.

nochmal Sombor Sombor neben dem Supermarkt

Manu kaufte serbische Energydrinks, damit er seinen KoffeinSpiegel halten konnte. Wir fuhren aus der Stadt raus, verfehlten den richtigen Weg und landeten erst einmal auf einem Pfad, der in einer Schlammpiste endete. Wir kamen mit etwa 5km/h voran und mussten höllisch aufpassen damit wir nicht im Schlamm landeten. Wir drehten um und es begann wieder zu tröpfeln.

Wir stellten uns unter einer mit Unmengen von Taubenkot beladenen Brücke unter, aber der richtige Regen wollte sich nicht einstellen. Also fuhren wir weiter und nach vielleicht 5km begann der Starkregen nun doch recht heftig einzusetzen. Ich entdeckte ein Wellblechdach vor einem Betrieb unter dem viele Autos standen. Daneben war ein Pförtnerhäuschen. Ich fragte ob wir uns unterstellen durften und wir konnten bleiben.

Unterschlupf unterm Wellblechdach

Nur kam plötzlich ein Mitarbeiter nach dem anderen aus der Firma heraus zum Parkplatz wo wir standen und schlossen ihre Autos ab, die vorher offenbar unabgeschlossen herum standen. Wir warteten etwa eine halbe Stunde dann konnten wir weiter fahren.

Unser nächstes Ziel war die Stadt Apatin. Wir entdeckten wieder den serbischen Donauradweg und folgten ihm durch kleine Dörfer bis wir endlich nach langer Zeit wieder die Donau sahen. Der Weg führte an schönen Auenwäldern entlang, die teilweise unter Wasser standen.

Nationalpark Donau Donauauen

Diese schöne Route führte uns direkt bis nach Apatin. Wir hielten an einer Tankstelle und kauften SRB-Sticker für die Räder. Dann entdeckten wir eine Pizzeria in einem renovierten Jugendstilhaus und aßen dort zu Mittag. Es gab Pasta und Palatschinka, dazu natürlich Cockta. Der junge Mann, der uns bediente, sprach gut Englisch und spielte Drums in einer Metal Band namens HSF 

Wir untehielten uns über Musik und bedauerten den Tod von Slayer Ikone Jeff Hannemann. Er brachte einen Beutel Kronenkorken und ich konnte nach Herzenslust neue Exemplare herausfischen.

Kronenkorken 

Wir bedankten uns für die nette Unterhaltung und die erfrischende Herzlichkeit und fuhren schließlich weiter. Da entdeckten wir die Jelen-Pivo Brauerei. Wir huldigten unserem liebsten serbischen Bier und posten und hampelten für ein paar Fotos vorm Gebäude herum.

Apatins Jelen Brauerei Apatins Jelen Brauerei Apatins Jelen Brauerei Amazing Jelen

Das nächste Ziel war die serbisch-kroatische Grenze bei Bogojevo. Wir hatten jetzt mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Wir kamen an den für die pannonische Tiefebene bekannten Ziehbrunnen vorbei.

Ziehbrunnen   Serbisch Orthodoxe Kirche saftiges Grün

Gegen 16 Uhr standen wir recht plötzlich an der Grenze, welche von der Donau gebildet wurde. In Fließrichtung betrachtet befand sich am linken Ufer die serbische Grenze und am rechten Ufer die kroatische Grenze. Auf der großen Brücke verabschiedeten wir uns von dem liebgewonnenem Fluss, an deren Ufern wir so weit gereist waren. Wir versprachen, dass wir sie eines Tages bis zu ihrer Mündung ins schwarze Meer begleiten wollen.

Abschied von der Donau Grenzbrücke zwischen SRB und HR bye bye Danube Welcome to Hrvatski Auch auf dieser Seite ist ein Radweg

Von nun an orientierten wir uns am Fluss Drau oder kroatisch Drava. Dieser große Nebenfluss der Donau entspringt in den österreichischen Alpen und legt einen langen Weg bis zur Mündung hier in die Donau zurück.

Wir passierten die kroatischen Grenze recht schnell und unkompliziert. Hier begann der Vormarsch der jugoslawischen Volksarmee bei der Belagerung von Vukovar, vor 20 Jahren. Die Heldenstadt befindet sich nicht weit von hier. Die Stadt wurde faktisch dem Erdboden gleich gemacht, die Einwohner hielten sehr lange stand und verteidigten die Stadt mit allem was sie zur Verfügung hatten.. Das traurige Wahrzeichen ist ein großer zerschossener Wasserturm. Hier befindet sich heute eine Gedenkstätte und Mahnmal gegen den Krieg.

Vukovar Wasserturm Quelle: croatia.org

Heute ist Slawonien, der östliche Teil Kroatiens mit der ärmste Teil im Land. Die Folgen des Krieges sind immer noch zu sehen. Wir fuhren an zerschossenen Fabriken und Häusern vorbei, deren Aufbau sich nicht mehr gelohnt hat und der Abriss wahrscheinlich auch zu teuer ist.

Wir kamen recht zügig voran und fuhren Richtung Osijek, der Hauptstadt Slawoniens. Kroatien präsentiert sich gleich wieder ganz anders. Sowohl landschaftlich als auch vom Menschenschlag und vor allem ist hier wieder alles geordneter und sauber.

Wir machten eine Rast in einem kleinen Dorf, tranken ein kühles Getränk und der Kefir von morgens tat sein übriges, wir sind sehr froh über eine Toilette. Auf der weiteren Fahrt suchen wir uns eine alte Bushaltestelle zum Unterstellen, den es begann wieder zu regnen. Die Haltestelle war von Einschusslöchern durchsiebt, das alte Metall war an manchen Stellen regelrecht zerfetzt worden. Das zeigte die Wucht und Durchschlagkraft wahrscheinlich von Kalaschnikows.

Wir fanden schöne Kronenkorken und fuhren irgendwann weiter, denn es tröpfelte nur noch. Wenige Kilometer vor Osijek jedoch begann wieder der starke Regen. Wir kamen bei der großen Ozujsko Brauerei vorbei und freuten uns wieder wie kleine Kinder, denn auch dieses Bier lieben wir.

Osiecko Pivo mmh lecker angenehm im Hals

Das Navi war uns wieder behilflich bei der Hotelsuche. Die ersten Hotels die wir ansteuerten, waren jedoch alle im oberen Preissegment, alle um die 90€ für eine Nacht. Das war uns definitiv zu viel Geld, nur leider fanden wir keine kleineren Pensionen. Es regnete in Strömen und wir fuhren mehrere Hotels an. Endlich fanden wir eines, welches ursprünglich 80€ kostete, wir konnten den Preis jedoch bei der hilfsbereiten Dame auf 60€ inkl. Frühstück herunterhandeln. Es war ein recht schickes Hotel, namens „Drava“. So ein Zufall.

Wir hängten unsere nassen Klamotten auf und duschten erst einmal lange warm, weil wir wegen des Regens ziemlich durchgefroren waren. Danach statteten wir der Innenstadt noch einen Besuch ab und landeten schließlich bei einem Italiener. Wir haben einen Copska-Salat gegessen, der konnte aber bei weitem nicht mit dem leckeren Salat tags zuvor in Serbien mithalten. Der Hauswein war aber recht gut. Manu war nach diesem Tag recht kaputt.

Osjiek, aber nicht unser Hotel Osjiek KAthedrale von Osjiek für die Helden

 

Tages-km: 106,20 Gesamt-km: 997,79 Tages-hm: 125 Gesamt-hm: 1619

Durchschnitt: 18,00 km/h Fahrzeit: 05:53:28h

 

 

10Mai
2013

Fahrradtour 2013 Teil 3 Kroatien - Slowenien

Tag 11                   08.05.2013

 

Osijek – Donhi Miholijac- Slatina- Virovitica (HR)

 

Um 08:00 Uhr war Aufstehen angesagt und kurz darauf gab es ein sehr gutes Frühstück. Wir durften unser Gepäck noch im Hotel lassen, damit wir noch einen kleinen Stadtbummel mit den Rädern machen konnten.

Überall waren kroatische Flaggen und nationalistische Symboliken zu sehen. Wir wollten gern die Kathedrale besichtigen, durften sie aber mit kurzer Kleidung nicht betreten. Wir schauten uns den kleinen Hafen an der Drava an und fuhren kleine Schlenker durch die Stadt. Auch hier waren an vielen Gebäuden, ob Schule ,Kino oder Wohnhaus viele Einschusslöcher zu sehen.

Drava Hafen in Osjiek Drava Hafen in Osjiek Drava Hafen in Osjiek  Osjiek - Markt

 

Kriegsnarben Kriegsnarben

Es machte uns sehr nachdenklich, dass hier vor 20 Jahren ein furchtbarer Bürgerkrieg getobt hat, mitten vor unserer europäischer Haustür und alle Staaten haben viel zu lang tatenlos zugesehen. Allein wenn man an die jahrelange Belagerung von Sarajevo in Bosnien  oder an die Gräuel von Srebenica oder Goradze denkt wird man ganz still.

Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte, dem sei die sechsteilige Dokumentation „Bruderkrieg“ empfohlen, die der österreichische Rundfunk anlässlich des 20 jährigen Gedenkens seit Beginn des Krieges gedreht hat.Die Dokumentation veranschaulicht alle Ursachen die zu dem Konflikt geführt haben und führt anschaulich und verständlich durch all die Wirren und Seiten dieses Wahnsinns. Sehr empfehlenswert. 

 

Wir fuhren zurück zum Hotel, packten unsere Taschen auf die Räder und starteten direkt zum nächsten Supermarkt durch. Wir kauften ordentlich ein und merkten hier auch, dass das Preisniveau wieder dem Westeuropäischen angepasst war.

Wir mussten nun  immer auf einer recht vielbefahrenen Hauptstraße bleiben. In einem kleinen Ort machten wir noch einmal Halt weil es dort einen DM Markt gab und Manu Creme benötigte. Dort gab es einen kleinen Platz, auf dem in etwa die Anzahl Schüler einer eine ganze Schule standen und eine Tanzperformance einstudierten. Sehr amüsant zuzusehen.

Tanzperformance

Wir kamen heute gut voran, besorgten an einer INA Tankstelle HR Sticker und fuhren etwa 2h bis Donij Miholijac durch. Der kleine Ort liegt an der Drava, am gegenüberliegenden Ufer befindet sich schon wieder Ungarn.

Wir nahmen in einem Motel-Restaurant Platz und bestellten noch einmal Sopska Salat und Cockta. Die Cockta hielt was sie versprach, der Copska Salat war eher Gurkensalat mit Milch. Bäh! Aber das frische Weißbrot, welches zu hier jeder Speise gereicht wird, ist wieder einmal phänomenal lecker.

Weiter geht’s. An der Hauptkreuzung im Ort biegen wir einmal falsch ab und fahren um die 5km umsonst. Also umdrehen und wieder zurück. Jetzt sind wir wieder auf einer recht ruhigen Nebenstraße und es rollt ziemlich gut.Wir kommen durch kleine gepflegte Dörfer, auffällig sind nur immer wieder die leer stehenden und verlassenen Häuser mitten drin. Wir vermuten, dass dort vor dem Krieg Serben oder Bosnier gelebt haben, die dann vertrieben wurden, als der kroatische Staat ausgerufen wurde. Diese Vermutung wurde mir später von einer bosnischen Bekannten bestätigt.

Nach etwa 40km wollten wir an einer Bank auf einem kleinen Sportplatz rasten, doch sobald wir vom Rad abgestiegen waren, wurden wir regelrecht von Mücken angefallen. Sie waren überall und ziemlich aggressiv. Uns blieb nur die Möglichkeit zur Flucht. Fünf Kilometer weiter versuchten wir noch einmal unser Glück an einem kleinen Waldstück mit einer kleinen Pilgerhütte.

Auch hier waren schon die ersten Mücken im Anmarsch. Manu holte schnell das Autan aus der Tasche und wir schmierten alle freien Körperstellen ein. Viel half das aber auch nicht. Wir verzehrten in Windeseile unser Essen während wir uns umherbewegten, damit die Mücken keine Chance hatten uns auszusaugen. Nach dieser rastlosen Rast fuhren wir weiter.

Nach insgesamt 60km auf dieser ruhigen Landstraße mussten wir bei der Stadt Virovitica auf die vielbefahrene Europastraße 2 wechseln. Wir begannen mit der Unterkunftssuche in dieser Stadt, hatten jedoch keinen Erfolg.

Also fuhren wir weiter. Einige Kilometer hinter der Stadt erklärte uns ein Tankstellenbesitzer, dass 3km weiter eine Art Pension liegt. Wir waren froh, denn wir hatten heute schon ordentlich Kilometer gemacht und waren langsam fertig.

Das Haus welches wir schließlich fanden, hatte neben den großen Räumen noch ein Restaurant angegliedert und ein großes Bad. Außerdem gab es Wäscheleinen im Hof. Wir bezahlten etwa zusammen 35€ für die Unterkunft, wuschen Wäsche und konnten diese sogar anständig aufhängen.

Wir wollten noch etwas essen, erklärten dass wir vegetarisch leben und bekamen ein sehr leckeres Menü serviert, bestehend aus Salat aus dem eigenen Garten und Ei mit grünem Spargel.

Im TV lief ein Fußballspiel: Hajduk Split gegen Lokomotiva irgendwas und ich hatte schönen Bierdurscht. Das eiskalte Ozujsko lief prächtig, aber Manu wollte nach dem zweiten Pils kein weiteres mehr mit trinken, denn er war ziemlich fertig. Allein wollte ich aber auch nicht weiter trinken und so blieb es bei den Dreien. Heute hatten wir die Eintausendkilometermarke geknackt! Yeah!

 

Tages-km: 135,01          Gesamt -km: 1132,80 Tages-hm: 100 Gesamt-hm: 1719

 

Durchschnitt: 20,80 km/h         Fahrzeit: 06:29:03h

 

Tag 12 /13 und 14     09./10./11.05.2013   

 

Virovitica(HR) – Koprivnica (HR)- Varazdin (HR) – Ormoz (SLO)

 

Um 08:00 Uhr wachten wir auf und bekamen zum Frühstück frisches Weißbrot, Spiegelei, hausgemachten Käse und Kaffee gereicht. Sehr lecker.

Wir nahmen unsere gewaschene ,aber noch nicht ganz getrocknete Wäsche von der Leine und packten zusammen. Ich ließ „ausversehen“ meine alten kaputten Badelatschen zurück und gegen 10 starteten wir wieder weiter auf der E2.

An einer Tankstelle gab es ein unschlagbares Angebot. Manu kaufte einen 4-erPack Energy Drinks, ich mir meine Cockta und wir beide uns LionPeanut. Wir fuhren weiter und kamen an einem Lidl vorbei. Hier deckten wir uns noch mit frischen Croissants und Wasser ein und Manu mit einer neuen Ration Müsliriegel.

Frisch gestärkt gaben wir jetzt richtig Gas und wir fuhren 110km in etwas über 4h. Wir hatten bis dahin eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,3km/h, fast schon "Belgier Niveau". Allerdings kamen wir auf dieser Strecke zwei Mal in brenzlige Situationen, als uns LKWs bei Gegengenverkehr viel zu knapp überholten. Der Adrenalinspiegel war ganz schön hoch. Wir wollten so schnell wie möglich die Strecke hinter uns lassen.Die Straße führte gemächlich bergauf, wir fuhren ja quasi parallel stromaufwärts zur Drava, obwohl wir sie eigentlich nie zu Gesicht bekamen.

Um die Mittagszeit hatten wir dann endlich Varazdin erreicht und wir sahen schon die ersten Verkehrsschilder die ins slowenische Maribor zeigten, unserem finalen Ziel der Reise.

Varazdin ist eine schöne mittelalterliche Stadt mit einer weißen Burganlage und einer schönen restaurierten Altstadt. Sie war bis 1776 für sage und schreibe 20 Jahre die Hauptstadt Kroatiens.

Hier waren wieder viele Touristen unterwegs. Wir setzten uns in ein Straßencafe und tranken Cockta und Schweppes.

Varazdin Varazdin Varazdin

So viel Gas hatten wir auf der ganzen Tour noch nicht gegeben, das Race hinterließ seine Spuren. Wir waren ziemlich fertig und ausgedorrt, denn es war dazu ganz schön heiß. Nach den Getränken gönnten wir uns noch ein großes Eis und begannen mit der Suche nach der Burganlage.

Im Stadtpark haben wir uns dann plötzlich verloren. Manu war weg und ich fuhr herum, fand jedoch keine Spur von ihm. Ich schrieb ihm nach einigem Suchen einfach eine SMS, mit dem Hinweis dass wir uns an der Eisdiele wieder treffen wollen und das funktionierte auch.

Wir fuhren noch einmal gemeinsam los und fanden jetzt auch die schöne Burganlage. Wir fuhren einfach mit den Rädern durch den Torbogen und auch im Innenhof der Burg herum. Absteigen und drinnen herumlaufen wollten wir aber nicht. Wir waren glücklich mit dem was wir von den Bikes aus sahen.

Varzdin Burg Varzdin Burg Varzdin Burg Varzdin Burg Varzdin Burg

Außerhalb der Mauern probierten wir an einem der Stände Honigschnaps, der ziemlich stark war. Wir kauften Lavendelduftkissen mit dem Konterfei der Burg und kleine Mitbringsel für daheim. Dann sprachen wir einen Passanten an und wollten wissen in welche Richtung die Drava liegt. Er verwies Richtung Südwesten es stellte sich jedoch wenig später heraus, dass der Fluss nordwestlich lag.

Lovely Beer Zlatoroc -Der Bock mit den goldenen Hörnern

An einer Tankstelle kauften wir eine Stange Zigaretten der Marke Walter Wolf für unseren Freund Matze zum Dank, dass er uns auf dem Rückweg in der Nähe von Stuttgart beherbergen will. Im Supermarkt gab ich meine letzten Kunas für Käse und Cockta aus und wir fuhren nun in die richtige Richtung,natürlich nachdem ich auch das Navi noch einmal befragt hatte.

Wir fanden den Fluss mit wunderschönem Radweg  und folgten ihm eine Weile. Er war schön eingebettet in grün durch Wald und Flur. Links und rechts schoben sich schon die ersten höheren Berge langsam in Richtung des Flusses heran. Eine wunderschöne Kulisse, jedoch schwierig zu fahren.Der Untergrund wechselte zwischen Schotter und Erde und wir kamen wieder ziemlich langsam voran.

Drava in Varzdin Drava -Radweg Die Berge kommen näher schwierige Piste

Außerdem folgten wir den Mäandern des Flusses und er legte viele Schleifen hin. Dabei verloren wir auch die Orientierung und wir hatten das Gefühl wir fuhren im Kreis.

Normalerweise habe ich kaum Schwierigkeiten mit der Orientierung, hier jedoch hatte ich arge Probleme, das machte mir schwer zu schaffen, da es ja auch langsam abend wurde und wir kein Ziel sahen. Das Navi erkannte auch keinen Weg auf dieser Piste im Niemandsland zwischen Kroatien und Slowenien. Es bestand darauf, dass wir wieder umdrehen. Endlich kamen wir an ein großes Wehr mit Übergang. Wir wären auch gern übergewechselt, denn auf der anderen Seite lag schon Slowenien, aber natürlich kam gleich die Security und bestimmte: NO! NO CHANGEOVER!

Wenigstens führte eine echte Straße vom Wehr weg, welcher wir erst einmal folgten. Wir kamen an eine weitere neue Straße, die wiederum in eine andere Richtung führte. Die Straßen waren nagelneu und noch nicht im Navi registriert. Wir bestimmten jetzt instinktiv die Richtung, bei dir wir zum Glück richtig lagen.

Wir fuhren ein paar Kilometer und kamen plötzlich an eine Art Gypsie Lager. Überall standen die Leute und schauten uns neugierig an. Sie zeigten in die Richtung in die wir fuhren und riefen immer Slowenia! Slowenia! Wir waren auf dem richtigen Weg, aber Manu war ein wenig geschockt über die Zustände im und neben dem Camp. Hier wurden wieder einmal die unbeliebten Minderheiten an die Randgebiete des Landes verwiesen und mussten hier ihr Dasein fristen.

Wir fuhren noch etwa 2km und kamen schließlich endlich wirklich an der Grenze nach Ormoz an. Die Beamten waren nett und wir konnten schnell passieren.

Auch hier hatten im Bürgerkrieg die Slowenen erbittert Widerstand gegen die jugoslawische Volksarmee geleistet und konnten den Krieg im Land aber durch Zusammenhalt in allen Bereichen der Gesellschaft und der gesamten Bevölkerung nach "nur" sechs Tagen abwenden. Damals wurden die Straßen mit Bussen, Traktoren und Lkw`s blockiert, so dass die Militärkonvois gar nicht erst über die Grenze gelangen konnten.

Jetzt war ich ziemlich am Ende meiner Kräfte. Ich war wahrscheinlich unterzuckert und hatte absolut keine Power mehr. Ich wurde zittrig und mir wurde schwummrig. Alle Reserven waren aufgebraucht. Manu half mir mit zwei Müsliriegeln aus und so konnte ich zunächst wenigstens den steilen Anstieg hoch nach Ormoz bewältigen.

Es war Zeit für eine Unterkunft. In Ormoz gab es jedoch leider kein Hotel mehr. Manu fragte eine Passantin, jedoch stellte sich heraus, dass sie gehörlos war. Wir verstanden, dass es in Ptuj auf jeden Fall noch Unterkünfte gibt, bis dahin waren es jedoch noch über 40km in hügeligem Terrain.

Ich war wirklich am Ende meiner Kräfte, aber was bleib uns anderes übrig. Wir fuhren die hügelige Landstraße hinauf und hinunter, doch plötzlich zeigte ein Wegweiser nach rechts. Auf diesem stand „Penzion Sonja 2km

Die Straße hatte einen Anstieg von 11-13% die Weinberge hinauf. Wir hatten keine Wahl. Wir kämpften uns verbissen den Anstieg hinauf, oben applaudierten uns sogar Wanderer zu. Die Straße führte danach eine Weile über weniger steiles Gelände und wieder kam ein Schild mit der Pension darauf. Immer noch zwei Kilometer! Ich fluchte denn der Anstieg wurde wieder steiler und lag eine ganze Weile bei 12% ! Manu kämpfte sich verbissen hoch, doch ich musste absteigen und die letzten Meter der Kuppe schieben.

Oben angekommen rollte ich weiter und sah Manu schon ein ganzes Stück weiter vorn fahren. Es war wieder etwas flacher und das nächste Schild zeigte endlich dass die Pension "nur" noch 1km weit entfernt ist. Und es kam noch ein dritter Anstieg in dieser Liga dazu. Hier kapitulierte ich wieder nach der Hälfte und schob den Rest hinauf. Ich war komplett durchnässt, Manu ebenso, jedoch hatte er es ohne Absteigen bis hoch geschafft. Er bekam den Titel „Maschine des Tages“ verliehen.

Endlich erreichten wir die Pension. Sie war urgemütlich und hielt für uns ein schönes Zimmer bereit. Alle Strapazen hatten sich gelohnt.

Unser Restroom

Die Wirtin war super nett und herzlich. Wir duschten, zogen uns um und nahmen in der gemütlichen Wirtsstube Platz. Wir bekamen einen leckeren selbstgemachten Gemüsekuchen serviert, dazu selbstgebackenes Brot und Salat.

Heute gab es mehrere Gründe zum Feiern. Wir hatten die längste Tagesetappe der ganzen Tour hinter uns. Wir waren 40km vor Maribor. Und heute war immer noch Himmelfahrt! Ich sagte: "Los Manu, jetzt oder nie!!" So tranken wir jeder fünf Bierchen, zuerst das leckere Zlatorog von Lasko Pivo und als das aus war, Union Pivo.

Lasko! Lasko! Lasko again! Union !

Wir hatten nach dem anstrengenden Tag schnell ordentlich einen in der Krone und wir schickten lustige SMS mit Himmelfahrtsgrüßen an unsere Freunde.

Wir ließen die Höhen und Tiefen der Tour noch einmal Revue passieren, denn morgen bricht schon der letzte Tag des Trips an. Wir waren froh, trotz der Zwischenfälle, Pannen und des manchmal schlechten Wetters diese Tour gemacht zu haben. Wir habe sehr viel gesehen, Land und Leute intensiv kennenlernen können, viel über uns und unsere Grenzen aber auch Fähigkeiten und Kräfte gelernt und jede Menge Eindrücke gewonnen, die wir erst nach und nach verarbeitet haben würden.

Es hat sich sehr gelohnt und dass war mehr als ein würdiger Abschluss. Es ist sehr wertvoll diese Rad und Reiseleidenschaft mit einem guten Freund teilen zu können. Danke ManuMaschine!!

Weit nach Mitternacht wankten wir in unser Zimmer und schlummerten sofort ein.

 

Tages-km: 157,27 Gesamt-km: 1290,07 Tages-hm: 397 Gesamt-hm:2116

Durchschnitt: 20,4 km/h Fahrzeit: 07:40:38h  

 

Tag 13           10.05.2013

Wir standen gemütlich um 09:00 Uhr auf und waren nicht verkatert oder hatten Nachwehen. Das Frühstück nahmen wir draußen auf der Terrasse ein und wir genossen den Blick über die Ebene und die Weinberge ringsherum. Danach packten wir zusammen und plauderten noch mit einem Touristenpärchen, die ebenfalls mit dem Rad da waren.

Pension Sonja Pension Sonja Eingang Sonja herself Frühstücksaussicht Schicke Weinberge Weinberge

Wir bekamen zum Abschied ein kleinen hölzernen Schlüsselanhänger mit der Adresse der Pension geschenkt und machten uns auf den Weg in Richtung Ptuj. Die Weinberge hinab zu fahren ging ganz einfach. Wir trafen wieder auf die Drava, an deren Ufern wir durch gemütliche Dörfer fuhren.

An einer Tankstelle kam noch der obligatorische SLO Sticker dazu. Zur Mittagsstunde kamen wir im Städtchen Ptuj an. Der Ort ist bekannt für seine Therme.

Wir fanden die Ptuj Therme, schlossen die Räder ab, nahmen die Badesachen heraus und lösten ein 4h Ticket für etwa 12€. Im Preis waren Thermalbecken, Außenbecken, Rutschen und verschiedene Saunen enthalten. Wir gönnten uns ein richtig angenehme und entspannte Auszeit. Das tat sehr gut, nachdem wir fast zwei Wochen ununterbrochen nur auf dem Sattel saßen.Wir saunierten drei Mal und es trat ein ordentlicher Schwitzeffekt ein. Jetzt waren die Biere vom gestrigen Tag definitiv alle wieder draußen.

Ptuj Therme das beklebte Rad

Nachdem die Zeit abgelaufen war, stiegen wir erfrischt auf die Räder und rollten gemütlich weiter in Richtung Maribor. Unterwegs entdeckten wir zuerst ein gemütliches Cafe und ich trank einen leckeren Pistazienshake und Manu einen Cafe, sowie wenige Kilometer später noch eine Eisdiele mit Straßenverkauf bei der wir weiter schlemmten.

Wir kamen Maribor langsam näher, der typische Speckgürtel der größeren Städte kam in Sicht. Mit Hilfe des Navis fanden wir schließlich auch unser Hotel, welches nicht ganz billig war, dafür lag auf dem Zimmer ein verschrumpelter Apfel als Willkommensgeschenk.

Kurz nach dem Check In rollten wir wieder unbepackt in die City um ein landestypisches Restaurant aus dem Reiseführer zu suchen. Dieses existierte aber leider nicht mehr. So suchten wir nach einer Alternative. Wir speisten die leckere Vegie-Platte bei einem Mexikaner, sowie den letzten Palatschinka der Reise, die letzte Cockta der Reise und das letzte Union-Pivo der Reise.

Drava in Maribor Maribor Maribor Maribor @ night Maribor die Kulturhauptstädte Europas Slovenjie

Es wurde langsam richtig kalt. Wir überlegten uns, den gebuchten Zug für die Heimfahrt nach Stuttgart bis nach Mannheim zu verlängern, denn das Wetter daheim versprach nur Regen und in Deutschland sollte es kühl sein. Darauf hatten wir wenig Lust. Wir benachrichtigten Matze per SMS und versprachen, die gekauften Zigaretten eben per Post zu ihm zu schicken.

Uns wurde recht schnell frisch und machten uns daher auf den Rückweg zum Hotel. Dort schlossen wir die Räder in die hoteleigene Garage ein und gingen zu Fuß in eine nahe gelegene Eckkneipe. Dort bestellten wir das letzte Zlatoroc der Reise. Die Kneipe war etwas seltsam. Wir waren zuerst die einzigsten Gäste.dann kam eine kleine Gruppe herein, darunter ein finsterer Kerl vom Typ Hooligan der keinen Spaß versteht. Die Kellnerin kam zu uns und forderte uns auf zu zahlen, vor allem so schön direkt und uncharmant. Das war quasi eine offene Forderung zu gehen. Wir tranken aus und verließen die "gastfreundliche" Kneipe.

Im Hotel schrieben wir die letzten Karten und ordneten unsere Klamotten und Papiere für die Heimreise. Gute Nacht!

 

Tages-km: 63,24 Gesamt-km 1353, 31 Tages-hm: 168 Gesamt-hm: 2284

 

Durchschnitt: 16,70 km/h Fahrzeit: 03:46:55h

 

Tag 14 11.05. Abreise

 

Der Abreisetag war unspektakulär. Nach einem jedoch dafür spektakulären Frühstück hielten wir auf dem Weg zum Bahnhof noch einmal im Supermarkt, um uns mit Lebensmitteln und Getränken für die lange Zugfahrt einzudecken. Es regnete Bindfäden. Wir kamen frierend und durchnässt am Bahnhof an und stiegen in den Zug nach Graz. Er war eng und wir waren froh dass wir mit dem neuen Zug ab Graz viel Platz und ein Fahrradabteil hatten.

Wir saßen über 11 h im Zug und kamen über Salzburg, München, Augsburg, Ulm, Stuttgart nach Mannheim. Meine Frau holte uns vom Bahnhof ab und ich war froh wieder daheim zu sein, aber auch gleichzeitig glücklich und stolz diese Reise unternommen zu haben und diese Distanzen so gut bewältigt zu haben. 

nüschd los im Abteil

 

 

 

Gesamt-km:  1358,97 km

GesamtFahrzeit:  3d 1h 55min

Gesamt-hm:  2316  

 

 

 

 

04Mai
2014

Camino de Santiago 2014

Auch im Jahre 2014 sind wir in der gleichen Besetzung wieder Rad gefahren. Eigentlich war die Anschlusstour an letztes Jahr geplant, von Budapest bis ans schwarze Meer und ggf. bis nach Istanbul zu fahren. Doch angesichts der Schwierigkeiten bei der Planung bezüglich Fahrradtransfer nach Budapest und von Istanbul zurück, wollte ich gern noch eine Alternative, einen Plan B haben.

Bei einer Wanderung im letzten November mit meiner Frau im zypriotischen Troodos-Gebirge und von dieser mediterranen Flora inspiriert, machte sie den Vorschlag es doch mal mit Südeuropa, speziell dem Jakobsweg in Spanien zu versuchen. Das hörte sich vom ersten Moment gut an und somit war diese Idee geboren.

Manu war auch recht schnell von diesem Vorschlag begeistert und so startete ich gleich im Dezember damit, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Ich fand einen günstigen Flug bei Easy-Jet, der mit Fahrrad knapp 125€ von Santiago zum Airport Basel-Muhlhouse-Freiburg kostete. So hatten wir schon mal Start und Zielpunkt.

Nun begannen so nach und nach die Planungen, für die Route. Außerdem fand ich es am unkompliziertesten mit dem Auto in die Nähe des Airports zu kommen, es dort abzustellen und nach dem Flug wieder einzusteigen und heimzufahren. Die Züge in Richtung Basel und zurück fand ich unverhältnismäßig lang und auch preisintensiv.

Ich schrieb verschiedene Hotels und Campingplätze im Raum Basel/Mulhouse an und fragte an, ob ich mein Auto für drei Wochen dort irgendwo abstellen könne. Leider bekam ich nur Absagen. Der Airportparkplatz würde um die 140 € für die 23 Tage kosten, Parkhäuser in Weil am Rhein, Lörrach und anderen Städten wären ebenso teuer. Ich fragte im Bekanntenkreis nach und Pia, eine gute Freundin hatte wiederum eine Freundin, die in Lörrach studiert und es möglich machen konnte, dass wir das Auto auf einem abgetrennten Parkplatz der zur Uni gehört, mit eigener Berechtigungskarte abstellen zu können. Vielen lieben Dank an dieser Stelle an Pia und Friedericke :)

Zu den weiteren Vorbereitungen gehörten natürlich der obligatorische Fahrradcheck, Kettenwechsel, Packen, Vokabelliste erstellen, Pilgerausweis im Pilgerbüro Speyer besorgen usw usw.

Nun konnte es endlich losgehen.

 

Donnerstag 10.04.2014      Tag 1

An diesem Tag hatten Manu und ich noch einen gemeinsamen Frühdienst. Am Vortag hatte ich alle Taschen gepackt und im Auto verstaut und das Fahrrad auf den Kupplungsträger montiert. 

In der Frühstückspause spendierte ich noch eine Runde Brötchen und begann auch damit, ebensolche für die Fahrt zu schmieren. Manu und ich hatten die Aufgabe, für unsere Wohngruppen einzukaufen, so konnten wir gleich einige Getränke und Essen parallel mit für uns zu erwerben.

Um 13:15 Uhr war es dann soweit. Der langersehnte Feierabend war gekommen. Wir packten Manus Taschen sowie weiteres Gepäck ins Auto und montierten ebenfalls sein Bike auf den Kupplungsträger. Keine 10min später befanden wir uns auf der A6 Richtung Süden..natürlich gleich im Stau zwischen Kreuz Mannheim und Schwetzingen. Der kostete uns etwa 20min, aber ab dann ging es zügig an Karlsruhe, Baden Baden und Freiburg vorbei nach Lörrach.

Wir riefen Friedericke an, sie lotste uns auf den Parkplatz der nur mit Schranke befahrbar ist und wir konnten unsere große Packaktion beginnen.

Die Sonne schien, es war grandioses Wetter und so begannen wir noch einmal unsere Taschen auzumisten, denn erfahrungsgemäß nahmen wir bisher immer zuviel an Kleidung mit. Ich erleichterte die Tasche allein noch mal um ca 2kg und Manu lies auch noch einiges im Auto zurück.

Nun packten wir die Räder, so wie es die nächsten 3 Wochen wieder zum Standard werden würde, tranken ein Getränk und waren eigentlich startklar. Ich hatte noch den Ideel, dass Handschuhfach im Auto offen zu lassen um potenziellen Dieben zu zeigen, dass es nichts wertvolles zu holen gibt.

                                                                                                       kompliziertes Ausladen erfordert eine Stärkung Start!

Um 16:30 Uhr starten wir endlich direkt auf dem angrenzenden Wiesenradweg Richtung Basel. Nach ca 1km war schon Schweizer Staatsgebiet erreicht. Wir rollten an der Wiese entlang, das ist der Name des Flusses in Lörrach, durch schöne grüne Flussauen, die sich mit kleinen Waldwegen abwechselten. Nach etwa 7km waren wir bereits in der Baseler Innenstadt. 

Manu gab seine Franken, die er noch von einem früheren Schweizbesuch hatte für Bulgursalat und Laugengebäck aus und per Autonavi, welches ich vorsorglich dabei hatte, ließen wir uns auf Radwegen durch die Baseler Innenstadt leiten.

Wir überquerten den Rhein. Auf einer der großen Rheinbrücken konnten wir links das Innenstadtpanorama bewundern und rechts die Industriebauten, die das Bild eindeutig dominierten.

  der Blick nach Basel von der Rheinbrücke

          

Es gab gut ausgebaute Radwege, die wir auch nutzten. An einer Stelle wurde der Radweg jedoch erneuert und wir benutzten für diese Passage den Fußgängerweg. Aufmerksame Polizisten schimpften natürlich prompt aus einem vorbeikommenden Polizeivan. "Straße benutzen! Den Bürgersteig könnt ihr in Duitsland befahren!"

Tolle Begrüßung. Wir fuhren auf den Ausfallstraßen aus der Stadt heraus und befanden uns auch wenig später schon an der Schweiz/Französischen Grenze.

    

Nun waren wir im Elsass. Nun folgten ziemlich hügelige und bergige Passagen bis ins etwa noch 20km weit entfernte Ferrette. Hier hatte ich ein kleines schickes Hotel namens

 "Le Felseneck" vorgebucht. 

      Straße im Elsass der Blick zurück zum Schwarzwald und Rheinebene     

 

Wir hatten nur eine große Autokarte von Frankreich, die leidernur einen sehr groben Maßstab hatte,und so fehlten die für uns wichtigen kleinen Nebenstraßen. So wurstelten wir uns mehr oder weniger mit dem Navi bis nach Ferrette durch.

Die Gegend führte am Rande des Juragebirges entlang und wir kamen selbst auf den insgesamt 37 km mehrmals auf über 500m Höhe. Das Jura ist ein etwa 300km langer Gebirgszug der bis zu über 1700m hoch ist. Er verläuft beidseitig der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich.

Gegen 19 Uhr erreichten wir schließlich Ferrette und die Gastgeber des Hotels waren sehr nett und hilfsbereit. Die Räder konnten wir in der Garage einschließen und wir bekamen eine Wegbeschreibung, wie wir am nächsten Tag Richtung Montbelliard kommen können, ohne über das Jura zu müssen.

 

unser Hotel Le Felseneck der nette Hotelbesitzer Ferrette Church Salade de Chevre Chaud

 

Nachdem wir geduscht haben, liefen wir am frühen Abned durch "Haute Ferrette" den höher gelgenen und alten Ortsteil und fanden ein gemütliches Restaurant. Manu wählte Flammkuchen und Kronebourg und ich Elsässer Vin Rouge und einen Salat mit Chevre Chaud. Dabei handelt es sich um panierten und mit Honig überstrichenen Zigenkäse der auf Baguettescheiben im Ofen gebacken wird und zum Salat gereicht wird.

Das Eröffnungsessen war sehr gut und als wir zufrieden aus dem kleinen Restaurant kamen, sahen wir das erste kleine Schildchen mit der Jakobsmuschel. Die Reise hatte also begonnen...

das erste Jakobswegsymbol

 

 

Tages-km:  37,11                      Gesamt-km: 37,11                        Fahrzeit:  02:21:16 h

Tageshöhenmeter: 447 hm       Gesamthöhenmeter: 447hm         höchst. Punkt: 552 m ü NN

 Ø Steigung: 2%                        max. Steigung: 10 %                     Ø km/h:  15,70 km/h

 

 

  Freitag 11.04.2014                  Tag2

 Wir haben gut geschlafen trotz Doppelbett, dank den guten Ohrenstöpseln aus Schaumgummi. Um 07:15 sind wir aufgestanden und haben uns fertig gemacht. Um 8 Uhr saßen wir schon am Frühstückstisch. Der Hotelbesitzer zeigte mir auf seiner Michelin-Karte von der Franche-Comte den besten radtauglichen Weg nach Montbelliard. Er empfahl uns aber dringend die kleine Kirche im nahegelegenen Örtchen Feldbach. Mir gefiel die Karte im Gegensatz zu unserer groben Straßenkarte außerordentlich gut, so dass ich von nun an für die kommenden Regionen Frankreichs die jeweiligen Karten kaufen wollte.

Unser erstes Petite Dejeuner setzte sich aus gutem (Milch)Kaffee, frischen Baguettes und Butter, sowie einigen süßen selbstgemachten Aufstrichen zusammen. Dazu gab es noch Orangensaft und Kaffee-Nachschlag.

Wir haben uns verabschiedet, ein nettes Bon Route als Abschiedsgruß bekommen und sind am Ortsausgang von Ferrette in den Supermarkt zum Einkaufen gegangen. Hier bemerkte ich, dass ich meinen Fahrradschlossschlüssel gar nicht dabei hatte, sondern dieser noch am Schlüsselbund hing, welcher natürlich im Auto lag. Bei nächster Gelgenheit wollte ich mir dann gleich ein neues Fahrradschloss besorgen. 

Im ersten Supermarkt deckten wir uns mit Tabouleh (orientalischer Couscoussalat), Baguettes, Ziegenkäse und Getränken ein, so dass wir für die erste Kilometer gerüstet waren.

Wir fuhren ducrh kleinere typische ElsassDörfer mit Fachwerk und Blumen an jeder Ecke. Die Dörfer waren sauber und ordentlich und fein herausgeputzt. Nach einer halben Stunde erreichten wir nach einem minimalen Umweg das Örtchen Feldbach und gingen in die kleine Kirche.

Kirche in Feldbach Feldbach Kirche St. Jacques

Sie war sehr schlicht und schön gestaltet. Im Inneren war niemand andres und so nahmen wir für einen Moment darin Platz und nahmen uns die Zeit den ruhigen Ort wahrzunehmen und gute Wünsche für die kommende reise loszuschicken. 

Neben dem Altar befand sich eine Figur des heiligen Jakobus oder in Frankreich St. Jacques genannt. Außerhalb der Kirche suchten wir nach einem Pfarrer und klopften nebenan an der kleinen  Wohnung. wir wollten nach unserem ersten Stempel im Pilgerpass fragen. Leider fanden wir nirgendwo jemanden und so fuhren wir schließlich weiter. Wir überquerten die Grenze der Region Alsace Haut Rhin (Elsass-Oberrhein) und kamen ins Territoire Belfort. Wir fuhren parallel zur Schweizer Grenze durch die Burgundische Pforte, aber immer noch dicht am Jura entlang. 

Der nächste größere Ort hieß Delle. Hier wollten wir an der Tankstelle eine Karte der Franche Comte kaufen, der junge Verkäufer hatte aber nur welche vom Elsass. Im nächsten großen Supemarkt wurden wir dann fündig. Neben einem Fahrradschloss bekamen wir auch jeweils eine Michelin-Karte der Franche-Comte und gleich noch von der übernächsten Region, dem Burgund.

Delle hatte gleich zwei Grenzübergänge in die Schweiz und machte auch ein wenig den Eindruck einer typischen Grenz-oder Transitstadt. Wir fuhren weiter in Richtung Montbelliard, zweigten aber über einen längeren Anstieg in Richtung Audincourt ab, so dass wir Montbelliard südlich umfahren konnten und direkt auf die Doubs treffen konnten. Die Doubs ist ein Fluss der immerhin auf über 450km Länge kommt. Er entspringt in der Schweiz und mündet bei Chalon in die Saone. Die Euroveloroute 6 führt ein ganzes Stück am Fluss entlang.

an der Doubs Unter der Autobahn in Richtung Paris... eine Teil der französischen EuroVeloRoute die von Nantes bis Montbelliard geht

 

Wir mussten schmunzeln, als wir wieder auf diesem Eurpäischen Fernradweg gelandet waren. schon im letzten Jahr fuhren wir an der Donau entlang ducrh Österreich, Ungarn und Serbien auf diesem weg. Nur eben nach Osten. Nun wollten wir dem Radweg zumindest bis zur Loire folgen, denn ab dort biegt der Fluss nach Nordwesten ab und wir wollten ja nach Südwesten.

Als wir durch das Städtchen Audincourt gerollen, fanden wir die ersten green ways, die typischen Radwege, Frankreichs. So fanden wir schnell die Doubs und den Radweg in Richtung Besancon. 

Montbelliard hat einen kleinen Flughafen, direkt am Doubsufer. Dort standen ein paar Bänke und Tische. Es war ruhig und beschaulich, der Fluss floss träge vor sich hin und so beschlossen wir eine längere Rast.

on the road...  Mittagsrast

Ich legte mich ins weiche Gras und wir tranken und aßen gemütlich an unseren Vorräten. Danach ruhten wir einfach noch ein bisschen auf der Wiese und ich entspannte mich langsam mit der Gewissheit jetzt wirklich endlich Urlaub zu haben und den ganzen Arbeitsalltag und den damit oft verbundenen Stress und die Verpflichtungen endlich mal wirklich hinter mir zu lassen.

Die Sonne schien, es war blauer Himmel und um die 25 Grad warm. Manu war allerdings schon ziemlich gerötet an Armen und Gesicht.

Rhin-Rhone Canal EuroVeloRoute 6 Doubs bei Montbelliard (Mömpelgard) Franche Comte RoccosView

Der Radweg führte nun fast die ganze Zeit gemütlich am Fluss entlang, war eben ohne größere Anstiege. Nur an einem Punkt wich er vom Fluss ab und wir mussten über einhundert Höhenmeter abweichende Straßen fahren um schließlich wieder auf dem ursprünglichen Weg zu landen.

Steilhänge an der Doubs

In einer kleinen Stad wollte Manu Sonnencreme kaufen, denn er fand seine eigene in den Tiefen seiner Packtaschen nicht. In der Apotheke kostete allerdings die günstigste Creme14 Euro und so verzichtete er darauf. 

Wir fuhren noch etwa 40km weiter und waren gegen 18 Uhr in Baume les Dames. Hier wollten wir uns etwas zum Übernachten suchen, denn bis ins 35 km weit entfernte Besancon lag kein weiterer größerer Ort mehr auf der Strecke und so lang wollten wir an dem Tag nicht mehr fahren. Das Risiko keine Unterkunft dann zu finden war zu groß.

Gleich beim zweiten Hotel des 5000 Einwohner Ortes wurden wir fündig. Für 40 Euro bekamen wir ein Zimmer mit einer kleinen Dachterasse und für weitere sechs Euro ein Frühstück dazu. Das Hotel war schlicht, aber gemütlich. die Besitzerin sprach Deutsch und Englisch und war sehr hilfsbereit. 

kleine Dachterasse unsere Räder im Innenhof des Hotels  Kirche in Baumes les Dames

Nach dem Duschen suchten wir in der Stadt etwas zu essen. Neben einem Döner -Laden der so gut wie nichts Vegetarisches auf der Karte hatte und diversen teuren Restaurants entschieden wir uns, jeweils eine frische Pizza zu holen. Allerdings gab es nichts mehr zum Trinken zu kaufen.

Wir hofften, dass wir im Hotel noch ein Bier oder eine Flasche Wein bekommen. Aber auch da gab es nichts. Die nette Dame schrieb uns aber einen Zettel in französischer Sprache in etwa mit dem Inhalt, dass wir Gäste ihres Hotels sind, kein Französisch sprechen, aber gern eine Flasche Rotwein kaufen möchten.

Mit dem Zettel gingen wir in eine Bar, dort gab es jedoch nur Weißwein und Rose. Also versuchten wir es in der nächsten, eher schlichteren Bar. Der Besitzer las den Zettel und holte aus dem Kühlschrank!! eine Flasche Rotwein, die allerdings auch nur 3,80 € kostete.

  über den Dächern von Baumes les Dames  Wir hätten gern eine Flasche Wein ...

Nun gingen wir zurück in unser Hotel, bekamen sogar noch zwei Weingläser, setzten uns auf die Dachterasse und konnten endlich unsere Pizza mit dem kalten (gewöhnungsbedürftig) Rotwein genießen.

Abendmahl

Nachdem wir uns satt gegessen hatten, tranken wir noch ein zweites Glas Wein, welcher sich aber auch wirklich nicht besonders exzellent vom Geschmack her aufdrängte. Wir sahen ihn eher als Tischwein, denn als echten Genuss und überließen am Ende die halbe Flasche auch einfach ihrem Schicksal.

Satt und zufrieden schmissen wir noch kurz die Tolinos an, lasen einige Minuten und schliefen dann ziemlich schnell ein.

 

Tages-km:  115,01 km              Gesamt-km: 152,12 km               Fahrzeit:  06:14:20 h

Tageshöhenmeter: 553 hm      Gesamthöhenmeter: 1000hm      höchst. Punkt: 510m ü NN

 Ø Steigung: 3%                        max. Steigung: 10 %                  Ø km/h      18,40 

 

 

 

Samstag 12.04.2014                Tag 3

 

Um 7:30 standen wir auf packten zusammen und gingen zum Petit Dejeuner.Es bestand dieses Mal aus Baguettes, Honig, Croissants, Marmelade und Cafe. Wir hatten mit Trinkgeld und Frühstück 55 € für die Unterkunft gezahlt. Beim Bepacken unterhielten wir uns mit einem deutschen Familienvater. Er war mit seiner Familie mit dem Auto auf dem Weg in die Provence und sie hatten ebenfalls im Hotel übernachtet.

Heute war Samstag und wir steuerten zuerst einen Supermarkt an, einerseits um unsere Vorräte aufzufrischen, andererseits zu schauen, wie die Öffnungszeiten an Samstagen und Sonntagen in Frankreich üblich sind. Der "Super U" war ziemlich gigantisch und somit leider auch ziemlich unübersichtlich. Wir deckten uns mit den obligatorischen Tabouleh-Schälchen, Ziegenkäse, verschiedenen Getränken, Baguettes und am Ende beim Bäcker auch noch mit prall gefüllten Schokoladen-Eclairs ein. Für den Einkauf von den wenigen Artikeln hatten wir weit über eine Stunde Zeit vertrödelt.

Super U

Als alles verstaut und die (wirklich leckeren) Eclairs gegessen waren, machten wir uns auf den weiteren Weg. Wir fuhren die kommenden 35km bis Besancon durch wunderschönes Land. Der Radweg war eben und führte gut ausgeschildert immer am Fluss entlang. Die Landschaft war ein optischer Leckerbissen. Die Doubs schlängelte sich durch das enge und gewundende Tal. Es war satt grün, dazu der blaue Himmel über uns und angenehme Temperaturen.

Doubs Richtung Besancon

Ca 7km vor Besançon wechselten wir auf die linke Flusseite und es kamen langsam verfallene und verlassene Industriegebäude in Sicht. Dazu kam große Zitadelle von Besançon langsam in Sicht. Das Wahrzeichen des Festaungsbaumeisters Vauban thront über der Stadt und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

Besancon Auf Besancon zu Zitadelle

Wir näherten uns nun sehr schnell Besancon und fuhren schließlich an dem mächtigen Fels entlang, auf dem das Bauwerk steht. Plötzlich führte der Radweg uns durch einen ca 600m langen Tunnel unter der Zitadelle entlang. In dem eigens für Radfahrer und Fußgänger angelegten Gang war es trotz Beleuchtung dunkel und kühl. Von der Decke tropfte Wasser. Und der typische Geruch nach Grotte fehlte natürlich nicht. Es war ein sehr tolles und interessantes Gefühl unter den mächtigen Gesteinsschichten hindurchzuradeln. Leider war es viel zu schnell vorbei.

  Fahrradtunnel unter der Zitadelle Fahrradtunnel unter der Zitadelle Fahrradtunnel unter der Zitadelle

Als wir den Tunnel verlassen hatten, lag aber auch Besancon schon hinter uns. Die Stadt liegt an einer Schleife der Doubs und der Tunnel war quasi eine Abkürzung, die schnelle Querverbindung zwischen den Schleifenarmen der Doubs.

Glücklicherweise war ich mit meiner Frau bereits einige Jahre zuvor in der Geburtsstadt Viktor Hugos und so kannte ich die Altstadt und die Zitadelle wenigstens bereits. Trotzdem bedauerte ich, dass wir so schnell an der Stadt vorbei geführt wurden.

Wir kamen flott voran und sahen ein Schild, dass es "nur" noch 720km bis nach Nantes am Atlantik sind. Die Veloroute 6 führt bis dorthin, aber spätestens in Digoin, an der Grenze zwischen Burgund und Auvergne wollen wir den Europaradweg verlassen um weiter in Richtung Südwesten zu fahren.

Die Sonne hatte heute besonders viel Kraft und fuhren fast durchgehend durch schattenfreies Gelände. Der Radweg wechselte zwischen dem Rhin-Rhone Kanal und der Doubs selber. Der Kanal floss die meiste Zeit schnurgerade durch die Landschaft, er  lediglich von vielen kleinen Wehren unterbrochen. 

An einem kleinen Waldstück öffnete sich der Kanal zu einem größeren Becken und über einer kleinen Grotte, floss ein kleiner künstlich angelegter wasserfall. Daneben lud eine kleine Lourdes-Grotte zur einkehr in schattigem und kühlen Gelände.

interessanter Tunnel Lourdes Grotte

Wir bekamen langsam Hunger, und waren auch schon etwas erschöpft, denn wir hatten noch keine richtige Pause gemacht. Es gab nicht allzuviel schattige Plätze bisher, an denen man ein wenig ausruhen konnte. Nch dem wir das Städtchen St.Vit gestreift hatten, fanden wir endlich ein schattiges, überdachtes Plätzchen an einer kleinen Quelle. Hier machten mehrere Familien ebenfalls gerade ein Picknick.

Wir waren73km ohne Pause durchgefahren. Das hatte natürlich seine Spuren hinterlassen und wir waren ziemlich ausgelaugt. Das konnten wir unmöglich die nächsten Tage auch so durchziehen. Besser wäre es einfach vor der erschöpfung zu pausieren, um sich immer wieder aufzutanken. Nach einer guten Stunde stiegen wir wieder auf die Bikes und nahmen den den weiteren Weg in Angriff.

Der nächste größere Anhaltspunkt war Dole, eine wunderschöne historische Stadt.Sie kündigte sich mit schönen Alleen an. die Bäume waren groß und alt und würdevoll. Dann kam die große Stiftskirche in Sicht und der Blick verriet eine Ahnung einer ehrwürdigen alten Stadt. 

Dole Stiftskirche von Dole Geburtshaus von Louis Pasteur in Dole

Wir rollten durch die schöne gepflasterte Altstadt mit engen Gassen und kamen zufällig am ehemaligen Wohnhaus des Chemikers Louis Pasteur, dem unter anderem die Haltbarmachung von Lebensmitteln (pasteurisieren) zugeschrieben wird.

Die schöne Stadt war viel zu schnell durchquert, das hatte ich ein wenig bedauert. Als wir am Stadtrand die KArte für die Vordertasche neu falteten und nach dem weiteren weg schauten, sprach uns ein Spaziergänger an und fragte auf französisch, woher wir kommen. Wir antworteten aus Alemagne und er sprach in recht gutem Deutsch weiter. Er fragte o wir in Dole waren und als wir verneinten, da wir leider nicht so viel zeit haben, meinte er wir müssten eins, zwei Tage in der Stadt bleiben, weil sie so schön sei. Das glaubte ich ihm gern. Als er erfuhr, dass wir nach Santiago wollten, wünschte er uns Bon Route und gab uns seinen Segen für die weitere Reise. Eine sehr schöne nette Begegnung.

Kurz nach Dole verließen wir den Rhin-Rhone Kanal und fuhren durch ein paar kleiner Orte durch hügeliges Waldgebiet, bis wir schließlich wieder auf den Kanal stießen. Er führte durch Auen und Schilflandschaften, bis wir plötzlich an dessen Einmündung in die Saône. Diesem schon recht großen Fluss wollten wir jetzt ein Stück nach Süden folgen. Die Saône wird rege von der Schifffahrt genutzt, die anliegenden Orte hatten alle schon kleine Häfen und Schiffstankstellen. 

an der Saone angekommen Schleuse zwischen Saone und Rhein-Rhone Kanal an der Schleuse

Nun waren wir bereits im Burgund (Bourgogne) angelangt und zwar im Departement Côte-d’Or. Die Gegend ist bekannt für seinen Weinanbau. 

Wir fuhren noch bis zum Ort Saint-Jean-de-Losne und suchten nach einer Unterkunft. Das erste Hotel am Platz verlangte gleich 78 Euro und so nahmen wir dann dankbar das nächste für 62€. Im Ort gab es leider nicht allzuviel Auswahl. Der Besitzer unseres Hotels war nett, erklärte uns den Weg zum nächsten Supermarkt, ließ uns unsere Räder im ungenutzten Teil des Restaurants abschließen und schaute nicht mal komisch, als wir nach dem Einkauf mit einem Sixpack Kronebourg Biere wieder im Hotel einmarschierten.

St. Jean de Losne an der Saone Jakobskirche in St.Jean de Losne happy

Auf dem Zimmer duschten wir schnell, packten etwas Essen und das Bier zusammen und setzten uns in Flussnähe auf eine Bank um zu Abend zu essen.

Nebenan war ein kleiner Boule-Platz und dieser französische Volkssport wird anscheinend gern mit Alkohol zelebriert. Jedenfalls waren die Spieler nicht zu überhören und manchmal auch nicht zu übersehen,wenn sie sich zum Beispiel an irgendeinem Zaun von ihren Getränken wieder erleichtern mussten.

Nach unserem Mahl streiften wir noch etwas durch die Stadt und mit der einbrechenden Dunkelheit wurde es auch ziemlich kühl. Irgendwann gingen wir dann zum Hotel zurück und nicht lang dauerte es, bis wir den Schlaf der Gerechten fanden.

 

Tages-km:  123,64 km              Gesamt-km: 275,77 km               Fahrzeit:  06:41:55 h

Tageshöhenmeter: 167 hm      Gesamthöhenmeter: 1167 hm      höchst. Punkt: 257m ü NN

 Ø Steigung: 2 %                       max. Steigung: 12 %                  Ø km/h      18,40 

 

 

 

Sonntag  13.04.2013      Tag 4

 

Das heutige Frühstück nahmen wir direkt auf unserem Zimmer ein, wir zehrten einfach unsere Reste auf. Das Zimmer ohne Frühstück kostete mit Tax ohnehin schon 63€. Gegen neun Uhr besuchten wir die Pilgerkirche, die allerdings leer war. Wir schauten nach einem Pfarrer, klopften in der ruhigen und recht gemütlichen Kirche an allerlei Türen, denn wir hätten uns gern unseren ersten Pilgerstempel abgeholt. aber da niemand zu finden war, stiegen wir auf die Räder und folgten wieder dem Euro 6 Radweg. In der Nähe der Kirche sahen wir die ersten Fußpilger unserer Reise. Zwei  scheinbar deutsche Rentnerpaare mit nagelneuer Trekkingkleidung und Jakobsmuschel am Deuter-Rucksack.Und Richtig es waren Deutsche.

Wir verließen St.Jean de Losne über eine Brücke über die Saone und fuhren nach wenigen Kilometern erst einmal ordentlich im Kreis. Die Beschilderung war sehr verwirrend, offenbar nicht nur für uns, sondern auch für zwei andere Radler.

Wir sprachen sie an und fragten sie nach dem Weg und es stellte sich nicht nur heraus, dass sie ebenfalls Deutsche waren, sonder ebenfalls aus Mannheim :) :) :)

Wir fuhren ein paar Kilometer gemeinsam,bis wir den richtigen Weg sicher vor uns hatten, dann zogen die beiden davon. Sie wollten mit einen Schnitt von 25-30km/h fahren und hatten das noch etwa 180 km entfernte Lyon als Ziel.

So eilig hatten wir es natürlich nicht und so zuckelten wir gemütlich in unserem Tempo von etwa 20 km/hüber Landstraßen, grüne Felder Richtung Chalon sur Saone. In dem kleinen Städtchen Seurre, hielten wir an einer Boulangerie, denn Manu wollte gern einen heißem Kaffee trinken. Leider sind Heißgetränke in den französischen Bäckerein unüblich und so begnügten wir uns mit Pain au Chocolate und kreativen Schokotörtchen. :) 

30km später rollten wir durch ein kleines Dörfchen und dort sahen wir wieder die Räder der beiden Mannheimer stehen.

Bei Kilometer 60 an diesem Tag standen wir schließlich am Stadtrand von Chalone sur Saone und studierten unsere gute Michelin- Karte um zu schauen, wohin wir uns als nächsten wenden sollten. An dieser Stelle überholten uns die beiden Mannheimer Radler erneut, aber hier sahen wir sie zum letzten Mal. Ursprünglich hatten wir vor, in Chalone einen Kaffee zu trinken und eine Pause zu machen, doch dazu kam es leider nicht. 

Manu bemerkte ein flattern am Hinterrad und spürte wie langsam die Luft entwich. Wir hielten sofort bei der nächsten Gelegenheit an, das war an einer Carrefour-Tankstelle und besahen uns das Rad.

Als Manu das Rad auf seinen Zweibeinständer aufbocken wollte, verabschiedete sich dieser ebenfalls. Die Metallplatte, an die der Ständer an den Rahmen geschweißt war, ist einfach durchgefault gewesen und hing nur noch an einer kleinen Schraube am Schutzblech fest.

Bike Repair improvisiertes hält länger als Original nutzloser Radständer ab in den Müll

Ich entfernte den Ständer, der nutzlos geworden war, fixierte das Schutzblech mit einem Kabelbinder am Rahmen und wechselte mit Hilfe von Manuel den Reifen. Der Schlauch hatte ein Loch, und im Mantel steckte ziemlich tief ein spitzer Glassplitter, der durch die dicke Gummischicht des "unkaputtbaren" Schwalbe Marathon Plus Reifen gespießt hatte. Ich entfernte den Splitter, untersuchte gründlich den Reifen nach weitern Splittern,konnte aber nichts mehr finden. So zogen wir einen neuen Schlauch ein, pumpten das Rad auf und konnten schließlich unsere Reise fortsetzen. Da uns die Panne und das Verfahren zuvor eine Menge Zeit gekostet hatten, verzichteten wir auf unsere Kaffeepause in Chalon und fuhren nun weiter. Wir bedauerten das, denn Chalon hat eine schöne Kathedrale und Altstadt und gilt als der Geburtsort der Fotografie.

Der Canal Centre, dem wir jetzt folgen wollen, beginnten hier aber der Eurovelo Radweg macht gleichzeitig  einen Knick nach Nordwesten, bevor er sich erst ein ganzes Stück später wieder nach Südwesten wendet.

Diese große Schleife von  wollten wir abkürzen, deswegen wählten wir nun die Route über die Burgundischen Weinberge die sich direkt bei dem Weinstädtchen Buxy erheben.

 

In dem gemütlichen Ort drehten wir eine Runde und setzten uns schließlich in ein kleines Lokal, wo Manu endlich seinen Kaffee bekam und er mir ein Eis ausgab, weil ich ihm den Schlauch gewechselt hatte. Es kam noch zu einem kleinen Missverständnis mit der Bedienung. Manu bestellte eine Coke und bekam aber ein Croque. Das ist ein Sandwichtoast mit Käse und Schinken. Im Normalfall hätte Manu es zur Not gegessen, aber das es mit Schinken war lies es Manu als Vegetarier zurück gehen. Das war aber problemlos möglich.

ein Glas Rose im Burgund Buxy im Burgund Weinberge in Bourgogne  hübsches Burgund Bourgogne

Ich genoss ein Glässchen Rose aus Buxy und nach der kleinen Stärkung nahmen wir die Weinberge in Angriff. Der Weg schraubte sich entlang schöner Weinhänge auf etwa 460m hoch. Von oben hatte man einen schönen Blick und bei der Abfahrt überraschte uns die Landschaft. Es gab sattgrüne Wiesen, die von Hecken durchzogen waren. Die Landschaft sah eher typisch englisch aus.

England? looks like middle of England nüschd los

 

wir erreichten in der Nähe von Montchanin wieder den Canal Centre bis nach Blanzy, einem Vorort von Montceau les Mines.

Abfahrt Abfahrt 2 Abfahrt 3 Abfahrt 4 Abfahrt 5

Wir fanden ein kleines Hotel, welches aber geschlossen war. es hing ein Zettel mit einer Telefonnummer daran. Hier kann man anrufen, wenn man übernachten möchte. Ich wollte die Telefonnummer wählen, aber bemerkte, dass ich die französische Ländervorwahl gar nicht kannte, die man mit dem deutschen Handy vorwählen muss. Ich schrieb meinem Kumpel Georg eine SMS mit der Bitte, die franz. Ländervorwahl herauszufinden. er antwortete sehr fix und nun konnte ich mit der vorgewählten 33 den hotelbesitzer anrufen. Ich vesrtändigte mich irgendwie in englisch und ei paar Brocken französich und er meinte, er kommt in zehn Minuten zum Hotel. Der nette Herr war pünktlich, schloss uns das hotel und das Zimmer auf. Wir durften die Räder ins Restaurant stellen und hatten einen kleinen Etra Raum mit Sofa für uns, wo wir gemütlich zu Abend essen konnten.

Ich war an diesem Tag fix und fertig und flog nach der Dusche kurz nach neun ins Bett und hab tief und fest bis zum nächsten Morgen durchgeschlafen. Manu saß noch lange auf dem Sofa, hat mit Ellen geschrieben und bis spät gelesen.

 

Tages-km:  113,63 km              Gesamt-km: 389,40 km               Fahrzeit:  06:30:14 h

Tageshöhenmeter: 659 hm      Gesamthöhenmeter: 1826 hm      höchst. Punkt: 460 m ü NN

 Ø Steigung: 2 %                       max. Steigung: 7 %                  Ø km/h      17,40 

 

 

 

19Juni
2014

Camino de Santiago 2014 II

Montag     14.04.2014                          Tag 5

 

In dieser Nacht habe ich schlecht geschlafen und bin häufig aufgewacht. Ich habe irgendwelche wirren Träume gehabt und war morgens mufflig und schlecht drauf. ich fühlte mich wie gerädert. Manu war trotz des späten zu Bett gehens ziemlich fit.

Wir sind kurz vor acht Uhr aufgestanden, haben zusammengräumt und haben ein sehr gutes Frühstück bekommen, welches mich gleich fitter gemacht hat. Es gab reichlich Cafes, Baguettes, verschiedene Marmeladen und diverse Erdbeerküchlein, die sich Manu einverleibt hat. Nachdem wir uns satt gegessen hatten, bpackten wir die Räder und verabschiedeten uns von dem netten Hotelbesitzer-Ehepaar.

Ich war etwas früher mit Packen fertig und ging derweil direkt in eine kleine Steinkirche, die direkt gegenüber stand. Der Innenraum war von einer schlichten Schönheit. Es war nur eine Dame drinnen, die gerade putzte und ein älterer, freundlich drein blickender Herr, der gerade gfehen wollte. Ich hielt meinen Pilgerausweis in der Hand und ging auf den Herrn zu. Ich sprach ihn an mit "pardon" und zeigte ihm den Peregrino und fragte nach einem Stempel. Er verstand sofort und wollte meinen Pass mitnehmen zum Abstempeln. Ich erklärte, dass draußen noch mein Kumpel steht und ebenfalls einen Stempel möchte. Auch hier gab es keine Verständigungsprobleme. Er nahm unsere beiden Pässe und meinte, wir sollen fünf Minuten warten. Nach ein paar Minuten kam er zurück und voila, wir hatten unsere ersten Pilgerstempel. Wir bdankten uns bei ihm und stiegen auf unsere Räder in Richtung Montceau les Mines.

Die Stadt  (Partnerstadt von Geislingen an der Steige) hatte auf den ersten Blick nicht viel zu bieten.Wir hielten an einem Radladen, weil Manu nach einem neuen Ständer Ausschau hielt, aber es gab nicht passendes.

Ich bemerkte allerdings, dass eine Rahmenschraube an meinem Gepäckträger fehlte und konnte diese dank der netten Verkäuferin ersetzen.

Canal

Wir folgten nun weiter dem Canal in Richtung Digoin. Die Fahrt war kurzweilig und führte vorbei an schönen Chateaus, schicken Höfen, kleinen Mooren und vielen Weiden mit Pferden und Kühen.

Etwa zehn Kilometer vor Digoin wechselte die Fahrtrichtung von Südwest nach West und wir hatten sofort einen spürbaren Gegenwind. 

In Digoin angekommen, gingen wir zuerst in einem großen Intermarche einkaufen. Neben Lebensmitteln und Getränken deckten wir uns mit den Michelin Karten von der Auvergne und Limousin ein.

Wir rasteten gemütlich auf einer Bank inmitten des Ortes, hatten allerdings leider einen Reissalat mit Thunfisch gekauft. Der fisch war leider nicht rauszusammeln und das ganze Gericht schmeckte stark fischig. Es tat uns so leid, den Reissalat ungegessen zu entsorgen, aber es war auch niemand in der Nähe, dem wir das geben konnten. Von nun an wollten wir die Zutatenliste auf diversen Produkten ganz gründlich studieren, bevor wir wieder etwas kauften.

 

Nach der ausgiebigen Pause rollten wir am Canal weiter und erreichten die den großen und schönen Fluss Loire. Wir fuhren über ein Wasserkreuz. Der Canal führte als Brücke über die Loire, so etwas hatten wir noch nie gesehen. Das Konstrukt sah ziemlich eindrucksvoll aus. 

Wasserkreuzung Canal Centre/Loire Loire Wasserkreuzung Canal Centre/Loire faszinierend Wasserkreuzung Canal Centre/Loire Loire again

 

Indem wir die Loire überquert hatten, befanden wir uns nun an der Grenze zur Auvergne, der geographischen Mitte Frankreichs.

  im Herzen Frankreichs

Wir verließen den Euro 6 Radweg, der ab hier der Loire in Richtung Nordwesten bis nach Nantes folgt. Wir aber wollten den südwestlichen Kurs beibehalten und fuhren nun über ruhige Landstraßen nach Dompierre sur Bresbe.

 

Von hier aus fuhren wir auf einer kleinen gemütlichen Lanstraße immer parallel zu dem Flüsschen Bresbe. Auch hier war es sattgrün und die Landschaft erinnerte wieder an die britischen Inseln. An der Straße lag das Château de Beauvoir. 

schon wieder England?  im Tal der Bresbe Im Tal der Bresbe sanfte Landschaft Chateau de?

Die sanften Hügel führten über den höchsten Punkt des Tales, welcher auf entspannten 317m ü NN lag. Von hier führte die Straße ins tiefer gelegenen Lapalisse, einem kleinen Städtchen an der Besbre mit einbem markanten Schloss. Der Dreitausend-Seelen Ort hatte erstaunlich viele Hotels, leider waren davon schon die ersten drei nicht mehr existent, das Vierte etwas sehr Nobel und der angrenzende Campingplatz hatte leider keine Chalet für uns.

Nach längerer Suche fanden wir im oberen Teil des Ortes schließlich doch noch ein gemütliches Landgasthaus mit Zimmern.

Wir duschten und setzten uns gemütlich raus, um einen leckeren Salat mit Tomatenn, Rucola und Chevre Chaud auf geröstetem Baguette und Vin Rouge zu genießen.Ich telefonierte zehn Minuten mit meiner Frau und ging wieder zum Tisch. Ein gut angeheiterter Gast, Berharde aus Lyon setzte sich zu uns und wir kamen ins Gespräch, wobei es beiderseitig viel zu lachen gab. Als Bernharde dann nach Hause giung, weil er früh raus musste (der arme Kerl) tranken wir noch eine kleine Karaffe Wein drinnen in der Gaststube, weil es draußen doch frisch geworden war.

unser gemütliches Hotel in Lapalisse ready for dinner Bernharde (links im Bild) Chevre Chaud grandios lecker Vin rouge in der gemütlichen Gaststube in der gemütlichen Gaststube

 

Etwas angesäuselt ging es heute zu Bett.

 

Tages-km:  123,14 km              Gesamt-km: 512,55 km               Fahrzeit:  06:40:14 h

Tageshöhenmeter: 347 hm      Gesamthöhenmeter: 2137 hm      höchst. Punkt:317 m ü NN

 Ø Steigung: 2 %                       max. Steigung: 7 %                  Ø km/h      18,40 

 

Dienstag     15.04.2014                          Tag 6

 

Ich habe heute richtig gut geschlafen und viel und lebhaft geträumt. Um kurz vor 8 Uhr sind wir aufgestanden und haben gemütlich unsere Sachen zusammengepackt.

Das Frühstück heute war etwas spärlich. Es gab ein Croissant und ein Mini Brötchen, dazu etwas Butter, Marmelade , Cafe und die Rechnung...

107 € waren eine ordentliche Summe für das Zimmer, den Salat und drei Karaffen Wein. Oder waren es doch vier?

 

Um 9:15 Uhr waren es nur 7°C. Wir fuhren in die Stadt hinein und hielten an einer Art Apotheke/ Orthopädiegeschäft. Wir probierten für unsere Knie Stützbandagen an, da diese durch die Dauerbelastung zumindest bergauf schmerzten. 

Für 23 Euro bekamen wir was wir wollten und wir setzten unsere Reise in Richtung Vichy nun mit Hilfe der orthopädischen Hilfsmittel fort. Wir fuhren auf der D709 die vor allem von LKWs stark befahren war. Das Terrain war hügelig und nach 15km musste ich stoppen, denn die Bandage verrutschte immer wieder und verursachte in der Kniekehle bei jeder Bewegung Schmerzen. Sie war ganz wund gerieben von den Rändern der Bandage. Aber wie durch ein Wunder war vom Schmerz im Knie kaum noch etwas zu spüren.

Wir erreichten den Ort Cusset, eine kleine Stadt die nahtlos in Vichy übergeht. Als erstes fielen uns die Häuser auf, die den Ort wohl in vergangenen Tage sehr mondän gemacht haben müssen. Viel war davon in manchen Teilen Vichys nicht mehr zu sehen. Viele Hotels und Restaurants hatten geschlossen, nur um den Fluss und um die berühmten Heilquellen herum blühte das Kurleben. Uns fiel aber sofort das prachtvolle Rathaus und die Kirche Notre Dame des Malades auf.

Wir gingen hinein und schauten uns das Bauwerk an, welches schon 1672 erbaut wurde und die Kapelle, die jedoch erst im 19 Jahrhundert hinzugefügt wurde. Dieser Stilmix sah beeindruckend aus.

Nach dem Besuch fuhren wir ans Ufer der Alliere und durch die hübschen und sattgrünen, mit Blumen geschmückten Parks und Kurpavillions. 

Langsam mussten wir allerdings auch mal wieder Nahrung und Getränke kaufen, so machten wir uns nun auf in Richtung Süden. Wir blieben ein paar Kilometer auf der D906, die parallel zur Alliere führt. Nach wenigen Kilometern, in Saint-Yorre kam auch schon ein großer Carrefour Markt in Sicht.

Wir kauften die üblichen Dinge ein und machten auf dem großen Parkplatz eine ordentliche Brotzeit. In Puy-Guillaume, 20km südlich von Vichy wandten wir uns wieder Richtung Südwesten. Auf kleinen beschaulichen Landstraßen nahmen wir nun langsam Kurs auf das Massif-Central, welches sich solangsam "bedrohlich" vor uns aufbaute.

Wir kamen durch kleine Dörfer und hielten immer an der jeweiligen Dorfkirche, in der Hoffnung dort jemaden zu treffen, der uns für den heutigen Tag einen neuen Stempel in den Pilgerpass geben kann.

Im kleinen Örtchen Ennezat fiel als erstes die sehr mächtige und große Kollegiatkirche St-Victor et Ste-Couronne auf. Fleißige Leute säuberten und putzten das Innere der Kirche, denn es war gerade ein Fest gefeiert worden. (Wenn wir das richtig verstanden hatten) 

Das beeindruckende Bauwerk gehört zu den größten und berühmtesten Kirchen der Auvergne und kann schon auf eine fast 1000jährige Geschichte zurückblicken.

Ich fragte eine der Damen, ob und wo wir unseren Stempel bekommen könnten und sie bedeudete uns, ihr zu folgen. Zwei Straßen weiter war eine kleine Pfarrei, dort bekamen wir von einer wirklich alten, sehr lieben Frau unsere Pässe abgenommen. Sie humpelte die Treppe hinauf und kam nach einiger Zeit wieder und hatte unsere Pilgerpässe mit jeweils einem neuen Stempel versehen. Wir bedankten uns bei ihr, wünschten auch den fleißigen Leuten in der Kirche alles Gute und setzten unsere Fahrt in Richtung Riom fort.

Man sollte sich für die mittelalterliche Stadt eigentlich etwas Zeit nehmen. Wir waren aber von dem drängelnden und dichten Verkehr gleich so abgeschreckt, dass wir schnell das Weite suchten und weiter in Richtung Chatel Guyon fuhren.

Wir überlegten, wie wir das Zentralmassiv am besten überqueren sollten. Es gibt südlich von Clermont Ferrand die Hauptroute über das Gebirge. Diese führt über einen knapp unter 1000m hoch liegenden Pass und ist eine Hauptverkehrsachse. Diese beiden Tatsachen schreckten uns ab. Das Gebirge südlich umfahren fiel wegen der Größe dieses Gebirgsstockes aus und so entschieden wir uns schließlich an der Nordseite entlangzufahren, schnurstracks nach Westen immer weiter bis Limoges.So hofften wir, bleiben uns dauerhaft die starken Anstiege erspart und wir nehmen den "kleinen" Umweg dafür gern in Kauf. Doch wir sollten uns gewaltig täuschen...

Chatel Guyon kannte ich bereits. Mit meiner Frau verbrachte ich hier 2010 bereits einige Tage. Wir nutzten damals die schöne Lage um auf den Puy de Dome (1465 m ü NN) zu steigen und sahen uns Volvic und die schöne Auvergne an.

Zwischen Riom und Chatel Guyon galt es noch einmal die finalen 200 Höhenmeter zu überwinden.  In der Touri-Info liesen wir uns Auskunft und Adressen über günstige Pensionen geben. Zwei davon steurten wir direkt an, aber leider niemand öffnete uns dort. Bei der Dritten hatten wir dann endlich Glück.

Die kleine Wohnung wurde privat vermietet, der Besitzer konnte keine Sprache außer Französisch aber wir verständigten uns trotzdem irgendwie.

Das Beste war, Chatel-Guyon hatte einen Waschsalon. :) Wir packten jeder einen Beutel voll mit Schmutzwäsche und bezahlten um die 4 € fürs Waschen und nochmal 2€ fürs anschließende Trocknen. Nebenan war ein kleiner Supermarkt, bei dem wir uns noch mit dem nötigsten eindecken konnten.

Gegenüber des Waschsalons gab es einen reinen Bonbonladen. Eine alte Frau, ganz in Weiß gekleidet verkaufte die klebrigen Süßigkeiten. Das war eine dunkle, feste karamellisierte Masse mit Mandeln und Nüssen drin. Ich ließ mir für zwei Euro etwas abzwacken, die Dame benutzte tatsächlich eine große silberne Zange und fragte sie, ob ich ein Foto von dem einmaligen Laden machen dürfte. Sie verneinte. das musste ich wohl so akzeptieren. Ich lief noch ein wenig im Ort herum, während Manu entspannt mit seinem E-Book Reader im Waschsalon auf die Wäsche und auf mich wartete.

Ich fand das Hotel wieder, in dem wir vor 4 Jahren wohnten, leider war es mittlerweile geschlossen. Nun wurde es langsam Zeit zum Waschsalon zurück zu gehen. Die Wäsche war fertig, an manchen Ecken sogar noch etwas klamm.

Zurück an der Unterkunftg, hängten wir die feuchten Teile draußen auf eine Wäscheleine und ließen uns "daheim" Couscous-Salat, Käse, Oliven, Brot und Kronenbourg Bier schmecken.

Manu suchte verzweifelt die ganze Wohnung nach seinem fehlenden Fahrradhandschuh ab, wir einigten uns schließlich darauf, dass ihn nur die herumstreunende HAsukatze entführt haben kann... .

 

 

Tages-km:  93,82 km              Gesamt-km: 606,37 km               Fahrzeit:  05:40:45 h

Tageshöhenmeter: 648 hm      Gesamthöhenmeter: 2785 hm    höchst. Punkt:466 m ü NN

 Ø Steigung: 2 %                       max. Steigung: 16% (geschoben)        Ø km/h      18,40 

 

 

 

Mittwoch 16.04.2014                                                                            Tag 7

 

Das Petite Dejeuner gab es diesmal im Wohnzimmer der Familie. Die Dame des Hauses servierte uns Croissants und dunkles Baguette. Dazu gab es viel Kaffee zu trinken.

Die beiden etwa fünf bis sieben Jahre alten Enkelkinder der Familie saßen nebenan und schauten etwas gelangweilt Fernsehen. Die Oma erzählte, dass die beiden aus Paris seien und über die Ferien zu Besuch sind.

Sie empfahl uns die schöne Auvergne noch etwas ausgiebiger zu besuchen und holte ganz stolz eine Flasche Volvic hervor. Sie sagte, das Wasser wäre sehr gut und würde von hier ganz in der Nähe kommen. Sie fügte schließlich noch stolzer hinzu, dass man dieses Wasser sogar in Paris trinkt.

Wir räumten artig das Geschirr mit weg und holten unsere Sachen von der Wäscheleine. Schließlich verabschiedeten wir uns von der gastfreundlichen Familie und checkten noch mal die Räder. Kleinere Wartungsarbeiten führten wir schnell durch (Reifen checken, Kette reinigen und schmieren und einen kleinen Achter entfernen) und gegen 9 Uhr setzten wir uns in Bewegung.

Gleich zu Beginn fuhren wir gut 10km Kilometer erst einmal permanent bergauf. Wir sahen zu unser linken stets den Gipfel des Puy de Dome. Kurz vor dem Gipfel unseres vergleichweise niedrigen Passes, fanden wir einen schönen Platz zum durchschnaufen. Ein kleines Hochplateau mit blühenden Wiesen und Blick auf die Vulkane der Auvergne. Neben einem alten knorrigen Baum stand ein altes steinernes Pilgerkreuz. Ein wundervoll stimmungsvoller Platz.Auch hier war der Jakobsweg. Wir fanden ihn und der Weg fand uns.

Wir fuhren weiter und querten die Autobahn A89 (Lyon -Bordeaux) auf etwa 790 m Höhe. Nun begann eine längere Abfahrt nach Manzat. In dem kleinen Städtchen machten wir eine kleine Pause und holten uns in der örtlichen Boulangerie kleine süße Teilchen gegen die Hungerrast. Manu ist das Walnusstörtchen immer noch in guter Erinnerung. 

Die nächsten zehn Kilometer waren ein ständiger Wechsel aus bergauf und bergab. Wir hatten das Gefühl kaum voranzukommen. Gegen 12 Uhr erreichten wir das Örtchen Saint-Georges-de-Mons. Im örtlichen Super-U ließen wir uns vom Fachberater an der Salat und Fleischtheke beraten, welche der angebotenen Salate sowohl fleisch-als auch fischfrei seien. Er offerierte uns eine bestimmte Sorte Nudel-Gemüse-Majonaise-Salat und beteuerte trotz seiner blutbeschmierten Fleischerschürze, dass der Salat no viande, no poisson enthält. 

Draußen auf dem Parkplatz, beim Essen merkten wir sofort, dass Meeresfrüchte bei ihm wohl nicht unter die Kategorie Fisch und Fleisch fällt. :( 

Dazu habe ich mir noch ein Minzgetränk von Schweppes gekauft, welches grässlich schäumte und wie Odol schmeckte. Komisches Mittag.

Schließlich brachen wir wieder auf. Wir kamen an den Rand der tiefen Schlucht, den der Fluss Sioule in die Landschaft geschnitten hat. Er mäandert wie ein grünes Band durch das Gebirge, das Panorama war berauschend. Die steile Abfahrt hinab zum aufgestauten Fluss genauso. Nur der gegenüberliegende Aufstieg kostete wieder einiges an Kraft. 

Die Straße zog sich lange lange hin und endlich erreichten wir die D941, die Clermont-Ferrand mit Limoges verbindet.

Auf einem Rastplatz mit Schatten, Bänken und Toiletten machten wir eine ausgiebige Pause, nur unterbrochen von zwei Gemeindearbeitern die genau neben uns laut dröhnend Rasen mähen mussten.

Nach der Stärkung ging es wieder hügelig weiter. Die D941 bewegt sich auf diesem Abschnitt in Höhenbereichen zwischen 580 und 790 m. ü NN. Angenehm war aber, dass die recht breite und große Hauptsraße doch ziemlich ruhig und wenig befahren ist.

Uns machte das permanente auf und ab schwer zu schaffen. Kaum hatten wir einen langezogenen Hügel bezwungen, kam eine gefühlt schnelle kurze Abfahrt und gleich darauf ging es wieder schleichend bergan. Wir fuhren durch ausgedehnte Waldgebiete und hinter uns wurde die Silhoutte des Puy de Dome nun langsam kleiner.

Die Sonne hatte wieder gut Kraft an diesem Tag. Unsere T-Shirts hatten ordentlich Schweiß aufgenommen und durch das schnelle verdunsten gerade am Rücken, hatten sich wunderschöne Ornamente aus Salz gebildet. Kein Batikmeister konnte es mit uns aufnehmen.

Ich hatte mich seit Tagen nicht eingecremt, denn ich war der Meinung schon ordentlich vorgebräunt zu sein. Weit gefehlt. Ich bekam nun stark gerötete Haut, aber eigentlich nur an den Unterarmen. Im Gesicht, an den Beinen, Händen, am Hals war alles okay.

Ich cremte mich immer mit einer Bio-After Sun Lotion ein aber ich weiß nicht ob es an dem Produkt lag oder an einfach viel zu viel Sonne auf der gleichen Stelle. Die Haut an der Oberseite meiner Unterarme begann große wassergefüllte Blasen zu bilden. Das schmerzte überhaupt nicht, juckte ein wenig, sah aber ziemlich fies aus. Ab und zu platzte ein Bläschen bei Berührung und klares Wasser nässte mein Sweatshirt. Denn an den Folgetagen trug ich nur noch lange Kleidung um die Arme nicht noch mehr der Sonne auszusetzen.

Wenige Orte lagen auf der Straße, so zogen wir schnell durch Saint-Vitt und La Villetelle hindurch, die Dörfer waren wenig besonders auf den ersten Blick.

So langsam wurde es Abend und wir waren auch ziemlich erschöpft mittlerweile. Das nächste größere Städtchen vor uns war Aubusson. Wir hatten bereits die Auvergne hinter uns gelassen und befanden uns nun schon in der Region Limousin. 

Auf den Hinweisschildern zu der kleinen Stadt waren immer wieder Bilder zu sehen mit dem Hinweis, dass Aubusson Stadt der Tapisserien ist. Wir konnten uns überhaupt keine Bild davon machen, was damit gemeint ist. Selbst der Hinweis dass de Tapiserien UNESCO Weltkulturerbe seien machte uns nur ratloser.

Wir fuhren ein langes Stück beragab in die Stadt hinein, welche am Ufer der Creuse liegt. Nun folgten wir den Schildern zu verschiedenen Auberges. Die Erste war Fehlanzeige, man verwies uns weiter Richtung City. Die Stadt war gut besucht und viele Touristengruppen und Busse waren zu sehen. Die kleine Altstadt war schick eng, wie es sich für eine Altstadt eben gehört und dort sahen wir einige Hotels, die allerdings etwas gehoben aussahen. Wir schauten noch etwas weiter und fuhren einen Berg hinauf. 

Auf der rechten Seite sahen wir eine Jugendherberge. Wir hielten davor an und wollten gerade klingeln, als ein junger Kerl rauskam. Ich fragte ihn, ob hier Platz ist und er sagte un moment. Er kam mit der jungen Dame vom Empfang wieder heraus.

Wir durften einchecken, doch aufgrund von Sprachbarrieren dauerte die Aufnahme allein etwa 45 min. Wir bekamen jeder ein sehr spartanisch eingerichtetes Zimmer und zum Glück hatten wir unsere Schlafsäcke dabei. Der Preis war super, wir zahlten 18€ pro Person inklusive Frühstück. Die Fahrräder nahmen wir mit aufs Zimmer, es gab gar keine Unterstellmöglichkeit.

Nachdem wir geduscht hatten und umgezogen waren, bekamen wir einen Türcode und wollten uns etwas zu essen suchen. Es gab verschiedene Restaurants und auch Dönnerläden. Eher aus Zufall kamen wir an einem unscheinbar wirkenden Asiaten vorbei.

Wir gingen hinein und es war ein schön eingerichtetes, gut besuchtes Restaurant. Wir bekamen von der englischsprechenden Chefin einen Tisch zugewiesen und bestellten ein gut zusammengestelltes vegetarisches Essen aus mehreren kleinen Gängen.

Wir haben in der Zeit ausgiebig geschwatzt, die kommenden Tage geplant und uns selber über den grünen Klee gelobt, wie gut wir den Tag mit den vielen Anstiegen gemeistert haben. Zusammengerechnet waren es auch knapp 1450hm. So viel hatten wir bisher noch nicht an einem Tag mit Gepäck gemeistert.

Es war eine friedvolle und ausgeglichene, angenehme Stimmung vor allem aber auch in froher Erwartung auf das Essen. Und das enttäuschte uns nicht, denn darunter waren Suppe, gegrillter Tofu, Koriandersaucen, Gemüsepfanne mit Pilzen und Sprossen und ausreichend Reis, verfeinert mit Zitronengras.

Dazu haben wir das gute Singha Bier und Asahi getrunken und sind schließlich satt, zufrieden, erschöpft und glücklich bei gerade mal 7°C Außentemperatur die 500m zur Jugendherberge zuückgelaufen. 

Gleich ins Bett und super schnell eingeschlummert.

 

 

Tages-km:  93,54 km              Gesamt-km: 699,92 km               Fahrzeit:  06:08:47h

Tageshöhenmeter: 1449 hm      Gesamthöhenmeter:4234 hm    höchst. Punkt:790 m ü NN

 Ø Steigung: 3 %                       max. Steigung: 11% (geschoben)        Ø km/h     15,20

 

 

 

 

19Dezember
2014

Camino de Santiago 2014 III

Mittwoch 17.04.2014                                                                            Tag 8

Die erste Woche unterwegs. Und zum ersten Mal Gliederschmerzen auf der Tour. An den harten Betten der Jugendherberge lag das nur zum Teil. Die Bergfahrerei am gestrigen Tag hattte meine Oberschenkel, als auch die Wadenmuskulatur ordentlich gefordert.

Der Wecker klingelte heute schon um 06:20Uhr. Die Rezeptionistin gab uns gestern noch den Rat, sehr früh beim Frühstück zu sein, sonst kann es passieren, dass nichts mehr übrig ist.

Um sieben Uhr saßen wir also im kleinen Frühstücksraum. Es lagen da: 2 Baguettes, ein paar kleine Nutellarationen, Marmelade, Butter, Kaffee und Milch. Ich suchte nach einer Tasse, sah aber nur mittlelgroße Müslischälchen. Teller gab es auch keine. Manu schüttete sich den Kaffee in die Schüssel und trank daraus. Mir stand da nicht so der Sinn danach.

Wir aßen ein Baguette zu zweit und reduzierten die Beilagen, die ohnehin knapp bemessen waren. Satt wurden wir nicht, aber wir ernteten ziemlich böse Blicke von den hereinkommenden Herren. Wir hatten den Eindruck, dass es eher eine Art günstige Dauernterbringungsmöglichkeit war und nicht so wie eine typische Jugendherberge. Unter den "Gästen" waren auch erstaunlich viele Schwarzafrikaner. Vielleicht diente das Haus auch als so eine Art Zwischenlösung für Leute die keine Wohnung finden oder bekommen.  Die Franzosen schimpften über uns und dass wir gewagt hatten, die Sachen zu essen. Sie hatten zwar den Rücken zu uns gekehrt, aber durch Gestik und auf uns Zeigenkonnten wir das zeimlich genau deuten.

Punkt acht Uhr waren wir abreisefertig. Neben der Herberge war gleich ein Supermarkt, den wir nach unserem Check-Out anfuhren. Ein Mitarbeiter, der draußen Waren stapelte, gab uns aber zu verstehen, dass der Marche erst um neun Uhr öffnet.

Wir rollten also erstmal los und es war ein richtig eiskalter Morgen. Die Hände froren fast am Lenkergriff fest und die Kälte tat richtig weh ohne Handschuhe.

An einer Apotheke zeigte das Außenthermometer 0° C an. Wir froren richtig derbe. Wir hatten zwar lange Kleidung und Jacken an,aber die Kälte drang überall durch, wir waren selber noch nicht warm gefahren.

Das änderte sich aber rasch. Nachdem wir das Zentrum von Aubusson verlassen hatten, führte die D 941 auf einem sehr langen Anstieg aus dem Ort hinaus. Wenigstens hatten wir das Rätsel um die Tapisserie gelöst, ein weiteres Schild erklärte uns, dass eine Tapisserie nichts anderes ist, als eine Manufaktur für Wandteppiche und Gobelins.

Die Sonne zeigte sich endlich als wir aus dem Tal hinauskrochen und die Temperatur stieg laut Thermometer auf dem Fahrradcomputer allmählich an. Als die Anzeige dann bei 15°C angelangt war, mussten wir halten und uns der warmen Kleidung entledigen. Manu hatte eine dicke Jacke an, darunter ein Pullover, darunter ein T-Shirt. Shirt und Pullover waren zum auswringen durchgeschwitzt. Mir ging es ähnlich.

Nachdem wir wieder trockene Kleidung anhatten fuhr ich gemütlich weiter, denn Manu drückte sich buchstäblich noch ein bißchen in den Büschen herum. 

Die nächsten Kilometer war die D 941 nicht mehr als eine kleine beschauliche Landstraße. Kurz vor uns wurden gerade die Seiten- und Mittelstreifen neu gezeichnet. Ich machte mir den Spaß und fuhr über die ganz frische weiße Farbe. Meine Schwalbe-Reifen waren ganz schnell weiß und behielten diese Farbe zum teil noch bis Spanien.

Nach 30km entspannter Fahrt kamen wir in das schicke Städtchen Bourganeuf, dessen Eingangsschild stolz verkündete, dass diese Stadt eine der allerersten Orte in Frankreich war, in dem die Elektrizität eingeführt wurde. Direkt im Mairie (Rathaus) zentral gelegen, ließen wir uns einen Stempel für den Pilgerpass geben. Anschließend versorgten wir uns in einer Boulangerie mit süßem Frühstück und aßen auf dem Rand eines großen Brunnens inmitten des gemütlichen Zentrums unsere Pain au chocolat. 

Nach der entspannten Pause fiel es uns schwer wieder aufzusteigen. Das Wetter zeigte sich weiterhin sonnig und warm und so brachen wir dann doch wieder auf. Wir blieben weiterhin auf der D 941. Die Straße war jetzt permanet hügelig, aber es gab keine ewig langezogenen Passagen, die so viel  Kraft kosten. Das Gebiet war waldreich und sah lieblich aus, das war bestimmt das Auenland Frankreichs.

Unser nächster Halt auf dem Weg in Richtung Limoges war St-Léonard-de-Noblat. Wieder einmal kamen wir mehr oder weniger zufällig durch einen recht bedeutenden Pilgerort des Jakobswegs. Wir befanden uns auf dem Zweig des Pilgerwegs namens Via Lemovicensis. Die Stadt empfing uns mit einem großartigen Blick auf die Stiftskirche von St. Leonhard, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Wir betraten das imposante Gebäude und drinnen waren viele Leute mit aufräumen und tragen beschäftigt. Eine ältere Frau mühte sich mit einer großen Truhe ab und ich half ihr sie zu tragen. Dafür wies sie mir den Weg dahin, wo ich einen weiteren Stempel erhalten konnte. In einer Nische, die mit Glas verkleidet war, gab uns ein Kirchenmitglied die Information, dass vor uns die Reliquien des heiligen St. Leonhard lagen. Diese waren lange Zeit verschollen und fanden erst wenige Tage zuvor wieder an ihren angestammten Platz.

Nun wurde es Zeit so langsam Limoges anzusteuren. Wir hatten noch etwa 22km auf hügeligem Terrain zurückzulegen. Der Verkehr nahm mit der Nähe zur Stadt immer weiter zu und wurde dichter. Manu fuhr voraus und wir einigten uns vorher, dass der erste Supermarkt angesteuert wird. Manu fand einen und schrieb mir eine SMS mit Beschreibung des Supermarktes in einem Vorort von Limoges, vor dem er wartete. Ich fuhr und hielt Ausschau nach ihm aber ich entdeckte ihn nicht. Ich wusste auch nicht wie groß der Abstand zwischen uns war. Ich rollte und rollte und suchte und es ging immer weiter bergab bis ich plötzlich am Ortseingan von Limoges stand. Zu weit. Den ganzen Anstieg zurück bei dem verkehr wollte ich mir aber auch nicht geben.

Vor mir baute sich rechts die große Kathedrale mit Park auf und ich schrieb zurück, dass Manu in Ruhe einkaufen soll und ich dann hier auf ihn warten wollte. Das war ein unübersehbarer Platz und so konnten wir uns leicht wieder finden. Manu verzichtete aber auf den Einkauf und kam recht schnell zur imposanten Kathedrale hochgefahren. Wir chillten unter schattigem Grün und verzehrten was wir noch dabei hatten. Um uns herum waren junge Leute die Gitarre spielten, herumhingen und ab und zu duftete es auch nach diversen verbrannten Kräutern. Ich ging ein paar Schritte, um mir die Beine zu vertreten und schaute mich im Domgarten um. Schließlich ging ich in die große Kathedrale und sprach den ersten Priester dort nach einem Stempel an. Er fragte nach dem woher und wohin, wo ich heute übernachte und wünschte mir schließlich indem er mir einen Stempel in den Pass drückte, eine gute und sichere Reise. Ich bedankte mich und ging direkt zu Manu, der jetzt ebenfalls seinen Stempel abholte, während ich bei den Bikes wartete.

Nach unserer wohltuenden und ausgiebigen Pause folgten wir nun dem Lauf des Flusses Vienne, neben dem die viel und stark befahrene N21 entlangführte. Die ca 15 km waren äußerst anstrengend zu fahren, denn es herrschte viel Verkehr und wir fraßen ordentlich Staub und atmeten die Abgase direkt und ungefiltert ein.

Im Städtchen Aixe-sur-Vienne begannen wir langsam mit der Unterkunftsuche. Unser Navi zeigte wieder zwei Hotels, allerdings existierten diese nicht mehr. Der Campingplatz am Flussufer entpuppte sich al reiner Caravan-Stellplatz und so fuhren wir weiter nach Süden, weiter der N21 folgend. Wenn wir wieder zu Hause sind braucht das Navi ganz dringend ein Karten Update.

Nun befanden wir uns schon auf der Straße in Richtung Perigeux. Heute hatten wir wieder mehr Kilometer gemacht und befanden uns schon ein gutes Stück im mittleren Südwesten Frankreichs. Das Klima war deutlich milder als im Central Massif und wir näherten uns so langsam aber sicher der Feinschmecker- und  Trüffelregion des Perigords. An einem etwas nobel wirkenden Hotel an der Straße fragten wir nach einem Zimmer. Die Dame musterte uns erst einmal prüfend von oben bis unten und nannte uns den Preis von 75€ ohne Frühstück. Als wir noch beratschlagten, ignorierte sie uns völlig, weil ein Paar hereinkam und sich ebenfalls für eine Unterkunft interessierte. Das arrogante Verhalten erleichterte unsere Entscheidung erheblich.

Im folgendenOrt -Séreilhac fanden wir ein gemütliches Hotel namens La Meule, welches zwar nicht wesentlich günstiger war (63€), aber der Herr dort bemühte sich sehr und war freundlich und hilfsbereit. Wir konnten die Bikes einschließen, aßen etwas und nach der Dusche gönnten wir uns abends einen schönen Rotwein bei einer Partie Schach. Manu schlug mich 1:0 und Hauptthema des Abends waren Gespräche über die Arbeit. Das musste auch mal sein, auch wenn Urlaub ist.

Tages-km:  114,68 km              Gesamt-km:814,16 km               Fahrzeit:  05:40:45 h

Tageshöhenmeter: 1267 hm     Gesamthöhenmeter:5537 hm    höchst. Punkt:693 m ü NN

Ø Steigung: 3 %                        max. Steigung: 11%                      Ø km/h      16,50 

 

Donnerstag 18.04.2014                                                                      Tag 9

 

Wir hatten beide gut geschlafen und fühlten uns fit. Die Schmerzen vom Vortag sind geringer geworden, nur das typische etwas steife Gefühl in den Beinen war wie jeden Morgen zu spüren. Irgendwie nahmen wir uns immer vor, Dehnübungen vor und nach dem Fahren zu machen, aber bisher fand das nie statt. Wir packten unseren Krempel zusammen und gingen zurück in die Bar zum frühstücken. Wir bekamen zwei große Kaffees, dazu Baguettes und Croissants.

Wir beglichen unsere Rechnung und luden das Gepäck auf die Bikes. Heute war unser Hauptziel Périgueux oder vielleicht ein Stück darüber hinaus. Wir wollten heute den ganzen Tag auf der N 21 bleiben, die relativ entspannt zu fahren war und der Verkehr sich in angenehmen Grenzen hielt.

Die ersten Kilometer waren wir jeden Morgen zäh und holprig und bis jeder seinen Rhythmus gefunden hatte, brauchte es so seine Stunde Fahrzeit. 15 km später entdeckten wir allerdigs erst einmal  einen hübschen kleinen Wochenmarkt im Städtchen Châlus. Hier wollten wir eine Runde schlendern gehen. Die Bauern aus der Region verkauften ihre leckeren Produkte, das meiste in Bio-Qualität. Es gab Käse in allen Varianten, Gemüse, Obst, Fleisch, Backwaren aber auch Kleidung an den Ständen. Wir deckten uns mit köstlichen Pain au Chocolat, Baguettes und verschiedenen Sorten kleiner handlicher und würziger Ziegenkäsestücken ein.Genau so hatten wir uns die französische Provinz vorgestellt. Als wir unser zweites Frühstück eingenommen hatten, machten wir uns gleich direkt bergan wieder auf den Weg. Am Ortsausgang entdeckten wir noch den Bürgerdienst und wir hielten noch einmal. um uns den ersten Stempel des Tages abzuholen.

Die nächsten 50km zogen wir ziemlich diszipliniert durch. Nur einmal hielten wir an einer kleinen Boulangerie, in der sich Manu kleine Apfelmuffins leistete. Die Strecke war jetzt sehr angenehm zu fahren. Es war hügelig, aber nicht zu schwer. Autos fuhren nicht viele. Wir erreichten jetzt Aquitanien(6), die letzte der sechs Regionen Frankreichs, die wir auf unserer Reise durchquerten. Sie sind in etwa vergleichbar mit unseren Bundesländern, jedoch zum Teil erheblich kleiner. Der Reihenfolge nach starten wir im Elsass (1). Es folgten Franche Comte (2) und Burgund (3). Dann kamen Auvergne (4) und Limousin (5). Die nächste Grenze die wir überschreiten werden, wird die spanische sein, aber bis dahin war es noch ein weiter Weg.

Die Landschaft bestand aus kleinen Wäldern, Weiden, Wiesen und kleinen Höfen. Es lagen nicht viele Orte auf der Straße, der bekannteste war Sorges. Wir waren jetzt im Herzen des Perigords undHeimat der bekannten schwarzen Trüffel, der sogenannten "Périgordtrüffel". Das ist das Prunkstück der Gastronomie des Périgords und gleichermaßen Luxusgut wie auch lokales Erzeugnis. Leider war gerade keine Trüffelsaison, die in den Monaten zwischen September und Dezember ihren Höhepunkt hat. In Sorges kamen wir auch am Trüffelmuseum vorbei.

In Sarliac am schicken Flüsschen Isle gelegen, hielten wir noch mal um an einer Tankstelle kühle Getränke zu kaufen und gleich zu trinken.

Die folgenden 10km bis ins Stadtzentrum von Perigeux waren wieder extrem anstrengend. Der Verkehr war dicht und die Straßen verstopft. Wir fuhren durch ewig langgezogene Industriegebiete bis wir endlich einen Anstieg hoch zu Altstadt erreichten. Das Centre Ville entschädigte uns aber vollends. Zunächst war die imposante Kathedrale unser erstes Ziel.

Das große helle Bauwerk wirkte in seiner einzigartigen Architektur sehr majestätisch und wirkte wie von orientalischen Einflüssen inspiriert. Hier kann man noch Informationen zur Geschichte nachlesen. Als wir am Tor ankamen, fand gerade ein großer Gottesdienst statt. Die Kirche war voll. Es drangen liturgische Gesänge durch das riesige Gewölbe. Das Ganze wirkte sehr erhaben und eindrucksvoll. Wir schauten einzeln die Kirche an, damit einer von uns beiden immer die Fahrräder beaufsichtigen konnte. Pilgerstempel gab es diesmal keine für uns.  Nach der Besichtigung setzten wir uns in ein kleines Cafe auf einem zentralen Platz in der Altstadt. Das ganze Flair war sehr südländisch. Überall gab es kleine Cafes, Bistros, Kneipen und vor allem Delikatessenläden jeglicher Coleur. Die Eiskugeln kosteten an jedem Stand 2,50€ pro Stück, das war mir dann doch echt zu happig. Ich besorgte mir lieber einen neuen Sticker für mein Fahrrad und wir tankten am Geldautomaten neues Bargeld. Irgendwie wollten wir die schöne Kulisse nicht so gern verlassen, denn Perigueux ist wirklich eine Perle, die es auf jeden Fall wert ist, noch einmal wieder zu kommen.

Leider wurde es halt wieder einmal  Zeit aufzubrechen. Wir kamen recht zügig aus der Altstadt heraus und fanden fix die direction a Bergerac. Nur ganz aus Perigueux heraus zu kommen, war genauso anstrengend wie die Einfahrt. Nur kam neben dem starken Verkehr auf einer Schnellstraße noch eine langegzogene Steigung mit über 100hm hinzu.  Aber wenigstens fand sich am Ende der Schnellstraße und Steigung ein großer SuperU. Wir kauften richtig dicke ein und hatten H2O, Bier, Käse, Tabouleh, Baguettes und vieles mehr in unsere Taschen zu verstauen. Ganz dekadent gab es für mich noch zwei richtig pralle Schokoeclairs und Manu zog sich einen halben Liter Energy Drink rein.

Wir verließen nun die N21 weil wir uns jetzt aufs Navi verliesen. Es zeigte uns auf einer kleinen Nebenstraße, der D8 den Ort Vergt an, mit  gleich zwei Hotels. Wir fuhren auf der kleinen engen Straße, die durch grüne Wälder führte. Teilweise waren steile Passagen inklusive. In Vergt, einem winzigen Städtchen angekommen, erwies sich eins der beiden Hotels als nicht mehr existent. Beim anderen wollte der Besitzer gard die Bar schließen. Zimmer hatte er leider auch keines mehr frei für uns. Er  empfahl uns aber in bestem Englisch ein kleines Hotel in etwa 10km Entfernung. Die Besitzer waren die Eltern seiner Freundin und er telefonierte gleich mit Ihnen und kündigte uns an. Außerdem empfahl er uns eine gemäßigte Alternative von der Strecke her. Der eigentliche Weg sei super steil meinte er. Wir bedankten uns sehr herzlich bei dem netten Kerl und fuhren RichtungHotel genau nach seiner Beschreibung.

Ein paar Minuten später überholte er uns mit dem Auto und bedeutete uns, das wir richtig waren. Nach einer halben Stunde und 12 Kilometern später standen wir wieder auf unserer N21 und hatten das schicke Hotel Tropicana. erreicht. Es war ein ziemlich gutes Hote l und wir legten 80€ hin. Aber wir hatten keine Lust mehr weiter zu fahren und ewig suchen, außerdem war es ziemlich spät mittlerweile.Wir wollten uns den Luxus heute einfach mal leisten. Die Betten waren riesig und es gab eine schöne Massagedusche, Internet und viel Platz. 

Ich schrieb am hauseigenen PC ein paar Mails, telefonierte ausgiebig mit meiner Frau und trank mit Manu abends zum Abschluss noch ziemlich leckeres Pelforth Blonde Bier aus Dosen, denn die Eclairs hatten ziemlich satt gemacht und mein Abendessen war heute eben flüssig :D

 

Tages-km:  116,9 km              Gesamt-km: 931,56km               Fahrzeit:  06:33:02 h

Tageshöhenmeter: 1005 hm     Gesamthöhenmeter6542 hm    höchst. Punkt 436m ü NN

Ø Steigung: 2 %                        max. Steigung: 9%                      Ø km/h      17,80

 

Freitag 19.04.2014                                                                Tag 10

 

Krisentag! So gut wie der Tag startete, hätte er ruhig weiter gehen können. Wir haben beide super geschlafen und sind erst nach 8:00Uhr aufgestanden. Wir haben gemütlich zusammen gepackt und Manu war schneller fertig. Er ist schon zum Frühstücksbuffet vorgegangen. Die Auswahl konnte man wirklich exorbitant nennen, es gab alles was das (Vegetarier)Herz begehrte. Müslis, Unmengen an Obst, Gemüse, Brot, Brötchen, Beläge, Ei, Säfte Baguettes, Kaffee und und und... Wir hauten uns echt voll bis nichts mehr ging und bekamen beim CheckOut sogar einen Stempel mit Jakobsmuschel in die Pässe. Pilgeruntekunft mal ganz nobel. 

Wir wollten vom Parkplatz rollen, kamen allerdings nicht weit. Manu hatte den nächsten Platten am Hinterrrad. Also die ganze Prozedur erneut. Gepäck abnehmen, Werkzeugtasche suchen, Rad ausbauen, Reifen abheben, Schlauch checken und evtl. nach Splittern suchen. Manu bekam den Auftrag in einem Waschbecken im Hotel den Schlauch nach undichtem Ventil oder Loch zu checken. Ich habe in der Zeit einen neuen Schlauch eingebaut, einen weiteren hatten wir ja noch in petto. Wir hatten extra Plastikhandschuhe eingepackt um ölverschmierte Hände zu vermeiden. Wenn das aber so weiterging, gingen die bald zur Neige. Manu kam zurück und meinte, er hat kein Loch entdecken können. Nachdem der neue Schlauch drin und das Rad wieder dran war, pumpte er sein Bike auf. Wir verstauten alles, beluden den Bock erneut und konnten endlich losfahren. Alles in allem hatten wir gut eine Stunde Zeit benötigt und die Stimmung war da schon etwas mies.

Wir rollten also nun endlich los. Für die etwa 25km bis Bergerac brauchten wir etwa 90min. Wir fuhren übrigens gerade auf der diesjährigen 20. etappe der Tour de France, nur in der Gegenrichtung.

Die Luft in Manus Schlauch hielt, die Befürchtung war nämlich, dass er sich einen Splitter in den pannensicheren Reifen gefahren hat und der sich so drin versteckte, dass man ihn nicht entdeckt, er sich aber nach einer Weile immer wieder in und durch den Schlauch drücken könnte. 

Maßnahme Nummer eins in Bergerac war wieder einmal der obligatorische Einkauf in einer Boulangerie. Anschließend entdeckten wir in der Innenstad einen schönen Wochenmarkt rund um die Kirche. Die Kirche war verschlossen, so schlenderten wir über den hübschen Markt. Hier gab es wieder alles was das Herz begehrte. Wir setzten uns gemütlich auf eine Treppe und machten eine schöne Mittagspause. Bergerac war ein gemütliches kleines Städtchen, ziemlich unstressig.  Nach der Stärkung fuhren wir über die schöne alte Brücke, die über die Dordogne führte. Am Stadtrand hielten wir noch einmal an einer Tankstelle, damit Manu das Hinterrad mit ordentlich Druckluft mit 4 -5 Bar füllen kann. Mit unserer kleinen Handpumpe schafft man das nicht. Es gab einen Luftautomat, der jedoch erst nach Einwurf von 50 C€nt das "kostbare" Gut freigab. Schließlich schafften wir es doch noch hinaus aus der Stadt und uns empfing eine schöne Kulisse aus grünen Weinbergen ringsum. Allerdings mussten wir diese auch erst mal fahrend überwinden. 

Wir machten wieder einige Höhenmeter und kamen oben angekommen ganz schön ins Schwitzen. Es war wieder einmal strahlend blauer Himmel, mittlerweile der zehnte Tag in Folge und wir hatten ordentlich Farbe abbekommen. Fahrradfahrerbräune. Gesicht, Arme und Beine gebräunt, der Rest schön weiß. Mein Ausschlag an den Armen war nur wenig besser, deswegen hielt ich mich nach wie vor an den Unterarmen bedeckt. 

Manus Schaltung begann nun langsam zu mucken. Immer am Berg, wenn er schalten wollte, sprang die Kette auf den Ritzeln herum und krachte und knallte. Von Schaltung einstellen hatten wir zu wenig Ahnung. Die einzigste naheliegende Lösung war ein Fahrradladen oder eine Werkstatt. Wir fuhren nun permanent auf und ab. Das schöne an Frankreich ist, es ist wirklich ein Fahrradfahrerland. Ständig überholten uns Autos und jubelten und winkten uns die Leute zu und freuten sich.

Manu freute sich nicht, an jedem Anstieg das Desaster mit der Schaltung. Er war ordentlich genervt von der ganzen Angelegenheit. Als es mal wieder so schön rumpelte, gab ich ihm den Ratschlag, er könne es ja mal versuchen, einfach ein Stück vor dem Berg zu schalten, wenn weniger Spannung drauf ist. Er fuhr mich als Reaktion  an und ranzte herum dass er das schon immer macht, alles zum Kotzen sei usw usw. Er zeigte auf ein paar etwas abgeschliffene Zahnräder vorn an den Kettenblättern und meinte die Ursache darin zu erkennen. Ich versuchte ihm klarzumachen, dass es garantiert nicht daran lag, sondern die Schaltung hinten neu eingestellt werden muss. Aber Manu war verständlicherweise pissig und das Gesagte kam nicht so wirklich bei ihm an. Jetzt war ich auch genervt. Er hatte keine Ahnung von Fahrradreparatur und Fahrradtechnik und will mir dann so einen Käse erzählen. die Nerven lagen wirklich langsam blank. Ich fühlte mich wie ein Depp, weil ich ihm ständig den Karren reparierte und nun zum "Dank" solche patzigen Antworten bekam. Soll er doch selber klarkommen. ( Das war natürlich Blödsinn. Ich wusste vorher dass ich auf Touren so was in die Hand nehm und das auch gerne tue. Nur bei so viel Zunder in der Luft, sieht man das natürlich anders). Ich hatte keine Lust auf weiteren Stress oder Diskussionen, aus diesem Grund lies ich beim Weiterfahren Stück für Stück den Abstand zwischen uns größer werden. Die nächsten 20km fuhr ich allein, was erstmal ziemlich angenehm war. Auf dem Tacho kam die 1000km immer näher, schließlich fotografierte ich den kleinen großen Moment. 1000 km am Stück ohne einen Tag Pause. Frankriech ist doch ziemlich groß. Und wir waren noch nicht mal am anderen ende angelangt.

Während ich so vor mich hinfuhr bekam ich zum ersten Mal richtig starke Zweifel an dem ganzen Unternehmen. Ich hinterfragte mich ernsthaft warum ich mir bzw wir uns diese Strapazen eigentlich antun. Tag für Tag aus dem Bett quälen, den ganzen Tag im Sattel sitzen, treten, treten, treten. Bergauf bergab. Schmerzen und Entbehrungen  Sonnenbrand, Durst Hunger und jeden Abend die Suche nach einer neuen Unterkunft. Ich hatte drei Wochen meines wertvollen Jahresurlaubs "geopfert" nur um hier einem Ziel entgegen zu fahren, wo ich noch nicht einmal wusste ob es all das wert war. Während andere Leute nun gemütlich am Strand liegen und sich erholen, ziehe ich mir dieses Programm rein.Ich könnte jetzt mit meiner Frau irgendwo im Meer schwimmen oder wandern und gut essen gehen. Und ich wundere mich warum Manu so genervt ist, wenn bei ihm zu all dem noch die ständigen Pannen dazu kommen und alles nicht so klappt wie er es sich vorstellt.

Es war schwierig so einer Situation etwas Positives abzugewinnen. Die große Antwort auf diese Gedanken und Fragen war aber stets gleich. Der Weg war das Ziel. Die Freude während des Fahrens. An jeder Ecke entdeckt man etwas neues. Man saugt die unterschiedlichen Landschaften und Landstriche ein. Man ist eins mit dem Weg, ein Teil der Strecke. Man ist permanent im Hier und Jetzt und auch wieder nicht. Die Gedanken sind frei. Man kann abschweifen und ist doch immer bei der Sache. Beim Fahren auf der Straße ist man weit entfernt und doch im Hier und Jetzt. Schwer zu beschreiben aber leicht zu fühlen. Ich kann unterwegs die Kultur, das Flair der verschiedenen Orte, Städte, Landschaften regelrecht in mir aufsaugen, Ich habe eine Affinität zur Wanderlust, dem viel schöneren und treffenderen sprachlichen englischen Pendant zum deutschen Begriff Fernweh. Und ich bin jedesmal stolz auf das schon geleistete, Zurückliegende.

1000km war ein Wort. Aber in dem Tempo halten wir das keine drei Wochen durch. Und da bleibt natürlich all das eben Aufgezählte auch auf der Strecke, dann wird das Ganze zum Stress, zum Rennen gegen die Zeit und auch gegen sich selbst. Die Lösung lag darin, das ganze Projekt umzugestalten. Nur dafür mussten wir uns halt mal unterhalten. Über die gegenseitigen Bedürfnisse, über Wünsche, über Vorstellungen. Bisher war es immer so, dass ich die komplette Planung einer solchen Tour übernahm. Das beeinhaltete die Logistik, aber auch die Planung von Unterkünften und Streckenführung. Ich ging von meinen Maßstäben aus, die sind aber nicht unbedingt auf Manu adaptierbar. Er ist unglaublich zäh und tapfer. Er jammert nicht und zieht eisern mit. Aber ich merke trotzdem wie es ihm an die Substanz geht, wie er teilweise schlecht schlecht schläft und Regeneration braucht. Okay, es wurde Zeit für eine Aussprache.

Marmande war die nächte größere Stadt. Manu war immer noch irgendwo vor mir.Ich sah links einen Fahrrad/Zweiradladen mit Werkstatt. ich hoffte Manu dort zu sehen, damit er seine Schaltung checken lässt. Leider Nein. etwa 3Kilometer weiter kam ein großer Kreisverkehr. Dort stand er und wartete. Ich begrüßte ihn gleich mit der Frage, ob er in der Werkstatt war, aber er hatte sie nicht gesehen. In dem Moment kamen ein älterer Herr und eine Dame zu uns und wollten uns helfen. Sie dachten wir suchen nach dem Weg. Mit Händen und Füßen eklärten wir, dass wir einen Radlagen brauchen und der Herr kannte einen. Ich bat ihn, die Straße aufzuschreiben in der sich das Geschäft befindet, die wusste er ebenfalls. Nun erklärten die Dame und der Herr abwechselnd und sehr ausgiebig wie wir dahin finden. Wir bedankten uns sehr bei den herzlichen und lieben Leuten, gaben aber die Adresse sicherheitshalber doch ins Navi ein. Wir fanden nach einer Weile tatsächlich den Shop, doch leider hatten wir Pech. Es war Freitag gegen 17 Uhr und der Laden hatte geschlossen. Das trug weiter zur miesen Stimmung bei.

Auf den nächsten Kilometern machte ich meinem Frust und Ärger Luft und endlich konnten wir mal deutlich und offen miteiander sprechen.

Ich wusste dass Manu eigentlich auf dem Zahnfleisch ging und er gestand es nun langsam und  zögerlich ein. Ich sagte ihm aber auch, was mich die letzten Tage so störte und eben jetzt seinen Höhepunkt fand. Es war ziemlich unangenehm, aber auch wichtig. Ich entschied jetzt noch ein letztes Mal für uns beide und "verordnete" uns in der nächsten Stadt einen kompletten Ruhetag. Komme was wolle. Manu nutzte natürlich auch die Gelegenheit mir ebenfalls zurückzumelden, was nicht in Ordnung war, dazu gehörte auch die Erkenntnis dass ich nicht immer die Probleme von ihm lösen muss, vor allem nicht wenn er nicht darum bittet.Ich brauch kein schlechtes Gefühl haben, wenn er einfach mal nur wettern und meckern will und das als Auftrag sehen, gleich alles zu verbessern. Eine gute Erkenntnis im Übrigen, die ich auch im Arbeitsleben mal hinterfragen sollte.

Die nächste Stadt war dann auch schnell erreicht und hieß Casteljaloux. Wir fanden im Zentrum ein schickes kleines Hotel und buchten also gleich zwei Nächte. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, das Hotel war sauber und ordentlich .Wr bezahlten 57€ pro Nacht. Außerdem waren sie bereit unsere benutzte und leider ziemlich geruchsintensive Wäsche zu waschen. Die Stadt verfügte über alles was man so braucht. Es gab einen Intermarche, Restaurants und Therme, worüber wir uns am meisten freuten. 

Wir deckten uns im Supermarkt mit allem nötigen ein. Die Stimmung war wieder etwas besser. es tat unheimlich gut, sich ausgesprochen zu haben. Die Zweifel an der Unternehmung wirkten  bei mir jedoch noch sehr stark. Nach dem Duschen und dem Essen packten wir die Badesachen zusammen und gingen zu den Thermen. Leider wies ein Schild darauf hin, dass lange Badehosen, wie wir sie natürlich besaßen, nicht erlaubt sind. Lediglich kurze Badehosen oder enge Shorts sind erlaubt. Wir hatten aber schon unsere 8€ für die verbliebene Stunde bezahlt und so stieg ich kurzerhand mit meinen Trunks ins Becken. Manu machte es ebenfalls so. Wir wurden zwar ein bisschen schräg angeschaut vom Badepersonal, aber das war uns egal. Diese Stunde im warmen sprudelnden Thermalbecken war phänomenal. Die verspannten Muskeln konnten entspannen und das Schweben im warmen Wasser mit den Massagedüsen waren pure Wellness. Nach dem Bad war ich so tiefenentspannt, dass ich eigentlich gleich drauf im Hotel in langen tiefen und erholsamen Schlaf fiel. Was für ein Tag.

 

Tages-km:  109,26 km              Gesamt-km: 1040,82km               Fahrzeit:  05:56:00 h

Tageshöhenmeter: 652 hm     Gesamthöhenmeter 7194 hm    höchst. Punkt 220m ü NN

Ø Steigung: 2 %                        max. Steigung: 7%                      Ø km/h      18,40 

 

Samstag 20.04.2014                                                                Tag 11

Es ist Ostersonntag. Und es regnet. Und es ist Ruhetag. Und es ist nach 9 Uhr. Ausschlafen. Herrlich. Manu ist schon unten, um Kaffee zu trinken. Ich hole ihn ab und wir laufen in Regenjacken zum Supermarche. Wir deckten uns mit ziemlich leckeren Sachen wie Creme Brûlée aus dem Glas, Pistazienpudding,Bier, Schokolade, Keksen und ähnlichem ein. Manu kaufte sich noch neue Gepäckträgerspanner. Zum frühen Mittag wollten wir essen gehen und wir wählten uns ein bretonisches Restaurant im Zentrum aus. Es war sehr gut besucht. ein gutes Zeichen. Spezialität waren hier die typisch bretonischen Crepes, hier Galletes genannt. Sie waren nicht gerollt, sondern wie ein großer Briefumschlag gefaltet. Sie waren dunkel gelb bis braun und aus Buchweizen. Es gab unzählige Variationen. Wir wählten beide die Kombination Ziegenkäse-Spinat-Trockenpflaumen. Dazu ein frischer Salat, für Manu ein keltisches Bier und für mich einen Wein. Das Essen schmeckte ausgezeichnet in der urigen Atmosphäre und wir gingen zufrieden ins Hotel zur Mittagsruhe. Ich schlief nach kurzem Lesen und dem Desert aus dem Supermarkt ziemlich schnell ein und Manu blieb dank Energydrinks wach und las in seinem Reader. Gegen 17:30 gab es noch einmal eine kleine Brotzeit und von der Rezeption unsere frische duftende Wäsche zurück. Wir gingen am Abend noch einmal in gleicher Montur in die Therme und liesen den entspannten wohltuenden Tag noch mal richtig schön chillig ausklingen. Wir beschlossen ab Spanien durchzurechnen und zu schauen, ob wir evtl. eine Strecke mit dem zug zurückzulegen. Daheim gab es noch ein, zwei Bier. Der Tag mit kompletter Ruhe und Regeneration war wirklich wichtig und nötig gewesen. Die Stimmung war wieder gut.

08Februar
2015

Camino de Santiago 2014 IV

Montag 21.04.2014                                                                     Tag 12

 

Der Tag begann um 7 Uhr.  Heute nutzten wir das Frühstücksbuffet des Hotels. Es gab wieder allerlei leckeres beim petit (eigentlich ja grand) dejeuner bei der Auswahl. Das Hotel gab uns beim Check-out einen Stempel in den Pass. Wir beluden ganz in Ruhe unsere Fahrräder in der großen Garage des Hotels, in der sie auch gestern den ganzen Tag untergestellt waren.

Gegen 9Uhr verließen wir Casteljaloux weiter Richtung süden. Es war kühl und etwas neblig. Es hatte nachts weiterhin geregnet, der Himmel war durchgehend bedeckt aber es blieb erst einmal trocken.  Wir hielten Kurs auf Süd und fuhren auf der wenig befahrenen D933. Nach Casteljlaloux lag auf der rechten Seite ein schöner Badesee mit Campingplatz, Restaurants und weiterm Entertainment mitten im Wald, aber die Saison schien noch nicht eröffnet. Die ganze Anlage war verwaist.

Wir machten gut Fahrt. Die Strecke war flach und führte durch riesige ausgedehnte Kiefernwälder den Landes de Gascogne,dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Westeuropas. Wir befanden uns in der Gascogne, kam hier nicht D`Artagnan von den drei Musketieren her? Die Gegend war sehr dünn besiedelt. Kleine Orte wie St. Justin wirkten gemütlich und beschaulich. Wir mussten mit langer Kleidung fahren denn bis Mittags bewegte sich das Quecksilber nur zwischen 9° und 13°C. 

Wir zogen die ungewohnt ebene Strecke von fast 75 Kilomtern recht zügig durch, Wir hatten fast einen Durchschnitt von 24 km/h. Wenn das weiter so gehen würde, wären wir am Abend noch am Atlantik.

Erst als wir uns dem Mittelzentrum Mont-de-Marsan näherten, füllten sich die Straßen zunehmend mit Autos. Und fiel auf, dass der Autoverkehr sich immer dann in seiner Aggression steigerte, wenn wir in der Nähe von Autobahnauffahrten waren. Die Autos und LKWs fuhren dann immer besonders rücksichtslos und rasant. Nachdem wir endlich die Reichweite der A65 verlassen hatten, kamen langsam die Ausläufer von Mont-de-Marsan in Sichtweite. Die Gewerbegebiete mit typischen Supermärkten, Autohäusern, Dienstleistern und Bürogebäuden zog sich ziemlich lang hin.

Die Innenstadt selbst war eher unspektakulär. Wir versorgten uns wieder in einer der Boulangerien mit Kohlenhydraten und machten uns im Zentrum an einer schönen Brücke auf einer Bank breit. Wir aßen ausgiebig. Ich hatte morgens eines meiner frisch gewaschenen Sport-Shirts getragen und hatte augfrund der niedrigen Temperaturen kaum geschwitzt. Trotzdem stank das T-Shirt mörderisch. Das Teil aus dem typischen Funktions-Mischgewebe hatte ich immer zum Sport getragen. Mittlerweile reichte es, das Teil 30min bei Bewegung zu tragen und schon strömte es sein auffälliges Aroma in die Gegend. Jetzt hatte ich die Nase buchstäblich voll von dem Ding. Ich sagte ihm Lebewohl und stopfte es in die Mülltonne direkt vor mir. 

Gegenüber befand sich direkt eine kleine Touristen-Information. Hier bekamen wir wieder schicke Stempel in die Pässe. Mont-de-Marsan hatte eine schöne alte Kirche. Hier nahmen wir uns noch einmal etwas Zeit und zündeten in aller Ruhe eine kleine Kerze drinnen an.

Wir verließen die Stadt südwestlich auf der D824. Die Haupstraße wurde aber ziemlich schnell zweispurig und zur Autobahn. Wir zogen nun wohl oder übel auf dem Standstreifen der Straße knapp 25km durch. Der rechte Fahrbahnrand war voll mit Splitt, Glassplittern und kleinem Unrat. Wir sahen eine kleine Raststätte und nahmen sie dankbar als Pausenplatz an, denn die Fahrt auf der Autobahn war nervenaufreibend und anstrengend. Gelegentlich wurden wir angehupt und wir hatten Glück, dass wir nicht von der Polizei erwischt wurden.

Nachdem wir nun auf dem Rastplatz ausgeruht hatten wollten wir noch ca 4km auf dem Standstreifen durchziehen und dann wieder auf die Landstraße wechseln. Aber kaum auf den Bikes, bemerkte Manu das nun zum dritten Mal die Luft aus dem Hinterrad gewichen war.

Wir schoben die Räder zur nahen Tankstelle und führten dort eine ausgiebige Reparaur durch. Wir zogen beide Mäntel ab, fanden das Loch im Schlauch und flickten die Stelle diesmal. Dann kam der ehemals hintere Schlauch nach vorn und der ehemals vordere nach hinten. Außerdem wurden Kette und Ritzel grob gesäubert, denn die Schaltung sponn auch die ganze Zeit weiter.

Alles in allem brauchten wir 75min, bis wir wieder startklar waren und zogen noch einmal die verbliebenen vier km auf dem Standstreifen weiter, bis endlich die gewünschte Ausfahrt (Tartas est) kam.

Wir fuhren ab und waren wieder auf einer entspannten Landstraße die in den kleinen beschaulichen Ort Tartas führte.

Als wir den passiert hatten, wandten wir uns nun weiter Richtung Dax. Wir hatten zu viel Zeit bei der Reparatur verloren, der Atlantik war an diesem Tag nicht mehr erreichbar für uns. Auf kleinen Straßen, die immer mal neben der Autobahn entlangführten kamen wir nun langsam Dax näher. Einmal verfuhren wir uns etwa 8km vor dem Tagesziel. Wir irrten im Kreis herum und fanden aber schließlich mit Hilfe des Navis schnell wieder die richtige Richtung.

Wir erreichten am frühen Abend den Vorort St. Paul de Dax. Und es begann zu nieseln. Hier gab es einige kleine Hotels. Leider entschieden wir uns für das Hotel du Rail. Es machte zwar auf den ersten Blick einen netten Eindruck aber wir täuschten uns gewaltig.

Wir bezahlten 47€ mit Frühstück. Die Besitzerin war etwas seltsam. Sie musste man immer herausklingeln und dann eine ganze Weile warten. Zu ihrer Unterstützung holte sie ihren Sohn hinzu, der in Deutschland ganz klischeehaft in die Kategorie Hartz4 in Kombination mit ChrystalMeth-Abhhängigkeit gesteckt worden wäre. Hager, Blass, aufgekratztes hektisches Verhalten, schlechte Haut und schlechte Zähne usw Wir übertrieben nicht, das Gespann war sehr sehr seltsam. Der Geruch in dem Haus war muffig und abgestanden und hatte undefinierbare Duftnuancen und unser Zimmer war eine kleine ungelüftete Stinkehöhle.Wir entschieden uns ganz schnell GEGEN das Frühstück hier und gingen noch einmal hinunter um es abzubestellen. Das wurde akzeptiert und wir bekamen das Geld anstandslos zurück.

Manuel ging duschen und ich in die Stadt, weil ich einen Laden finden wollte, um noch ein, zwei Bier und was zu essen aufzutreiben. Ich lief herum, brachte aber bis auf zwei recht frische Baguettes und die Entdeckung eines Fahrradladens für Manus Schaltung, sonst nichts mit zurück.

Manu berichtete von der leckeren Dusche,welches ein altes viereckiges Becken war mit gelb-klebrigem Duschvorhang. In dem Becken stand sofort das Wasser drin, wenn man duschte.

Ich fand das so widerlich, dass ich mir heute echt die Dusche sparte. Allein beim Zähneputzen in dem Bad wurde mir immer wieder übel. Wir schliefen ziemlich schlecht in dieser Nacht, denn es war echt unangenehm vom Geruch her trotz Lüften. Wir nutzten nicht die Bettdecken, sondern rollten uns in unsere Schlafsäcke und hofften, dass wir morgens nicht von Wanzen zerstochen worden sind.

Tages-km:  134,91 km              Gesamt-km: 1175,74 km               Fahrzeit: 06:44:42h

Tageshöhenmeter:455 hm     Gesamthöhenmeter: 7649 hm         höchst. Punkt:156 m ü NN

Ø Steigung: 1 %                        max. Steigung: 11%                      Ø km/h    20,00 

 

Dienstag 22.04.2014                                                                                    Tag 13

 

Die Nacht in dem Schmuddelhotel war kurz, so richtig gut geschlafen haben wir beide nicht. Am Morgen hatten wir beide das Gefühl, dass es überall am Körper juckt. Wir hatten auch rote Flecken auf der Haut, keine Ahnung ob die nun von Mücken oder anderem Getier stammten.

Wir packten zusammen und verließen die Burg.Der Himmerl war grau und trüb, es war kühl und tröpfelte.

Als erstes steuerten wir den Radladen direkt in unserer Straße an. Wir zeigten dem Mechaniker das Problem mit der Schaltung und er meinte, er bräuchte in etwa 1h Zeit.

Wir einigten uns darauf, dass Manu eine Location suchen geht, in der wir etwas frühstücken konnten. Ich wollte schnell die Gelegenheit nutzen, mir im nahen Decathlon- Sportgeschäft eine Regenhose zu besorgen, da ich meine unterwegs verloren hatte.

Manu fand außer einem McDonalds nichts geeignetes, was noch geöffnet hatte und selbst dort musste er noch eine Viertelstunde warten, ehe er Kaffee kaufen konnte.

Ich fand im übersichtlichen Sportgeschäft recht günstig was ich suchte und brachte Manu neue Gepäckträgerspanner mit, da er die letzten im Hotel oder unterwegs verloren hatte.

Gegenüber der McDonalds Filiale gab es einen winzigen Laden, in denen wir uns Baguettes und Käse holten und so frühstückten wir vor dem McDonalds regengeschützt unter dem Vordach. Nach genau einer Stunde war Manus Bike auch fertig und er kaufte noch zwei extra Fahrradschläuche in dem Laden, von denen ich einen bekam. Es war schließlich fast elf Uhr als wir endlich Dax verließen. Wir mussten uns nun mit Hilfe der Straßenkarte einen fahrradtauglichen Weg nach Westen zum Ozean suchen, da fast nur noch Schnellstraßen verzeichnet waren. Im Einzugsgebiet von Dax kam natürlich noch der obligatorische Supermarktbesuch dazu.

Wir mussten ein Stück nach Nordwesten ausweichen um bei Magesgc wieder südwestlich weiter zu fahren. Wir konnten das Meer förmlich riechen, aber es zeigte und zeigte sich nicht. Als wir schließlich durch sandige Pinienwälder nach Capbreton fuhren, wussten wir, jetzt kann uns nichts mehr aufhalten. Es gab gut ausgebaute Radwege durch die flache, waldige duftig-würzig-riechende Landschaft und der Himmerl war auch wieder blau. Zur Krönung bekam ich eine SMS von meiner Frau, die mir mitteilte, dass sie daheim die Theorieprüfung zum Führerschein bestanden hatte. Ich schrieb ihr, wie unheimlich stolz ich auf sie war, denn von der Führerscheinprüfung wusste außer mir, niemand etwas. Die Kombination aus all dem gab mir ein leichtes, beschwingtes Gefühl.

Endlich hatten wir es geschafft. Der grüne Wald lichtete sich und wir bekamen zunächst einen großen Wall aus Sand zu Sicht. Es gab eine Straße und am rechten Rand türmte sich eine große langgezogene Sanddüne entlang. Überall sah man braungebrannte Surfer mit ihren Vans und Bullis an den Brettern herumwursteln. Wir stellten die Räder an einen kleinen Zaun ab und erklommen die Wand aus Sand. Und endlich... Wir hatten den westlichen Rand von Europa erreicht, Wir waren am Atlantik.

Das Gefühl war unbeschreiblich. Das Grinsen wollte nicht mehr aus den Gesichtern verschwinden. Wir sogen die frische salzige Luft ein, das Rauschen der starken Wellen gab den besten Soundtrack zur vor uns liegenden Kulisse. Jetzt wusste ich wieder ganz genau, warum ich das Ganze auf mich genommen hatte. Aus eigener Kraft in einer anderthalben Woche hier herunter zu kurbeln, das machte froh und glücklich. Man konnte den den schnurgeraden Küstenverlauf sehen, der typisch für die aquitanische Küste ist. Ganz in der Ferne zeichneten sich die Ausläufer der Bucht von Biscaya ab, genau diese Gestade wollten wir heute noch erreichen. Das Ziel sollte definitiv Spanien heißen.

Wir rissen uns von dem überwältigenden Anblick doch irgendwann los und rollten an der kleinen Küstenstraße immer weiter nach Süden. In Ondres machten wir noch eine Rast und aßen uns satt. Die Küste war ziemlich zugebaut, die Orte gingen ineinander über. In dem Gewirr aus Wohn- und Freiensiedlungen mit unzähligen Straßen verirrten wir uns immer wieder aufs Neue.

Um irgendwann noch mal anzukommen, nahmen wir nun die Haupstraße, die direkt in die Hauptstadt des französischen Baskenlandes nach Bayonne führte. Im Carrefour von Tarnos erfrischte Manu sich noch einmal an neuen Energy-Drinks und nun nahmen wir das städtische Chaos auf uns. Der Verkehr war mal wieder mörderisch für Radfahrer. Wir nutzten zweispurige Straßen, um schnell wieder aus der Stadt zu gelangen. Vom Ort selber sahen wir nichts. wir mussten aber mit Schrecken feststellen, dass die Städte Bayonne, Anglet und Biarritz eigentlich nahtlos ineinander übergehen. So hatten wir etwa 15km, also gut eine Stunde extremen Verkehrsstress.

Erst in der Innenstadt des schicken Biarritz konnten wir dann wieder etwas durchatmen. Der Ort war wunderschön, es gab kleine Gassen mit vielen Cafes und alten Gebäuden. Sehr schick, sehr mondän, aber es wirkte nicht abgehoben dort. Und immer wieder schimmert das blaue Meer irgendwo durch. An einem schönen Ausblick genossen wir die freie Sicht auf den Ozean. Mittlerweile konnte man die Konturen der spanischen Küste genauer ausmachen.

Und es gab jetzt einen offiziellen Küstenradweg, der zwar teilweise über immens steile Abschnitte führte (17% ), aber wenigstens abgekoppelt vom Straßenverkehr war. Einzelne Passagen verliefen natürlich immer wieder auf Straßenabschnitten, aber die waren nicht so stark befahren.

Und immer wieder gab es atemberaubende Spots, die einfach unbeschreiblich schön waren. Wir hielten so oft es ging an, um Fotos zu schießen oder einfach die Kulisse zu genießen.

Die nächste größere Stadt war St. Jean de Luz. ebenfalls ein entspannter und schöner Küstenort mit Hafen, Bars und Boutiquen. Hier verfuhren wir uns noch einmal, als wir die Radwegweiser übersahen, fanden aber schnell zum richtigen Weg zurück.

Spanien rückte wieder ein Stück näher. Der Weg führte uns nun an einer schönen Küstenstraße entlang die zwar hügelig, aber wunderschön war. Der letzte Ort in Frankreich war bald erreicht. Hendaye ist eigentlich nur ein Kaff mit Hafen, aber es zog und zog sich hin. Wir verfuhren uns im unübersichtlichen Yachthafen und der Weg endete diesmal an einem Wasserbecken.

Langsam verloren wir die Geduld. Wir fieberten den ganzen Tag Spanien entgegen und es wollte und wollte sich nicht zeigen.

Wir fuhren durch das ganze Gewirr der Becken und Hafenanlagen zurück und zogen weiter gegen Westen. Der Fluss Bidasoa bildet auch die natürliche Grenze zwischen den beiden Ländern und uns kam das Gewässer unüberwindbar vor. Wir sahen keine Möglichkeit darüber zu gelangen. Auf diesem Luftbild kann man sich in etwa ein Bild von dem großen Fluss machen. Wir waren zudem ganz schön fertig. Die vielen Steigungen, der Verkehr und natürlich der Wind am Atlantik hatten uns ganz schön Kraft gekostet.

Endlich sahen wir den Wegweiser nach Irun, der ersten größeren Stadt in Euskaria, dem spanischen Teil des Baskenlandes.

Um 20:45 erreichten wir endlich die lang ersehnte Grenze. Nach exakt 1300km. Jetzt ist wirklich ein wichtiger Teil der Reise geschafft. Wir waren im Zielland angekommen. Es war für unser Vorhaben wichtig, heute an diesem Tag auch Spanien zu erreichen.

Wir posten vor der ehemaligen Grenze auf einer alten Brücke herum und schossen Fotos. Wir stolz auf das Geleistet, aber vor allem froh heute noch angekommen zu sein. Wir klatschten ab und machtens uns auf die Suche nach einer Bleibe.

Gleich ein paar hundert Meter weiter fanden wir in der Pension Europa eine günstige und sauber Bleibe. Die Fahrräder nahmen wir mit hoch und wir steuerten noch einmal eine Tankstelle an um unsere neue Etappe mit kaltem San Miguel Cerveza anzustoßen.

Jetzt schickte ich erstmal in alle Welt SMS, dass wir es geschafft haben. Der einzigste Wermutstropfen war der Ausschlag auf meinen Armen. Ich bin heute wieder kurzärmelig gefahren, weil die Sonne durch den Atlantik-Wind gar nicht so stark spürbar war. Beide Unterarme waren wieder mit wassergefüllten Bläschen übersäht, die bei Kontakt platzten, aber nicht weh taten. Aber für heute war ich einfach zu platt um mir darüber noch Gedanken zu machen. Morgen ist auch noch ein Tag.

 

Tages-km:  125, 70 km              Gesamt-km: 1301,44 km               Fahrzeit: 07:34:28 h

Tageshöhenmeter:800 hm     Gesamthöhenmeter:8449 hm         höchst. Punkt: 77 m ü NN

Ø Steigung: 2 %                        max. Steigung: 17%                      Ø km/h    16,50 

 

Dienstag 22.04.2014                                                                     Tag 13

 

Wir hatten ausgeschlafen und sind erst 8:30 Uhr aufgestanden. Dann die Sachen zusammengpackt und im Hausflur noch kleine Reparauturn an den Rädern durchgeführt. 

In der benachbarten Bar haben wir ein Frühstück aus gerösteten Baguettes, kombiniert mit einer leckeren Salsa, dazu Käse, Kaffes und Orangensaft geordert. Wir saßen draußen unter einem kleinen Schirm. Der Wind war kühl und es regnete leicht, so dass wir uns schließlich ins Innere verzogen. 

Wir machten uns einen Plan wie wir die noch 10 verbleibenden Tage, heute miteingerechnet, am sinnvollsten kalkulieren könnten. Wir hätten von hier aus noch etwa 700 Radkilometer vor uns, wenn wir die Küstenroute nehmen. Das wären bei 9 Tagen Fahrzeit um die 80km pro Tag. Im Grunde problemlos machbar, dagegen sprachen jedoch das rauhe Wetter was momentan an der Küste herrschte.Es sollte Regen geben und kein Ende in Sicht. Außerdem interessierte uns vor allem der Camino Real, die traditionelle klassische Pilgerroute mit seinen ganzen Stationen und Städten. 

Letztendlich einigten wir uns darauf,  den Bahnhof in Donostia (San Sebastian) anzusteuern und nach Zügen zu schauun, die uns ein wenig weiter nach Westen bringen. So hatten wir die Möglichkeit, nicht nur auf dem Rad zu sitzen, sondern auch noch Land und Leute zu erfahren.

In Irun kauften wir noch Sticker mit dem spanischen Stier und vom Baskenland und wir fuhren mit der kleinen Regionalbahn günstig nach San Sebastian.

Wir stiegen nach der kurzen Fahrt mit den Rädern aus dem Zug und wollten in den Bahnhofsaufzug, um über die Gleise zu kommen. Der Aufzug war allerdings zu winzig, nicht einmal ein bepacktes Fahrrad passte hinein. So überquerten wir die Gleise an einer Stelle, die per Schild verboten war. Schon eilte die Security in Form eines eifrigen Mannes auf uns zu und schimpfte erst einmal auf spanisch los. Dabei sprach er immer wieder aufgeregt in sein Funkgerät.

Wir versuchten ihm zu erklären, dass das unsere einzigste Möglichkeit war, denn der Aufzug war zu klein und wir mussten in die Bahnhofshalle kommen. Irgendwann verstand er und beruhigte sich wieder. Trotzdem war er grummelig und beobachtete uns die ganze Zeit argwöhnisch aus den Augenwinkeln, während wir auf dem Bahnhof waren. 

Am kleinen Schalter in der Halle, bekam ich mit Hilfe meines rudimentären Spanischs und der Landkarte zwei Zugtickets, die uns nach Burgos in Kastillien-Leon bringen sollten.   Die Zugverbindung nach Santander zum Beispiel war sehr umständlich, weil es sich um ein Stadt in Kantabrien handelt und die unterschiedlichen Regionen in Spanien schlecht miteinander vernetzt sind. Außerdem würde diese Route in jedem Fall auch über Burgos führen. Wir bezahlten für alles zusammen 56€ und die Fahrt sollte etwa drei Stunden in die etwa 220km entfernte Stadt dauern.

Wir deckten uns noch ein bisschen mit Süßkram vom Bahnhof ein und wollten zum entsprechenden Bahnsteig wechseln. Schon kam wieder der Security Typ an. Wir zeigten ihm gleich die Tickets, damit er sehen konnte auf welches Gleis wir mussten. Somit lag die Verantwortung nun bei ihm. Sollte er das regeln. Tat er plötzlich auch recht freundlich. Er begleitet uns genau an die Stelle, die wir zuvor "illegal" überquert hatten und wünschte uns sogar noch eine gute Reise.

Der Zug kam pünktlich und wir hatten das ganze Abteil für uns. Diespanische Bahn, die RENFE nutzte für die Schnellstrecken Züge die dem französischen TGV ähneln. Unser Zug war in etwa das pendant zum ICE und wir genossen ganz gemütlich die Fahrt durchs verregnete Baskenland.Der Zug hielt nur an den größten Orten, wie der baskischen Haupstadt Vitoria-Gasteiz oder Miranda de Ebro.

Um 16:43Uhr stigen wir am ultramodernen Bahnhof Rosa de Lima aus. Der Regen hatte aufgehört aber es war kühl und sehr windig. Wir befanden uns auf 900m ü. NN. Ohne Anstrengung waren wir am somit am bisher höchten Punkt unserer Reise.

Wir rollten auf der breiten Einfallstraße in Richtung Stadt, denn der Bahnhof lag etwas abseits. Ein großer Carrefour kündigte sich an, da wolten wir unsere Vorräte auffrischen. Wir fuhren in das Parkhaus des riesigen Einkaufszentrums. Irgendwie war wenig los, es standen unverhältnismäßig wenig Autos in den Parkdecks. Wir schlossen die Räder ab und holten uns einen Einkaufswagen. In dem Moment kam der hauseigene Security Mitarbeiter an und meinte abwehrend hoy fiesta hoy fiesta! cerrado ! Bis wir kapiert hatten, dass heute ein Feiertag in Kastillien Leon ist und alles geschlossen hat, dauerte es allerdings noch ein wenig.

Wir lachten mit dem netten Kerl und bedankten uns und machten uns halt wieder auf die Socken. Die wenigen Kilometer in die Innenstadt waren angenehm, denn es ging gemächlich bergab. In der Touriinfo ließen wir uns neben einem Stempel auch Informationen über Hotels geben. Wir entschieden uns nach ein, zwei Alternativen für das kleine schicke Hotel Jacobea mitten in der Innenstadt. Es kostete uns 50€ +5 Frühstück. 

Heute war Sightseeing angesagt. Nachdem wir uns frisch gemacht und stadtfertig umgezogen hatten, schlenderten wir durch die schönen Gassen der alten Stadt. Wir gönnten uns Eis, deckten uns im Pelegrino-Shop mit Stickern und kleinen Souvenirs ein. Man merkte sofort dass wir nun auf dem Camino Real waren. Dass dieser so kommerzialisiert war, damit rechneten wir aber nicht. Überall sah man Jakobsmuscheln, Bars und Kneipen mit Offerten für Pilgermenüs und neue moderne Herbergen. Das hat uns im ersten Moment etwas überfordet, wir waren ja die ganze Zeit die einsamen Orte aus Frankreich ohne Pilgervekehr gewohnt. Überall sah man nun  Pilger jeglicher Cloleur stehen und gehen. Haupterkennungsmerkmal war die weiße große Jakobsmuschel, die irgendwo baumelte. dazu natürlich diverse Rucksäcke und Outdoor- und Wanderkleidung. Viele der Pilger waren im Gesicht gerötet, humpelten oder hatten andere Leiden. Jetzt waren wir mittendrin. Wir entschieden uns aber trotzdem dagegen, eine dieser Muscheln zu tragen, der typische Sticker gelbe Muschel auf blauem Grund, auf dem Fahrrad klebend, sollte genügen.

Weil Feiertag war, sah man überall herausgeputzte Spanier flanieren, die sich deutlich von der Pilgerschar abhoben. Wir gönnten uns Eis und stöberten in Buchläden und auf dem kleinen Flohmarkt in der Innenstadt. Dann stiegen wir zum Kastell hinauf, von wo man einen guten Rundumblick über Stadt und Umland hat. Mal zur Abwechslung "blos" zu laufen war eine angenehme Abwechslung zum steten Fahren bisher.

Die große Kathedrale hatte schon geschlossen, den Besuch hoben wir uns für den nächsten Morgen auf. Stattdessen setzten wir uns in eine gmütliche Bar, in der wir Bier und Rotwein tranken und per SMS unsere sozialen Kontakte pflegten.

Zurück auf dem großen Platz an der Kathedrale genossen wir das iluminierte Spektakel der ringsumstehenden Bauten und schossen viele Fotos. Schließlich kehrten wir zum Hotel zurück und im Foyer des Hotels lief gerade ein Chamions League Spiel, bei dem Bayern München gegen Real Madrid 0:1 verlor. Wir bekamen beim Vorbeilaufen nur "Scheiß Bayern" entgegengeblasen und somit verging uns sofort die  Lust dem Spiel beizuwohnen.

Auf dem Zimmer gönnten wir uns noch frisches Cerveza und gingen dann irgendwann schlafen.

 

Tages-km: 14,38 km              Gesamt-km: 1315,83 km               Fahrzeit: 01:23:26 h

Tageshöhenmeter:112 hm     Gesamthöhenmeter:8161 hm         höchst. Punkt: ca 900 m ü NN

Ø Steigung: 3 %                        max. Steigung: 14%                      Ø km/h    10,30 

 

 Mittwoch 23.04.2014                                                                     Tag 14

Heute sind wir nun schon zwei Wochen unterwegs. Um 8:00 sind wir aufgestanden und nach dem Packen zum vermeintlichen Frühstücksbuffet gegangen. Für ein Buffet war es etwas enttäuschend. Es gab Toast, Butter; Marmelade und süßes Gebäck, aber alles war abgezählt. Wir fragten, ob wir die Räder noch stehen lassen können, damit wir in die Kathedrale gehen können. Das war kein Problem. Um 09:10 standen wir vor dem Bauwerk, mussten aber noch 20Minuten herumkriegen. Die Tore öffnettenn sich erst um 09:30 Uhr. So sind wir unweit noch einen kräftigen Kaffee trinken gegangen. 

Wir mussten 3,50€ Eintritt zahlen, konnten unseren Pilgerpasss selbst stempeln und ich bekam einen nicht mehr zu stoppenden Lachanfall. Manu wollte seinen Eintritt bezahlen und ich habe keine Ahnung wo er überall Münzen einstecken hatte. Er wuselte an seinem Brustbeutel und an seinen Jacken herum und ständig klimperte Geld auf den Boden. kaum gebückt, um es aufzuheben klimperte neues Geld aus irgendeiner Tasche. Das ging so etwa 3min lang, sehr zur Belustigung des Kassenpersonals. Manu konnte keinen Schritt gehen, ohne das ihm schon wieder Geld aus den Taschen fiel. Herrlich

Irgendwann hatte er alles verstaut. Wir schlossen unsere Taschen im Schließfach ein und bekamen einen Audioguide in deutsch, der alle wichtigen Details im Inneren der Kirche erklärte.

Ich war etwas überfordert von dem Prunk und dem Reichtum, der dort angehäuft vorzufinden war. Wahrscheinlich war ein großer Teil geraubtes Inka- und Maja-Gold aus Südamerika. Interessant fand ich aber das Grab von El Cid und ein gemaltes Bild von Leonardo da Vinci.

Wir benötigten in etwa eine Stunde für die Besichtigung und gingen anschließend zurück zum Hotel um unsere Reise fortzusetzen.

Aus Burgos heraus brauchten wir nicht lang. Wir kauften noch ein paar Kleinigkeiten in einem kleinen Carrefour-Express.

Schon am Stadtrand fielen uns die vielen Pilger auf, die tapfer mit ihren Stöcken, mal alleine, mal zu zweit aber auch in Gruppen nach Westen marschierten. Oft riefen wir Ihnen ein Buen Camino entgegen und bekamen ebenso die Erwiederung. Aber bei der Flut der Pilger auf dem Weg ließen wir das schnell sein.

Nun waren wir also auf dem Camino Real. Der Wind begrüßte uns stark entgegenkommend und außerhalb der Stadt gab es dann auch nichts mehr,  was ihn aufhalten konnte. Der Himmel war bedeckt von dicken Regenwolken und wir hatten immer wieder Angst einen dicken kalten Regenguss abzubekommen.

Wir kamen echt langsam und mühsam voran. Wir fuhren auf der Landstraße. Sie war kaum befahren und teilweise schnurgerade bis zum Horizont. Es gab wenig Abwechslung.

Wir rasteten im winzigen Dörfchen Villasandino. Hier fanden wir einen kleinen Tante Emma Laden und bekamen Obst, Brot, Käse und Getränke bei einer netten alten Oma zu kaufen. Sie drehte uns frische Erdbeeren an, die wir gleich vor dem Laden verschlangen.

Wir fuhren weiter und es war echt mühsam bei dem Wind. Es ging bergauf und bergab, es fühlte sich aber wie permanent bergauf an. Durch die karge Landschaft und den stets pfeifenden Wind war man nur mit sich selbst beschäftigt. Man starrt vor sich hin und die Gedanken können einfach frei fließen. eigentlich ohne sich diesem Vorgang eigentlich bewusst zu sein. Vielleicht ist das eines der Geheimnisse des Pilgerweges. Hier haben die Leute wirklich mal Zeit zu sich zu kommen, es gibt kaum Ablenkung von außen und man beschäftigt sich zwangsläufig mit sich selbst.

Nach 20km mussten wir erneut eine Pause einlegen, weil es so anstrengend war. Nach der Pause trennten wir uns und jeder rollte allein für sich hin. Das war sehr angenehm. So konnte man noch mehr ohne Ablenkung fahren und die Gedanken schweifen lassen. Der wind war ohnehin zu laut um sich zu unterhalten.

Wir trafen uns in Osorno per Telefon wieder. Der Supermarkt beendete gerade seine Siesta (17Uhr) und wir kauften noch mal dort ein. Ich erstand ein interessantes Getränk in einer 1l Plastikflasche. Es nannte sich Chufas-Drink und war eine rein pflanzliche Milch aus Erdmandeln (Chufas) mit Schokogeschmack. Ein anfangs noch ungewohnter Geschmack. Aber aromatisch und sehr lecker.

Die letzten zwanzig Kilometer waren mörderisch. Ich hatte bisher noch niemals so starken Gegenwind gehabt. Er kam frontal und wehte richtig heftig in Böen. Ich wurde langsam sauer, weil ich mir noch nie so schwach und kraftlos auf dem Rad vorkam. Ich fuhr vorn und Manu in meinem Windschatten. Wir wechselten etwa immer im Zehnminutentakt. Irgendwann brüllte ich den Wind an. Ist das Alles!!? Mehr kannst du nicht?! Natürlich bekam ich für die sinnlose Kraftanstrengung sogleich meine Rechnung. Oben auf einer Bergkuppe angekommen, hatte der Wind nun gar kein Hindernis mehr. Er stürmte uns entgegen. Wir wollten 20km fahren bis nach Carrion de los Condes. Diese Distanz fühlte sich so heftig an, damit hätte ich nie und nimmer gerechnet. Wir kamen nach fast 2h endlich in dem Örtchen an und ich war weitaus fertiger als bei den Fahrten über das Central Massif letzte Woche.

In einem kleinen gemütlichen Hostal quartierten wir uns ein. Zum ersten Mal waren die Preise sehr moderat Für 28€ bekamen wir ein sauberes und großes Zimmer. Nur leider gab es keine Möglichkeiten, unsere Wäsche waschen zu lassen, die sich langsam wieder häufte.

Wir gönnten uns Cerveza und Omelette Espagna zum Abendessen und ich war fix und fertig in nullkommanix eingeschlafen. Mein erstes Resumee: Der Camino Real ist also ziemlich anstrengend.

 

Tages-km: 89,28 km              Gesamt-km: 1405,11 km               Fahrzeit: 06:12:35 h

Tageshöhenmeter:531 hm     Gesamthöhenmeter: 8692 hm         höchst. Punkt:  950 m ü NN

Ø Steigung: 1 %                        max. Steigung: 6 %                      Ø km/h   14,30 

 

 

19Februar
2015

Camino de Santiago 2014 V

Tag 15                                                                                Donnerstag 25.04.2014

 Aufstehen war heute erst um 8:30 Uhr. Danach haben wir unsere Sachen gepackt. Frühstück gabs diesmal keines. Wir sind in die Bar gegangen, die direkt gegenüber lag und haben dort zwei heiße Kaffees für je 1€ getrunken. Um 10:00 Uhr fuhren wir dann los.

Wieder waren viele Pilger unterwegs. Auf der einsamen Landstraße überholten wir zwei Radfahrer die mit reisetauglichen Spezialised-Mountainbikes unterwegs waren. Offenbar waren das Vater und Sohn.

Neben der Straße gab es ein Hinweisschild auf den Camino und wir wechselten auf den Wanderweg. Hier überholten wir im Minutentakt Wanderpilger. Lustigerweise kam uns auch mal einer entgegengepilgert. 

Die Strecke führte weiterhin durch das öde Land der Meseta. Wir fuhren ungefähr 17km, und hatten dabei gute Gespräche. Dann kam ein kleiner Ort namens Ledigos. Eingangs gab es gleich eine kleine Bar, vor der einige besetzte und ein freier Tisch standen. Wir hielten und wollten jetzt endlich etwas frühstücken. Die Barfrau sprach Englisch und wir bestellten bei ihr Rührei mit Käse und Brot, dazu kalte Coke. Die Kneipe war eigentlich nur voll von Pilgern. Man hörte sämtliche Sprachen. Auffällig war, dass der Durchschnitt der Pilger noch ziemlich jung war. Damit meine ich alle Leute so zwischen 18 und 35 Jahren, also uns eingeschlossen. Wir frühstückten gerade gemütlich in der Sonne, da kamen auch die beiden Radfahrer, die wir vorher überholten vorbeigefahren. 

Nachdem wir gestärkt waren fuhren wir wieder einige Kilometer auf der Straße weiter. Es ging hügelig auf und ab und der Ausblick war wunderschön. Rechts von uns in der Ferne  erhob sich die Bergkette der Picos de Europa mit ihren weißen Gipfeln. Eine schöne Kulisse, das Wetter war noch recht stabil und der Wind hielt sich heute auch in Grenzen.

Plötzlich hielt Manu an, weil wieder die Luft aus seinem Reifen gewichen war. Diesmal betraf es das Vorderrad. meine Theorie war immer noch die, dass er sich einen Splitter eingefahren hatte, der klein war und sich immer nach und nach durch die dicke Gummischicht bohrte. Er hatte ja seit Frankreich den vormals hinteren Mantel jetzt vorn drauf. 

So kamen wir nicht weiter ohne alle uns verbleibenden Schläuche zu verschleißen. Wir wollten jetzt das Pannespray benutzen, welches wir für den Notfall dabei hatten. Man nimmt das kleine Sprayfläschen mit Ventilaufsatz und schraubt diesen auf das Ventil des Fahrrads. Dann drückt man ab und entleert eine Art klebenden, selbsthärtenden Schaum komplett mit Druckluft in den Schlauch hinein. Man muss das Rad 2 Minuten drehen, damit sich die Pampe im Schlauch verteilen kann und gleich alle Löcher verschließt. Dann noch den gewünschten Druck nachpumpen und das wars. Der Schaum, so hofften wir, macht es unmöglich, dass der Splitter sich erneut durchdrücken kann.. Als wir die Prozedur gerade beendet hatten, hielt ein PKW und drei junge Leute riefen uns zu Fiesta!, Party!, Vino!! und zeigten aufgeregt auf eine kleine Kapelle mitten im Feld. Dort führte ein völlig zugestopfter Feldweg entlang, auf der die Autos dicht an dicht standen und auch noch weitere hin und her fahren wollten. Es entstand ein unbeschreibliches Chaos. Die Autofahrer hupten und brüllten sich an, weil keiner so richtig wusste, wie er Platz machen sollte. Selbst wir hatten keinen Platz mit unseren Fahrrädern und standen im Stau fest.

Nach gut 15min hatte sich der schlimmste Knoten aufgelöst und wir konnten vorbeischieben. Rund um die kleine Kapelle Ermida da Virgem da Ponte gab es Musik, Essen und Trinken. Es war eine Feier zu Ehren der regionalen Schutzheiligen. Wir schauten uns das Innere der Kapelle an und bekamen an einem Stand draußen jeder ein großes Weißbrot und ein mächtiges Stück Käse in die Hand gedrückt. Wir aßen gemütlich, die Musik spielte und die alten Damen tanzten. Wir unterhielten uns kurz mit anderen Pilgern aus dem Perigord und schließlich nahmen wir wieder weiter Kurs auf Sahagún.

In einem kleinen Supermercado deckten wir uns mit Erdbeeren(Fresas), Orangen (Naranjas) Platanas (Bananen), Käse (Queso) und Wasser (Agua) ein. Als wir den Ort verließen, begleitete uns ein paar Kilometer lang, ein einheimischer Radfahrer, der mächtig Gas gab und uns irgendwann überholte und schließlich am Horizont verschwand.

Wir folgten den gelben Pfeilen auf der Straße, die den Camino anzeigten und kamen etwa 8km über Schotterwege in einen winzigen Ort namens Calzadilla de los Hermanillos. Dort gab es außer einer Herberge eigentlich nichts weiter.

Wir wollten dort einen Stempel holen und klopften an der Tür. Niemand öffnete. wir versuchten es noch einmal. Nichts Keine Reaktion. Wir probierten es an der Tür und schauten in einen Flur.Nach einem lauten Hola! wieder keine Reaktion. Plötzlich kam eine Pilgerin an und fragte uns ob hier offen sei. Wir sagten ja, offen schon, nur scheint hier keiner zu sein. Sie ging hinein und kam nicht wieder. Wir ließen es beliebn und fuhren weiter, denn wir wollten heute schon noch bis nach Leon kommen.

Die Straße aus dem Ort heraus endete nach 3km an einer Kreuzung. Links und rechts lang führte eine aphaltierte Route, geradeaus ging der unasphaltierte Camino, genau in die Himmelsrichtung, in die wir auch wollten. Für den entschieden wir uns auch. Zunächst war die Wegbeschaffenheit ganz passabel, jedoch nach etwa 2km wurde der Weg zunehmend schlechter. Es gab große Schlaglöcher und große Steine. Mit dieser Kombination ließ es sich sehr schlecht fahren. Wir kämpften uns tapfer Kilometer für Kilometer vowärts. Es gab keine Anhaltspunkte weit und breit zu sehen. Lediglich eine Bahnstrecke führte in größerem Abstand parallel zu unserem Weg entlang. Nach vielleicht 10km auf dieser Piste kreuzte sich der Weg an besagter Bahnstrecke mit einem anderen Weg, der auch ins Nichts zu führen schien. Wir sahen auch keine weiteren Schilder oder Wegsteine wie sonst, die verraten konnten ,dass wir uns noch auf dem Camino befanden. Der Himmel zog sich mit dunklen Wolken zu und ein kühler Wind frischte auf. Ich schmiss das Navi an, vielleicht zeigte es uns wenigstens wo wir waren. Fehlanzeige. Es zeigte sowohl 35 km Luftlinie in Richtung Sahagun als auch in Richtung Leon an. Nur dass es uns keine Route berechnen konnte, denn es gab keine. 

Wir entschieden uns einfach in die Richtung weiter zu fahren, Umkehren wäre sinnlos bei diesem Weg gewesen. Die Wegbeschaffenheit wurde noch schlechter. Ich fuhr mit allerhöchster Konzentration und wirklich sehr langsam. Hier in der Einöde wollte ich unbedingt einen Speichenbruch vermeiden.Da hatte ich noch die uangenehme Erinnerung an letztes Jahr in Ungarn im Kopf. Damit wäre ich hier ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Der Reiseführer nennt diesen Abschnitt des Jakobsweges Ohnebaumland, (el pais sin arbols) weil es hier wirklich nichts gibt. Der Weg ist lang, eintönig und beschwerlich. Wir sahen bisher keinen einzigen Pilger. Diesen Abschnitt kürzen sehr viele Pilger mit dem Zug ab, wenige wollen ihn laufen. Wir fuhren ihn aber, wenn auch sehr langsam und mühsam.

In der Ferne sahen wir plötzlich einen kleinen Punkt, der sich bewegte. Wir kamen ihm langsam näher und es war ein einsamer Pilger. Wir waren froh, uns doch auf dem richtigen Weg zu wissen.

Wir grüßetn ihn und überholten. Nach weiteren 2km kam plötzlich eine kleine Landstraße. Unsere Fahrräder hatten die Piste wohlbehalten überstanden. Die Speichen waren heile und auch die Luft ihn Manus Schlauch schien jetzt zu halten. Wir waren heilfroh und klatschten ab. Kurze Pinkelpause, was trinken und dann steuerten wir auf den Ort zu, der etwa zwei Kilomter vor uns lag. Die zurückgelegte Strecke auf dem Weg war nicht länger als 18km gewesen, uns kam er vor wie 50.

Nun fing es auch an zu tröpfeln. Wir suchten uns im Zentrum von Mansilla de las Mulas ein kleines Dach, unter dem wir trocken unsere Rast machen konnten. Wir aßen hungrig unsere Vorräte und plötzlich kam der Pilger angelaufen, den wir auf der Piste überholt hatten.

Wir unterhielten uns zunächst auf Englisch, aber es stellte sich schnell heraus, dass er deutsch sprach. er kam aus Österreich. Wir plauderten ein wenig, da kamen 2 Spanier, die aus Valencia waren, angelaufen, Sie wollten uns unbedingt fotografieren. Sie sammelten Fotos von Pilgern aus verschiedenen Ländern und zeigten uns ganz stolz welche sie schon hatten. Wir ließen uns fotografieren und hatten viel Spaß. Dann zogen sie weiter. Der Österreicher wollte sich eine Unterkunft suchen und verschwand auch. Ich entdeckte einen Münzfernsprecher und nutzte die Chance gleich, daheim meine Frau anzurufen. Für etwa 4 € konnten wir gut eine Viertelstunde miteinander reden. Danach war ich sehr glücklich, denn ich vermisste sie schon sehr arg.

Es hatte sich mittlerweile eingeregnet und wir hatten noch etwa 18km Straße bis Leon vor uns. Wir zogen die Regenklamotten an und fuhren die Strecke in ziemlich kurzer Zeit mit ordentlich Tempo. Hier war die Straße natürlich wieder sehr stark befahren, wir näherten uns einer größeren Stadt.

Zufälligerweise zeigte der Kilometerstand just am Ortseingangsschild von Leon 1500km. Wir kamen schnell in die Innenstadt und steuerten nun mit Hilfe des Navis ein empfohlenes Hotel aus Manus Lonely Planet an. Das erwies sich als relativ günstig inmitten des Zentrums. Leider konnten wir unsere Räder nur in den abschließbaren Hof stellen, wo sie die ganze Nacht dem Regen ausgesetzt waren.

Ich fertigte das Prozedere am Empfang als erstes ab und ging schon mal hoch aufs Zimmer. Ich hängte die nassen Klamotten zum Trocknen auf und  packte die benötigten Klamotten für den Abend aus. Ich wunderte mich, wo Manu blieb. Ich schaute in den Gang und hörte wie er sich ein paar Mal entschuldigte. Er ist vollbepackt mit seinen Fahrradtaschen ins falsche Zimmer einmarschiert. Dort war eine ältere Dame zunächst entsetzt und erschrocken, aber dann doch ziemlich relaxt.

Nach dem Duschen haben wir uns stadtfein gemacht und sind durch die belebten Straßen der Leoner Altstadt geschlendert. Trotz des Regens waren überall Menschen unterwegs. Wir gingen in eine Bar und bestellten Bier und Rioja (Rotwein aus Nordspanien). Dazu bekamen wir kostenlos Tapas gereicht. Meist waren das grüne Oliven, Erdnüsse und andere kleine Snacks. Wir bestellten noch einmal nach und bekamen dazu auch unsere Tapas wieder. So sparten wir uns das Abendessen, denn es gab genug zum snacken.

Wir verließen die Bar und hielten Ausschau nach einer zweiten Location. Als wir draußen standen und noch überlegten, in welche Richtung wir uns wenden sollten, kam der Kellner raus und übergab mir meinen VDO Fahrradcomputer, den ich auf dem Tisch vergessen hatte. Ich war ihm sehr dankbar, denn das Teil kostete nicht nur gut Geld, dergrößere Verlust wäre es gewesen, wenn alle Daten weg gewesen wären. Der Bikecomputer ist unterwegs eine gute Hilfe, die Entfernungen zwischen Orten abzuschätzen, die Temperatur abzulesen und die Höhenmeter zu kennen.

Wir gingen in eine weitere ansprechende Bar und ließen es uns hier auch gut gehen. Es kam ein Wein und BIer nach dem anderen. Es lief richtig gut rein. Der DJ spielte die ganze Zeit Nancy Sinatra mit ihren unzähligen Hits und es herrschte eine sehr gute Stimmung. Nachdem meine 40€ die ich eingesteckt hatte, aufgebraucht waren, traten wir den Rückweg an.

Wir fanden den Weg nicht sofort zum Hotel, sondern irrten noch gut angeheitert durch die verregnete Nacht. Schließlich landeten wir wieder im Hotel und ich fiel ins Bett und war dank des Weines sofort eingeschlafen.

Tages-km: 97,92 km              Gesamt-km: 1503,03 km               Fahrzeit: 06:47:06 h

Tageshöhenmeter:530 hm     Gesamthöhenmeter: 9222 hm       höchst. Punkt:  924 m ü NN

Ø Steigung: 1 %                        max. Steigung: 10 %                      Ø km/h   14,40 

 

 Tag 16                                                                                Freitag 26.04.2014

 

Katerstimmung. Ich bin gegen neun Uhr aufgewacht und hätte noch stundenlang weiter schlafen können. Draußen regnete es, die Welt sah grau und trist aus und der Kopf dröhnte vom Vorabend. Ich hatte einen ausgetrockneten Mund und ich war mies drauf und unendlich langsam.

Manu war schon längerere Zeit wach, er lechzte nach einem heißen Kaffee. Während ich mich irgendwann doch aus der Koje schälte und duschen ging, machte er sich bereits auf den Weg um in der Stadt ein Cafe zu finden.

Ich brauchte ewig zum packen und fertig machen und fand schließlich doch noch den Weg raus aus dem Hotel, hin zur Kathedrale. Dort wollte ich mich Manu treffen. Auf dem großen Platz vor der Kathedrale sprach mich eine Frau mittleren Alters, offenbar Pilgerin an, ein Foto von ihr vor der Kathedrale zu machen. Sie hatte die gleiche Kamera wie ich, deswegen klappte das ganz gut. Sie bedankte sich und ging zu ihrem Fahrrad, bei dem ihr Mann wartete. Ich sprach die beiden noch einmal an nach dem woher und wohin, das übliche halt. Sie stammten aus Polen. Sie fuhren in zwei Tagen mit dem Auto von Krakau bis Burgos und von dort dann mit dem Rad auf dem Camino. Wir tauschten noch ein paar Floskeln aus, da kam schon Manu angelaufen. 

Er hatte gerade eine merkwürdige Begegnung mit einem bettelnden Deutschen, der ihm irgendeine absonderliche Geschichte auftischte. Er sei wegen einer Art Anfall auf dem Jakobsweg gestrandet und hat dann daheim alles aufgegeben. Und für diese Story wollte er ne Menge Geld haben. Mit einem oder zwei Euro wollte er sich auf gar Fall zufrieden geben, lieber fünf oder eher gleich zwanzig.Manu war die ausgefallene Story dann aber doch ein paar Münzen wert.

Wir zahlten 5€ Eintritt für die Kathedrale und schauten sie uns etwa 45min an. Ich verlor schnell die Geduld und das Interesse, denn ein Kaffee hätte mir jetzt auch besser getan. Ich unterbrach die Besichtigung und setzte mich in eine nahe Bar. Manu schickte ich eine SMS wo ich bin und ich bestellte mir ein Viertel- Omelette-Espagna, Kaffee und einen frisch gepressten Orangensaft, der das Beste war, was es in diesem Moment nur hätte geben können. Manu kam kurz drauf hinzu und frühstückte mit. 

Jetzt fühlte ich mich langsam wie ein Mensch, nur der Dauerregen störte mich und ich hatte keine rechte Lust auf Radeln. ich wäre am liebsten noch einen Tag in der Stadt versackt nur zum herumlungern.

Wir rafften uns aber auf, gingen in das kleine angegliederte Kloster neben der Kapelle und holten uns unseren Stempel ab. Zurück im Hotel checkten wir aus, bepackten die Bikes und fuhren in unserer Regenkleidung komplett abgedichtet los. In einem kleinen Carrefour kauften wir noch mal ein und folgten schließlich endlich der Beschilderung in Richtung Astorga.

Die Route führte über eine vielbefahrene mehrspurige Straße und wurde auf den nächsten Kilometern als sehr gefährlich eingestuft. Mehrer Hinweisschilder deuteten das immer wieder an.

Wir hatten sogar unseren Regenschutz über die Helme gezogen. Ich war wirklich unleidig an diesem Tag. Ich hasse es, zu schwitzen, ohne das Luft an mich gelangt. Genau das passiert jedes Mal bei der Regenkleidung. Sie kann noch so atmungsaktiv sein laut Hersteller, bei mir Starkschwitzer kommen die Fasern mit Feuchtigkeit abgeben nie hinterher. Da es schön hügelig war, wurde es dementsprechend warm. Bäh.

Wir hielten an einer ehemaligen Tankstelle, die leer und verlassen und zertrümmert vor sich hinrottete. Hier machten wir eine Pinkelpause und Manu zog sich eine Dose Monster-Energydrink rein. Ich schälte mich aus den Klamotten, denn es war zwar stark bewölkt und tropfte gelegentlich, aber der Dauerregen war erst mal vorbei.

Genau 35km hinter Leon machten wir dann eine weitere Essenspause. Ich trank die ganze Zeit Wasser und so verkroch sich der Kater schließlich. Wir hatten jetzt die Hälfte zwischen Leon und Astorga geschafft, als der Wind so stark und böig wehte, dass es uns bei der Pause sogar die schweren Fahrräder umschmiss. Es gab Windspitzen, die stoppten uns fast beim Fahren. Wir mussten höllisch aufpassen, dass wir beim Fahren nicht von so einer starken Böe auf die Fahrbahn geschoben werden und am Ende noch ein Auto oder gar LKW kommt. Wir kamen nur im Schneckentempo voran. Der Wind vor zwei Tagen war hiergegen ein laues Lüftchen.

Wir waren überglücklich, wenn ab und zu eine Reihe Bäume oder hohe Hecken am Wegesrand standen, die den Wind etwas ausbremsen konnten. Endlich kamen wir an eine Stelle, an der der Camino die alte Straße übernommen hatte. Hier ging es mit dem Wind. Der Weg führte bergauf. 

Mein Handy piepte und ich musste mich erst mal kurz setzen, als ich die eingehende SMS las. Es war wirklich Ironie des Schicksals. Während ich hier schon fast drei Wochen permanent auf dem Rad saß, hatte meine Frau heute morgen ausgerechnet einen Fahrradunfall! Sie ist beim Fahren von den Pedalen abgerutscht, hat die Kontrolle über das Rad verloren und ist in einer Unterführung gegen eine Wand gedonnert. Zum Glück waren hilfsbereite Leute in der Nähe. Sie hatte sich die Nase gebrochen und die Schneidezähne angeschlagen, die noch Wochen lang schmerzten und empfindlich waren. Wahrscheinlich kam noch eine kleine Gehirnerschütterung dazu, die aber nicht diagnostiziert wurde. Als die SMS kam, war sie schon wieder daheim. Sie konnte nicht viel tun, ihr war schwummrig und sie konnte nur Brei und püriertes Essen zu sich nehmen. Sie hat sich die Nase im Krankenhaus richten lassen, damit diese nicht schief zusammenwächst. Jetzt trug sie einen Nasengips :(

Ich hatte die darauffolgende Zeit ein schlechtes Gewissen. Ich wär am liebsten heim zu ihr geflogen, um sie zu unterstützen. Ich war weit weg und konnte nicht helfen. Sie beruhigte mich, dass jetzt alles okay war und ich sowieso nicht viel helfen könne. Das war mir ein schwacher Trost. Das musste ich alles erst mal verdauen.

Ich telefonierte etwa 20Minuten mit ihr, um die Lage halbwegs einzuschätzen und als sie mir mehrmals versicherte, dass sie nicht wolle, dass ich heim komme, beruhigte ich mich langsam auch wieder. Ich war heilfroh, dass nicht mehr passiert war. 

Ich besprach schließlich mit Manu die Sitaution und er unterstützte mich, egal wie ich mich entscheiden würde. Ich kam langsam wieder etwas runter von der Anspannung und dem kleinen Schock.

Manu wollte in der Zeit sein neu erworbenes Getränk testen, Bitter Kas genannt. Er trank ein paar Schlucke und verzog dabei ganz fies sein Gesicht. Das alkohlfreie Getränk schmeckte süß-bitter und ist wirklich nicht jedemanns Sache.Ich übernahm bereitwillig die Dose, denn ich stehe voll auf das Getränk, was bei mir mir bei jedem Spanienbesuch dazu gehört.

Wir fuhren schließlich weiter. Auf einer Bergkuppe, eigentlich einem kleinen Pass, kamen wir plötzlich an eine Art Rastplatz mit mehreren hohen Kreuzen und einem schönen Blick auf Astorga und die umliegenden Berge.

Wir rasteten hier noch einmal ausgiebig und machten schöne Fotos von der Kulisse. zu unseren Füßen konnte man schon die nahe Stadt sehen, rechter HAnd weiterhin die Gipfel der Picos de Europa und geradeaus hinter der Stadt das kantabrische Gebirge über das wir dann morgen drüber müssen.

Fortsetzung folgt............