Reiseblog

10Mai
2013

Fahrradtour 2013 Teil 1 Österreich - Slowakei - Ungarn

Den Auftakt des Blog macht die Beschreibung der Fahrradreise mit meinem Kumpel Manuel. Wir haben im April und Mai 2013 einige Länder durchstreift, viele interessante Erlebnisse geteilt und sehr viel gesehen. Wir sind mit zwei 28 Zoll Campus Trekkingrädern aufgebrochen. Viel Spaß beim Lesen unserer Erlebnisse.

 

28.04.2013 Start am Bahnhof in MannheimTag1 Passau (D)- Wesenufer (A)

  Am 28.04.2013 starteten wir unsere Radtour. Wir, das sind Manuel und ich. Manuel ist einer meiner engsten Freunde. Er arbeitet in der gleichen Einrichtung wie ich und wir sind bereits durch gemeinsame Radtouren und Urlaube reiseerprobt. Wir hatten vor, die Donau ab Passau entlangzuradeln bis nach Apatin im Norden Serbiens.Hier mündet die Drau in die Donau. Von dort wollen wir flussaufwärts der Drau bis ins slowenische Maribor folgen.

Aber los ging es erst einmal früh morgens um 07:00 Uhr am Mannheimer Hauptbahnhof bei gerade 7C°. Es lagen gemütliche drei Stunden Zugfahrt vor uns. Die Bahn rollte über Stuttgart, Göppingen und die Geislinger Steige hinauf über Ulm bis zum Münchner HBF. Wir hatten Platz und Ruhe im ersten Zug   Zugfahrt  und saßen anschließend gegen 10 Uhr auch schon im Regionalzug nach Passau. Dieser wiederum war sehr eng, das Fahrradabteil war zu klein für unsere zwei Bikes, so stellte ich meins an die zum Glück außer Betrieb gestellte, defekte Toiltettentür. Die Fahrt dauerte 2h 15 min und war auch recht kurzweilig. Nebenan wurde ein völlig betrunkener Schwarzfahrer erwischt, der zwar brav seine Strafe zahlte aber dann trotzdem völlig orientierungslos an irgendeinem Dorfbahnhof ausstieg.

 Passau Yeah!  Um 12:45 erreichten wir das bewölkte Passau und die Temperatur hatte sich auf 14 Grad C° verdoppelt. Immerhin. Wir rollten in Richtung Altstadt/Donau und schlossen unsere Räder an einem zentralen Platz an. Wir wollten noch ein bisschen die Altstadt anschauen und eine Kleinigkeit essen gehen. Es war um diese Jahreszeit nicht viel los und so konnten wir in Ruhe den historischen Kern und die Mündung der beiden Flüsse Inn und Ilz in die Donau anschauen. Der grüne Inn führt aus den Alpen doppelt soviel Wasser und ist somit auch größer und breiter wie die blaue Donau, allerdings hat diese den Namenswettbewerb gewonnen, weil sie einfach mehr Laufkilometer seit ihrer Quelle vorweisen kann wie der Inn. Das kleine Flüsschen Ilz dagegen hat sehr dunkles Wasser und wirkt recht unscheinbar, gegen die beiden großen Gewässer.

Drei-Flüsse Stadt Passau

Wir kauften uns einen Sticker der Stadt Passau zur weiteren Dekoration unserer Räder und setzten uns draußen in der Nähe der Donau in einen Biergarten, um mit einen Salat und einem Bier dazu, auf den Start der Tour anzustoßen.

Gegen 15 Uhr fuhren wir dann also endlich stromabwärts Richtung Österreich. Der Radweg führte anfangs noch an der B388 entlang. Aber es störte nicht viel Autoverkehr. Der Radweg war gut ausgebaut und eben und vor allem hervorragend ausgeschildert und das sollte bis nach Ungarn auch so bleiben Das Wetter wurde zunehmend besser und

schließlich empfing uns Österreich mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir fuhren gemütlich an der träge vor sich hinfließenden Donau entlang, passierten Engelhartszell und ein großes Wehr und kamen am frühen Abend schließlich in Wesenufer an. Wir hatten hier eine kleine Pension vorgebucht und die erste Etappe endete am Rande des Ortes, natürlich mit einer 10% Steigung hoch zur Pension. Wir luden unsere Sachen aufs Zimmer und liefen noch einmal in das winzige Dorf zurück, um in einer Wirtschaft zu Abend zu essen. Ich bestellte flambierten Kaiserschmarrn mit Marille (grandios!) und Manu checkte die Bärlauchknödel, welche er ebenfalls als sehr gut empfand. Abends, zurück in der Pension,  gab es noch ein Zipfer-Pils auf der Dachterasse, wobei uns der Wirt plötzlich erschreckte, als er ungehört und ungesehen plötzlich neben uns stand und fragend schon fast brüllte, ob alles in Ordnung sei.

Er hatte einen zackigen und lauten Ton an sich und gab mit diesem auch etwas befehlsmäßig seiner wahrscheinlich 35 Jahre jüngeren südostasiatischen Ehefrau Aufforderungen und Befehle, die sie stets brav ausführte.  

Tages-km: 42,97         gesamt-km: 42,97         tages-hm: 120,4     gesamt-hm: 120,4

 

 

Tag 2:    29.04.2013

Wesenufer - Donauschlinge Schlögen -Linz - Mauthausen- Ybbs- Marbach

Wir standen schon um 7:00 Uhr auf und machten uns über das leckere Frühstücksbuffet her. Bis wir allerdings die Räder bepackt hatten, unsere Sachen sortiert hatten und startklar waren, zeigte die Uhr dann doch 08:35 Uhr. Der Radweg zwischen Wesenufer und Schlögener Schlinge war gesperrt und so mussten wir auf die hügelige Landstraße ausweichen. Bei einer schönen langen Abfahrt verlor ich plötzlich meine kopierten Landkarten aus meiner Lenkertasche und die losen Blätter flogen über die Straße. Glücklicherweise waren aber gerade Straßenbauarbeiter zur Stelle, die die Blätter einsammelten und mir inklusive einer starken Bierfahne überreichten. Wir erreichten endlich die Schlögener Schlinge. Diese ist eine Flussschlinge im oberen Donautal in Oberösterreich. Der Fluss bahnte sich im Durchbruchstal zwischen Passau und Linz seinen Weg durch das böhmische Massiv. An der Schlinge wendet die Donau in einer engen Kehre um 180 Grad von südöstlicher auf nordwestliche Laufrichtung, anschließend verläuft der Fluss wieder weiter Richtung Osten.Das obere Donautal wird oft als der schönste und ursprünglichste Abschnitt der Donau beschrieben, obwohl sie hier nicht frei fließt, sondern durch mehrere Donaukraftwerke gezähmt wurde. Leider sind diese Kraftwerke nicht nur optisch eine Belastung für den Fluss. Wir bemerkten allerdings positiv, dass an den Ufern künstliche Kiessandbänke aufgeschüttet wurden, an denen wieder eine ursprüngliche Flusslandschaft entstehen konnte. Die Fahrt war wunderschön, da bis Aschach kaum Bebauung steht und wir an der bewaldeten Donau fast 20km entlangfahren konnten ohne einem Menschen zu begegnen. In Aschach kamen wir dann wieder in der "Zivilisation" an, dort machte sich gleich eine geruchsintensive Ölmühle bemerkbar und ab hier ging es durch flaches Land weiter Richtung Linz. Wir machten Halt an einem Rastplatz und lasen gemütlich bei unserer Jause die dort aufgestellte Tafel. Hier war die Sage vom "Raubritter Mangold" aufgeschrieben, der in dieser Gegend sein Unwesen trieb.

(Hier ist die Sage nachzulesen)

 http://www.donausteig.com/de/4-02-2748569/detail/ein_echter_tunichtgut.html

Wir passierten ein weiteres großes Wehr und erreichten mit sehr gutem Timing die Kettenfähre hinüber nach Ottensheim. Der Fährmann, ein alter Seebär erzählte uns wo die Männer und die Frauen die meiste Kraft haben und lachte über seine eigenen Witze.

 .

Auf der linken Donauseite angekommen fuhren wir teilweise hügelige 12km und erreichten um 12:30 Uhr die Stadt Linz .

Linz Zentrum Linz.

Wir schlossen die Räder ab und schlenderten durch die schöne Innenstadt. Die Landeshauptstadt von Oberösterreich emping uns freundlich und man merkte ihr die fast 200.000 Einwohner auf den ersten Blick nicht an. Die Stadt machte einen beschaulich-gemütlichen Eindruck auf uns. Die Altstadt besteht aus schönen alten Häusern und gemütlichen Läden.

  Mozarthaus in Linz.  Ein Muss war natürlich hier die Originale Linzer Torte zu probieren. Wir suchten uns einen gemütlichen kleinen Bäckerladen und fanden das  Feingebäck, welches nur wenig mit der in Deutschland bekannten Linzertorte zu tun hat. In der Nähe des großen Domes ließen wir uns die Spezialität schmecken.

   echte Linzertorte Anschließend besichtigten wir die Kirche.  Linzer Dom Auch von Linz besorgten wir uns wieder einen Sticker für das Rad und stärkten uns noch einmal bevor es weiter ging, mit einem frischen Salat und Glasnudeln verstärkt von einem guten Gösser Naturradler Lachend

Jause 

Gegen 14:30 Uhr fuhren wir dann weiter, entlang der schönen Donauauen von Linz. Auf der rechten Donauseite erschienen jedoch so langsam die Ausläufer der Industriegebiete von Linz mit Kraftwerken, Raffinerien usw. die das Bild zumindest optisch erst einmal wieder trübten.

Wir kamen gut voran und passierten schöne kleine Ortschaften. Zwischendrin konnte man immer einen Blick auf die Donau erhaschen. Plötzlich überholte uns ein Belgier auf einem Rennrad welches reisetauglich gemacht wurde. Er fuhr gut und gerne 25-30km/h während wir mit durchschnittlich 18-20km/h hinterherhechelten. Er sollte uns später noch einmal begegnen.

Wir waren ziemlich begeistert von der SPAR-Supermarktkette in Österreich. Die Filialien  hatte viele frische Salate und einiges leckeres und brauchbares für uns im Sortiment, da wir uns rein vegetarisch ernähren. Manuels Hauptanliegen waren Müsliriegel und Energydrinks, meine waren Wasser, Cola und kleine fertige Cappuchinos und ich entdeckte u.a. den leckeren Indianerbohnen-Chili Aufstrich in der Kühltheke. Wir kamen voll auf unsere Kosten.

Wir  erreichten Mauthausen, welches traurige Berühmtheit  erlangte als größtes österreichisches Konzentrationslager in der Zeit  des Nationalsozialismus.

Nach 110 gefahrenen Kilometern rasteten wir an einem Hochsitz, denn wir hatten jetzt das Strudengau erreicht. Dies ist eine Region und Kulturlandschaft, die sich im Osten von Oberösterreich und im Westen von Niederösterreich befindet.

Strudengau Blick vom Hochsitz

Das war in etwa auch so das gewünschte Tagesziel. Wir palaverten und einigten uns schließlich doch noch ein paar km am frühen Abend zu radeln, weil es so gut lief an dem Tag. Das es dann doch noch einmal gut 45 km werden sollten, ahnten wir natürlich nicht. Der Radweg führte nun wieder direkt am Fluss entlang und einige Tafeln an den Felsen huldigten dem Kaiser, der damals die Felsen im Fluss wegsprengen ließ und so eine sichere Schifffahrt ermöglichte.

Nach insgesamt über 150km kamen wir schließlich ziemlich platt im kleinen beschaulichen Marbach zu Füßen von Maria Taferl an und fanden auch schnell eine gemütliche Pension mit netten älteren Wirtsleuten.

Wir waren echt ziemlich fertig und beschlossen den Tag nach der Dusche nur noch im nahen Bootsrestauarant bei einem üppigen Salat und blaufränkischem Rotwein ausklingen zu lassen.

Salat mit Pinienkernen und Schafkäse.

Tages-km: 155,70  gesamt-km: 198,67        Tageshm: 247  Gesamt-hm: 367 hm

Durchschnitsgeschwindigkeit. 18,8 km/h       Fahrzeit 08:16h

 

 

Tag 3: Marbach - Melk - Dürnstein- Krems- Traismauer- Tulln

30.04.2013

Wir standen gemütlich um 08:00 Uhr auf und starteten bei einem gemütlichen Frühstück mit hausgemachter Traubenmarmelade und Kaffee. Der Wirt erzählte uns vom Nibelungengau, in dem wir uns nun bereits befanden. Wir erfreuten ihn, als wir wiederum berichteten, dass wir in der Nähe von Worms und von gleich mehreren (!)Siegfriedbrunnen im Odenwald wohnen. In der Kurpfalz und der Umgebung beginnt schließlich die Nibelungensage. Hagen von Tronje warf ja bekanntlich den Schatz der Nibelungen bei Worms in den Rhein, zumindest zeugt das dort stehende Denkmal von dem Ereignis.

 Pension in Marbach 

Das Prunkstück dieser Gegend ist die Wallfahrtskirche Maria Taferl, die mir auch ein Freund sehr empfohlen hat. Somit beginnen wir den Tag mit dem Aufstieg zur Wallfahrtskirche, welcher zu Fuß in etwa 3km bergan führt und erst durch Wohngebiete, dann durch lichten Wald und schließlich über einen Bußweg aus Treppen führt. Wir durften die Räder in der Pension stehen lassen und machten uns an den teilweise ziemlich steilen Aufstieg, der auch einen Teil des österreichischen Jakobsweges darstellt.

Aufstieg nach Maria Taferl Weg zu Maria Taferl Wallfahrtskirche Maria Taferl

 Wir kamen schnell ins Schwitzen und erreichten nach ca 35min die schöne Kirche, die sich harmonisch und unaufdringlich in das Landschaftsbild einfügt.Wir sahen uns im prächtigen Innern um und bestaunten den schön gestalteten Innenraum. Manu wollte mir deutlich machen, dass gleich die Messe beginnt, aber ich überhörte ihn und kapierte nicht gleich,was er meinte. Plötzlich standen die anwesenden Besucher auf und es begann der Gottesdienst. 

Maria Taferl Gottesdienst. Wir wollten natürlich nicht unhöflich sein und die Zeremonie stören und nahmen etwa 20min ebenfalls mit daran teil. Ich kannte katholische Gottesdienste noch gar nicht, da ich im protestantischen Thüringen aufgewachsen bin, aber Manu war mit den Abläufen vertraut, die den deutschen Ritualen und Kirchenliedern sehr ähnelten. Denn er stammt vom Bodensee und ist katholisch geprägt. Der Pfarrer hielt eine unseres Erachtens recht gute Predigt. Schließlich nutzten wir die sich bietende Gelegenheit und schlossen uns anderen Besuchern an, die die Kirche gerade verließen.

Wir genossen darußen noch etwas die Aussicht von dem hohen Ausblick  und ich kaufte im Shop mir bis dato noch unbekanntes, österreichisches Mohnöl als kleines Mitbringsel. Später zu Hause stellte sich heraus, dass es einen angenehm milden und nussigen Geschmack besitzt und sich hervorragend für grüne und bunte Salate eignet. Den Abstieg schafften wir in weniger als 30min.

Blick über das Nibelungengau

Die Fahrräder hatten wir etwa 11:30 Uhr startklar und so fuhren wir die folgenden 20km bis nach Melk. Der Gegenwind war an dem Vormittag sehr stark und machte uns zu schaffen, wir kamen nicht gut vorwärts.

Am frühen Nachmittag erreichten wir dann endlich Melk mit seinem berühmten Stift und somit auch das Tor zur Wachau. In der Innenstadt rasteten wir und Manu trank einen Kaffee. Ich probierte das Marilleneis...

  Stift Melk Melk Innenstadt... und beide waren wir begeistert.  Wir mussten nun einige Höhenmeter bewältigen bevor es wieder bergab über die große Donaubrücke von Melk ging. Nun hatten wir endlich die vielgerühmte Wachau erreicht.

Diese schöne Gegend in Österreich empfing uns etwas diesig, aber mit angenehmen Temperaturen. Die Kultur und Naturlandschaft wurde im Jahre 2000 ins UNESCO- Weltkulturerbe aufgenommen. Sie zeichnet sich aus, durch das enge Donautal, steile Weinberge, alte Burgen und Dörfer mit Natursteinarchitektur. Wir fuhren nun bewusst etwas langsamer und saugten die Eindrücke regelrecht in uns auf.

  Wachau Wachau Wachau Wachau Wachau Dürnstein in der Wachau   

Schließlich machten wir eine ausgiebige Jause in dem Städtchen Dürnstein. Hier soll der Sage nach Richard Löwenherz von England auf dem Rückweg von einem seiner Kreuzzüge gefangen gehalten worden sein, bevor er heimlich auf die Burg Trifels in der Pfalz "verlegt" wurde.

Das mittelalterliche Städtchen war sehr gemütlich, es gab viel alte Bausubstanz und der Tourismus war zwar recht stark vorhanden, wurde aber mit seinen Shops und Restaurants dezent in die alte gemütliche Stadt integriert. Ich genoß ein Glas grünen Veltiner, den guten weißen Hauswein der Wachau. So konnte es leicht beschwingt weiter gehen. :)

Manu bei der Jause                   grüner Veltiner                        Prost

So gelangten wir schließlich in das Städtchen Krems Dieses markiert leider auch schon das Ende der Wachau. Wir fuhren durch das kleine alte Städtchen und mangels Schilder und bestaunens der Altstadt verfuhren uns hier zum ersten Mal ein wenig.

Stadttor von Krems.   Fahrradfahrer in Krems Wir suchten etwas herum und natürlich fanden wir kurz darauf auch wieder den Weg zurück zur Donau und rollten auf einem Damm durch flaches und ebenes Land nun zügig dahin. Auch in Österreich ist der 1.Mai ein Feiertag, deswegen wollten wir all unsere Vorräte für den kommenden Tag noch einmal auffüllen und einen Supermarkt finden. Wir fragten einheimische Spaziergänger nach der nächsten Einkaufsmöglichkeit und mussten dafür erst einmal wieder unseren Donauradweg verlassen und kamen so nach Traismauer in der Nähe von St. Pölten. Wir waren glücklich wieder einen SPAR -Markt gefunden zu haben und deckten uns mit dem Nötigsten und mit allerlei Unötigem ein. Wir verfuhren uns ein zweites Mal, als wir aus dem Ort zurück wollten und schafften es dann doch irgendwie wieder zur Donau zu finden, wir orientierten uns letztlich immer am Flüsschen Trais, der irgendwann in die Donau mündet.

Unser erklärtes Tagesziel war Tulln an der Donau. Auf dem Donaudamm entdeckten wir .  ein Reptil hat sich gesonnt und ist nun aufgeschreckt

 ein Reptil, aber es war zu schnell weg um es zu bestimmen.

 Am Abend gegen 20:00 errichten wir das Blumenstädtchen. Tulln hat diesen Beinamen, denn der Ort ist sehr grün und kreuz und quer von Blumenrabatten durchzogen. Wir quartierten uns in der modernen, aber fast leeren Jugendherberge "Marc Aurel" ein. Dort gab es Internet und Manu konnte seine Erlebnisse im Internet teilen und Neuigkeiten erfahren u.a die Geburt der Tochter eines unserer frühen Radmitreisenden Jan. Wir stießen mit Zipfer und Gösser auf das Ereignis an und fielen irgendwann ins Doppelstockbett.

Tages-km: 111.05 km   Gesamt-km: 309,72 km Tages-249hm: Gesamt -hm: 616hm

Fahrzeit: 06:46:53       Durchschnitsgeschwindigkeit 16,30km/h:

 

1.Mai 2013  Tag 4

Tulln (A) - Wien (A) - Bratislava (SK)- Mosonmagyarovar (H)

Wir standen wieder um acht Uhr auf und waren die einzigsten Gäste im großen Speisesaal der Jugendherberge. Nachdem wir uns gut satt gegessen hatten, wischte Manuel vorbildlich den Tisch und wir beluden unsere Fahrräder, die im extra dafür vorgesehenen Fahrradschuppen standen. Ich bemerkte, dass mir jetzt ein Spanngurt fehlte mit dem ich zusätzliches Gepäck am Rad sicherte, zum Glück hatte ich einen zweiten dabei und konnte den Verlust verschmerzen.

Beim Start hörte ich ein leichtes Klingen am Hinterrad. Ich hielt an und sah, dass eine Speiche gebrochen war. An Ersatzspeichen hatte natürlich niemand gedacht. Ich zwackte die Speiche mit der Zange ab und hoffte, dass es so ohne Zwischenfälle weiter gehen konnte. Dies wird sich später als Trugschluss herausstellen. Leider kostete das alles wertvolle  Zeit und so ließen wir das vom Architekten  Hundertwasser gestaltete Hausboot aus, welches in Tulln zur Besichtigung liegt, denn wir wollten ja heute wenigstens noch etwas von Wien sehen. Bis in die Hauptstadt waren es knapp 40km und je näher wir der Stadt kamen, desto voller mit Radfahrern wurde der Radweg.

Die Sonne schien schön warm, wir konnten die Jacken ausziehen und im T-Shirt fahren. Wir erreichten nach gut 2h die Donauinsel, die nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich ist. Man spürte, dass Feiertag war. Ganz Wien schien sich heute sportlich zu betätigen, überall waren Leute am grillen, entspannen, sonnen, skaten, Rad fahren und Wetter genießen.

An einer der zahlreichen Brücken, die die Donauinsel mit der Innenstadt verbinden, wollten wir uns schließlich Richtung Zentrum wenden. Ich stellte das Rad ab und sondierte die Lage. Als ich zurück kam, hatte Manu an seinem Mundwinkel einige Bläschen entdeckt, nachdem er seinen Mund in meinem Fahrradspiegel eingehend untersucht hatte. Dies sah nach einem schmerzhaften und unangenehmen Herpes aus. Leider bricht bei Manu auf größeren Touren oder andauernden langen körperlichen Belastungen hin und wieder das Virus aus. Das hatte er schon vor zwei Jahren auf der Radtour von Danzig nach Helsinki durchmachen müssen. Also als erstes eine Apotheke finden um eine Creme zu kaufen, die die Ausbreitung wenigstens verhindert und das Jucken erträglich macht.

Doch zunächst gönnten wir uns nach den ersten 50km des Tages, erst einmal eine Rast bei Kaffee und Sacherstückchen in einem Wiener Cafe

Sacherstückchen in Wien 

Nach der Pause suchten wir weiter den Weg in die Innenstadt. Wir kamen zum Wiener Prater, dem großen Vergnügungspark, bei dem heute scheinbar halb Wien auch Vergnügen suchte. 

Wiener Prater

Es war unheimlich anstrengend bei den vielen Menschenmassen per Pedes durch die Stadt zu gelangen. Wir fragten uns durch und fanden den Weg in die Innenstadt schließlich und was noch wichtiger war, eine offene Bereitschaftsapotheke für Manu. Er besorgte sich nach längerem Warten seine Creme und wollte dann gern auch noch etwas von Wien sehen. So fuhren wir klingelnd und fluchend durch die Touristenströme hindurch.

Wien  Innenstadt von Wien Manu hat seine Creme City of Vienna Viaka in wien

Wir hatten recht schnell die Nase voll von der überfüllten Stadt und ich war bald richtig genervt von den Massen und dem dauernden Stop and Go. Wir durchquerten ein wenig die Wiener Innenstadt, bis zum Stephansdom schafften wir es aufgrund der Menschenmassen aber leider nicht. Schließlich suchten wir wieder den Rückweg. Leider war wenig Beschilderung für Radfahrer vorhanden, teilweise fehlte sie völlig. So versuchten wir per Himmelsrichtungsbestimmung wieder zur Donau zu gelangen. Schließlich fanden wir den Donauradweg wieder und pausierten dort angekommen erst einmal zufrieden im Grünen.

Wir rollten weiter und erreichten recht schnell die am Donauradweg liegenden großen Raffinerien der OMV, der größten östereichischen Mineralölgesellschaft. Der Weg führte quer durch das riesige stinkende Gelände. Nun fuhren wir immer schnurgerade ca 25km auf dem Donaudamm entlang. Wir waren mitten im Nationalpark - Donauauen, nur vom Fluss sahen wir leider nichts. Die Strecke war recht eintönig und monoton und ermöglichte regelrecht meditatives Fahren. Jeder fuhr sein eigenes Tempo und versank in seinen Gedanken und irgendwann merkten wir, dass wir einen riesigen Abstand hatten.

Die Sonne schien ziemlich stark an dem Tag und ich hatte ordentlich Sonnenbrand am rechten Unterarm und Ellbogengelenk bekommen. Ich schützte die Stelle mit einem Tuch, aber sie feuerte ordentlich bei der Berührung. Ich hatte kein Bepanthen oder etwas ähnlich linderndes zur Hand und überlegte wie ich die gerötete Haut beruhigen könnte. Im Essbeutel hatte ich noch ein Glas Kokosöl dabei, welches ich eigentlich als Butterersatz auf Reisen nutze. Es ist geruchsneutral und normalerweise recht fest bei Zimmertemperatur. Ich schmierte mir das durch die Hitze verflüssigte Öl auf die roten Stellen. Es wurde sofort von der gereizten Haut regelrecht aufgesaugt und verschaffte aber auch tatsächlich schnell Linderung und Beruhigung auf der krebsroten Haut. Es wurde so schnell von der Haut aufgenommen, das ich in den nächsten Stunden noch mehrmals nachölen musste. Ein tolles Mittel, welches ich zu diesem Zweck fortan gern wieder auf Radreisen einpacken werde, man muss eben aufpassen, wenn man dann seine Kleidung berührt, denn durch das Öl entstehen natürlich große Fettflecken.

Wir waren jetzt bereits 25km vor Bratislava und fanden zum Glück noch einen gemütlichen Gasthof. Hier stürzten wir jeder einen halben Liter eiskalten Almdudler hinter und gönnten uns einen frischen Salat.

Wir kamen der slowakischen Grenze immer näher und schließlich sahen wir die Thebener Pforte, den Durchbruch der Donau durch die Ausläufer der Ostalpen rechts und den kleinen Karpaten links der Donau. Diese natürliche Pforte bedeutete auch den Abschied vom schönen Österreich. Wir waren gespannt was uns dahinter alles erwarten würde.

  Thebener Pforte

Gegen 18 Uhr passierten wir schließlich die Grenze zur Slowakei. Der Radweg führte uns über einen Hügel Richtung Innenstadt, vorbei an Bunkern aus der Zeit des eisernen Vorhangs.  

slowakische Grenze Bunkerwelt

Die Stadt war schnell erreicht und wir sahen den Regierungssitz, Teile der Innenstadt und die sogennante "UFO Brücke", die über die Autobahn Richtung Wien und Budapest führt. Bei früheren Autofahrten war mir das seltsame Konstrukt bereits schon einige Male aufgefallen.

die sogenannte  Regierungssitz der Slowakei   

Wir kamen jetzt recht zügig voran und hatten im Grunde auch sehr schnell wieder die Stadt hinter uns gelassen. Nach dem Gewusel in Wien hatten wir heute auch keine Lust mehr auf eine zweite Hauptstadt und so sahen wir es ziemlich gelassen, dass Bratislava auch nur noch im rückspiegel zu sehen war. Obwohl es ja auch nicht alle Tage vorkommt, dass man an einem Tag zwei Hauptstädte mit dem Rad erreicht.

Nun "tankten" wir noch einmal an einer Tankstelle auf, kauften eine Straßenkarte für Ungarn und tranken das slowakische und kultige Koffeingetränk Kofola. Bevor uns die aggressiven Mücken hier am Rande der Donau endgültig zerfressen konnten, brachen wir auf, zur finalen Etappe dieses Tages.

Rast an der slowakischen Tanke 

Das diese aber noch scheinbar endlos werden würden, ahnten wir in dem Moment natürlich nicht. Wir rollten erst einmal wieder weiter auf dem Donaudamm Richtung Osten. Leider war die Beschilderung mittlerweile mehr als spärlich und so fuhren wir einfach nach Gefühl weiter.

Die Donau teilt sich hinter Bratislava in einen Arm, der auf slowakischer Seite fließt und einen der auf ungarischer Seite fließt. Wir sind immer auf der rechten Seite geblieben.

Nach gut 20km Donaudamm mit vielen Inlinern und Radfahren im Gegenverkehr, kamen wir tatsächlich an die sehr unscheinbare Staatsgrenze zwischen Ungarn und der Slowakei. Nur ein kleines Schild machte uns bewusst dass wir nun schon in Ungarn waren.

Juhu! Drei Staaten an einem Tag mit dem Rad. Nicht schlecht!

Ich schaltete das Navi ein, damit wir im nächsten Ort eine Unterkunft finden können. Es zeigte mir im etwa 7km entfernten Rajka das einzigste Hotel im Ort an. Schließlich wurde es langsam dunkel und vor allem Manu war heute ziemlich fertig. Dies lag nicht zuletzt an der zusätzlichen Belastung durch seinen Herpes. Wir steuerten das Hotel an und.. Überraschung.. es existierte nicht mehr.

Ich fragte mit einem Mix aus deutsch und englisch eine Imbissbesitzerin neben dem ehemaligen Hotel nach einer Unterkunft. Sie verwies auf die Stadt Mosonmagyarovar, welche noch einmal etwa 18km, also eine Stunde entfernt lag. Manu war ziemlich verzweifelt, weil es mittlerweile schon dunkel war und er befürchtete, heute abend nichts mehr zu finden. Zur allergrößten Not hatten wir ja noch unsere Zelte und Schlafsäcke dabei, aber das wollte er nur im allergrößten Notfall nutzen, zumal die Mücken einige Kilometer vorher sehr zahlreich und aggressiv waren. Ich unterhielt ihn einfach die ganze Zeit während der Fahrt und so fraßen wir die letzten Kilometer.

Irgendwann erreichten wir tatsächlich die kleine Stadt, die nur aus Zahnarztpraxen zu bestehen schien. Wir erfuhren, dass hier das Geschäft florierte, denn viel Österreicher lassen sich hier günstig die Zähne sanieren.

Wir fanden ein Hotel, aber hier kostete die Nacht über 90€!! Unmöglich. Also weiter suchen. In einer Nebengasse fanden wir eine kleine gemütliche Pension, in der tatsächlich noch ein DZ frei war und deren Besitzer ein wenig deutsch sprach. Manu war überglücklich und wir bezogen schnell das Zimmer, duschten und Manu wollte nicht mehr mal ein Bier trinken. Das tat ich dann stellvertretend, denn nach diesem Tag war es mehr als verdient,allein wegen der ganzen ausgeschwitzten Mineralien, hier schön auf dem T-Shirt zu erkennen. Zwinkernd

Salzrand .

 

Tageskm: 156,42 km    gesamt-km: 466,14km   Tages-hm: 183 gesamt-hm: 799hm

Fahrzeit: 08:48:37 h  Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,70km/h

 

 

Tag 5 +6                         02./03. 05. 2013

 

Mosonmagyarovar-Györ-Komarom- Esztergom-Budapest

 Der Wecker klingelte um 08:00Uhr und wir waren nach gut 9h Schlaf immer noch ziemlich platt vom Vortag. Die Stimmung war nicht wirklich gut heute morgen, Manu hatte eine SMS von seiner Freundin bekommen, die er nicht verstand und auf deren Rückantwort er schon eine Weile wartete, außerdem begann sein Herpes am Mund zu schmerzen. Und zu guter Letzt regnete es auch noch und die Wolken am Himmel hingen grau und schwer herab.

Wir packten soweit zusammen und wollten gerade zum Frühstück gehen, doch wir konnten unser Zimmer nicht mehr verlassen. Die Türklinke ließ sich zwar herunter drücken, aber sie griff nicht ins Türschloss und die Tür ließ sich nicht öffnen. Der Schlüssel steckte noch von außen im Schloss. Gestern hatte niemand mehr von uns daran gedacht zuzuschließen und somit überhaupt den Schlüssel zu vermissen. Jetzt waren wir eingesperrt und kamen nicht aus unserem Zimmer heraus. Wir probierten sie zu öffnen, riefen und klopften abwechselnd und versuchten uns bemerkbar zu machen. Jedoch bekam niemand etwas mit. Das Fenster war klein und führte nur in einen lichtlosen Hinterhof. Auch dort war keiner zu sehen. Das einzigste was wir tun konnten, war so lang zu rufen bis es irgendein Gast oder das Personal mitbekommt. Das besserte unsere Laune natürlich nicht.

Endlich hatte ein deutscher Gast Erbarmen. Er schloss von außen auf und wir waren frei :) Wir dankten ihm und gingen gemeinsam zum Frühstück.

Es gab allerlei leckere Dinge und unsere Laune besserte sich merklich, denn auch Manus SMS-Rätsel wurde aufgelöst. Ich wollte gern den Zeitdruck etwas herausnehmen und Manu etwas entlasten. Ich hatte mich im Vorfeld bei der Planung verkalkuliert, denn wir müssten theoretisch an diesem Abend noch bis nach Budapest kommen. Bis in die Hauptstadt sind es aber noch mehr als 160km. Das wäre für diesen Tag einfach zu viel geworden, so erkundigte ich mich bei der Rezeptionistin nach dem Bahnhof, während Manu sein restliches Gepäck verstaute. Ich wollte ihm den Vorschlag noch schmackhaft machen, denn Manu ist sehr ehrgeizig und will alles aus eigener Kraft schaffen. Zug fahren würde nur im äußersten Notfall in Frage kommen. Wir einigten uns schließlich, dass wir wenigstens mal beim Bahnhof vorbeischauen wollten und nachfragen wie die Zugverbindungen ausschauen.

Um 9:00 waren wir startklar und fuhren zum Bahnhof, der etwa 6km weiter in Richtung Györ lag. Dort angekommen, schlossen wir die Räder an und erkundigten uns nach Zügen Richtung Osten. Wir hatten Glück, in genau 3min fuhr ein Zug in Richtung Györ und dann weiter nach Esztergom. wir wurden uns blitzschnell einig, dass wir den Zug nehmen, Jetzt musste alles sehr schnell gehen. Ich kaufte die Tickets, verstaute meine Wertsachen, während Manu schon begann die Räder abzuschließen. Die Ticketverkäuferin drängte zur Eile und hielt uns die Tür zum Bahnsteig auf. Wir mussten aber mit unseren bepackten Rädern erst einmal durch die schmale Tür der Bahnhofshalle kommen. Manu hielt die Tür auf, ich schob Rad eins hinein, stellte es ab, dann kam ebenso Rad zwei an die Reihe. Die Bahnhofsfrau hielt derweil den Zug auf. Wir beeilten uns und rannten mit den Rädern zum Zug. Schließlich hievten wir die schweren Bikes hinein und saßen endlich im Abteil. Jetzt waren wir doch ganz froh, es so schnell geschafft zu haben und den Zug als Alternative gewählt zu haben.

in der ungarischen Eisenbahn

Es nieselte draußen und wir kamen unseren Ziel ein wenig schneller näher. Die Fahrt nach Györ ging recht schnell und wir stiegen dort am Bahnhof in den Zug nach Komarom um. Diese Fahrt ging auch fix und kurz nach 11 Uhr standen wir am Bahnsteig jener Stadt an der Donau, deren eine Hälfte slowakisch - (Komaro), die andere Hälfte Ungarisch ist. Wir hatten etwa 80km eingespart und konnten jetzt wieder weiter an der Donau entlang fahren, um Esztergom zu besuchen .

 

Es hatte aufgehört zu regnen. Wir entdeckten sofort einen großen Markt der britischen Kette TESCO und Manu ging zuerst einkaufen. Ich wartete draußen auf ihn. Hier wirkte  es bereits etwas osteuropäischer, es gab viele schlicht gekleidete Menschen, ältere Autos, darunter viele Ostmarken wie Ladas und auch Trabbis oder Wartburgs.

Manu benötigte ein Weilchen, denn der Markt war groß und unübersichtlich. Wir wollten aber auch nicht gemeinsam rein gehen, denn draußen standen einige seltsame Gestalten, bei denen ich unsere Räder nicht unaufbesichtigt stehen lassen wollte. Dazu haben wir vor zwei Jahren in Riga Lehrgeld zahlen müssen, als uns mitten in der Stadt fast das Navi gestohlen worden wäre.

Nachdem ich auch meinen Einkauf fertig hatte (es gab Quarkriegel, ähnlich wie im Baltikum) fuhren wir schließlich los. Der Donauradweg war hier nur noch ganz selten ausgeschildert und führte ohnehin meist über Landstaßen. Wir fuhren nun etwa 50km über hügelige Landstraßen in Richtung der alten ungarischen Hauptstadt Esztergom, deren berühmtes Ekennungszeichen eine riesige Kapelle ist, die über der Donau thront. Das Wahrzeichen ist die große Kuppel der Kathedrale.

Als wir kurz vor der Stadt waren, überholte uns plötzlich wieder unser belgischer Rennradler, dem wir kurz hinter Linz schon einmal begegneten. Er fuhr grußlos an uns vorbei und raste wieder einmal davon.

Ich kam an diesem Tag schlecht vorwärts, irgendwie fehlte die Power der letzten Tage. An einer großen Kreuzung sahen wir unseren Belgier erneut, diesmal machte er eine Pause um etwas zu essen. Also doch nur ein Mensch :) Diesmal überholten wir ihn und noch einmal ist er uns auf der Reise nicht begegnet.

Wir rollten in die Stadt ein und die Kuppel der großen Kapelle wies uns den Weg. Das eindrucksvolle Gebäude war auf einem Bergsporn erbaut und so konnten wir einen ordentlichen Anstieg hochkurbeln. Jener hatte sich aber gelohnt, denn nun thronte das riesige Bauwerk majestätisch über uns und lockte mit seiner goldenen Kuppel und den großen Portalen, näher zu kommen.

Kathedrale von Esztergom Kathedrale inside majestätisch perfekte Geometrie

Wir rasteten aber zunächst erst einmal an der alten Mauer über der Donau, teilten uns aber den Platz mit einer Schiffsladung voller Donaukreuzfahrer. Wir blickten über den Fluss hinüber auf die slowakische Seite.

Esztergom

Manu schraubte seine gekaufte grüne Flasche Mineralwasser auf, setzte an, und...spuckte und fluchte plötzlich. Er setzte noch mal an und er spuckte und fluchte noch mehr. Er hatte zwei Flaschen stark salziges und hoch mineralisiertes Wasser erwischt, welches bei Durst pur absolut ungenießbar war. Es schmeckte in etwa wie lauwarmes Mittelmeerwasser, sehr salzig und regelrecht brechreizfördernd.

Ich glaube es fehlte nicht viel und Manu flippte fast aus, als dann noch neben der Kapelle ein als Hofnarr verkleideter junger Mann mit seiner Querflöte auftauchte und mittelalterliche Weisen zum Besten gab und dafür natürlich Geld wollte. Ich fand diese gesamte Situation jedoch zum Brüllen komisch, ließ es mir natürlich nur bedingt anmerken.

Wir schlossen die Räder bei dem Hofnarr ab und besuchten die Kathedrale. Das Innere war wirklich beeindruckend, wir liefen herum und schauten uns alles an, dann setzten wir uns auf die Bänke um durchzuatmen und etwas herunterzukommen. Nachdem wir etwas geruht und die stille Amosphäre eingesaugt hatten, wurde es auch schon wieder langsam Zeit aufzubrechen.

Wir hatten zwei Möglichkeiten nach Budapest zu kommen. Es gibt einen längeren aber auch landschaftlich schöneren Weg am sogenannten Donauknie entlang. Dieser ist bergig und etwa 70km lang. Die andere Möglichkeit war quer über die Landstraßen zu fahren, ebenfalls bergig, aber nur 42km lang, dafür aber stark befahren. Da es schon nachmittag war, entschieden wir uns für die zweite Alternative. Wir hielten in der Stadt nochmal am Coop- Markt, damit Manu endlich gutes trinbares Wasser und einen Energybooster kaufen konnte.

Wir verließen Esztergom und schon begannen die Hügel. Sie waren eigentlich erträglich, hatten um die 4-7% Steigung, aber ich kam nur schlecht voran. Manu war die meiste Zeit voraus. Die Straße war sehr stark befahren und der Lärm und die Abgase der Pkws und vor allem Lkws machten keinen Spaß. Außerdem zog sich der Himmel langsam zu, es sah nach Gewitter aus.

20Km weiter, kurz vor dem Gipfel der letzten Steigung, machten wir noch einmal Rast an einem Aldi und kauften ein. Daraufhin war es nicht mehr weit und es ging endlich auf ebener Strecke weiter. Plötzlich wurde der Himmel regelrecht schwarz und ein starker Wind kam auf. Wir hielten an der nächsten überdachten Bushaltestelle an, um uns unterzustellen. Keine Minute zu spät, denn dann krachten gleich von drei Seiten gleichzeitig die Gewitter los. Das Inferno dauerte etwa eine halbe Stunde und zog über die nahen Berge weiter.

Das Gewitter zieht auf dunkel wie in der Nacht Regenwand Blitze noch mehr Blitze

Die leuchtenden Warnwesten wurden angezogen und wir fuhren bei leichtem Regen wieder weiter. Es war wirklich infernalisch. Der wind blies stark und in heftigen Böen von der Seite. Mein vorderes Licht war ausgefallen, die Autos fuhren dicht an uns vorbei, wir wurden nass gespritzt, die Sicht war schlecht und es wurde durch die Nässe ziemlich kalt. Dann sprang noch meine Kette herunter und zu allem Übel flog kurz darauf noch meine Straßenkarte  aus der Tasche und war dahin. Zum Glück hatten wir noch das Navi. Ich hielt in einer Hand das Gerät und versuchte mit dem Verkehr auf der Hauptstraße mitzuschwimmen, denn Radwege gab es nicht oder nur unzureichend. Endlich erreichten wir das Ortsschild von Budapest.

Wir mussten nun noch etwa 10km durch die Stadt fahren, um zu unserem Hotel zu gelangen. Der Regen war mal mehr mal weniger stark und es war bereits dunkel. Irgendwann erreichten wir erleichtert und erschöpft unsere Unterkunft.

Es war mit knapp 50€ pro Nacht noch relativ günstig für die Stadt, dafür lag es auch ein paar Kilometer weg von der Donau und dem Zentrum. Wir checkten ein, der Mensch an der Rezeption war dabei wenig hilfreich. Das Hotel hatte keine Möglichkeiten die Fahrräder irgendwo einzuschließen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die Bikes mit auf unser ohnehin schon kleines Zimmer zu nehmen.

Räder im Hotelzimmer

Das Zimmer war enttäuschend, denn im Bad stank es gewaltig nach Schimmel und das kleine Doppelbett übertrug jede Bewegung und verstärkte sie auf der anderen Bettseite. Wenn ich ein Bein bewegte, hatte Manu das Gefühl, ich drehe mich springend auf dem Bett herum.Trotzdem waren wir froh, endlich angekommen zu sein. wir packten unsere Klamotten aus und zogen uns um, dann liefen im Regen noch mal zur nächsten Tanke, kauften Snacks und Bier und genossen zurückgekommen, diese Goodies beim Aufwärmen und Trocknen. Durch das Wackelelbett konnten wir beide nur schlecht schlafen. Leider hatten wir nicht viele Fotos an dem Tag gemacht.

Fahrradfahrer! meidet das Hotel Fabius in Budapest.

Tages-km: 113,21 Gesamt-km: 579,35 Tages-hm: 418 Gesamt-hm:1118

 

Fahrzeit: 06:49:41 Durchschnittskm/h: 16,5