Reiseblog

10Mai
2013

Fahrradtour 2013 Teil 2 Ungarn - Serbien - Kroatien

03.05.2013 Budapest

Als Manu morgens versucht leise aufzustehen weckt er mich versehentlich mit. Schuld ist dieses Bett, welche alle Bewegungen verstärkt. Ich bin nörglig und will noch schlafen. Manu macht sich fertig und geht schon zum Frühstück. Ich lasse mir Zeit und komme irgendwann nach. Das Frühstück ist sehr dürftig. Es liegt eine Packung Toast herum, etwas Margarine und Plastikmarmeladen. Den Cappuchino muss man extra zahlen. Ich werde noch nörgliger.

Wir schnappen uns die unbepackten Räder, welch eine Wohltat, und wollen in die Stadt fahren. Ich merke dass mein Hinterrad nicht rund läuft. Ich bocke es auf und trete in die Pedale. Es dreht sich eine dreiviertel Umdrehung und plötzlich hängt der Reifen am Rahmen. Ich habe einen mörderischen Achter drin. Das passiert also wenn man eine gebrochene Speiche ignoriert und 200km weiter fährt. Unter diesen Umständen ist eine Weiterfahrt mit Gepäck unmöglich. Jetzt weiß ich auch, warum ich solche Probleme gestern beim Fahren der Hügel hatte.

Ich bin echt am Boden und sehe schon den Urlaub hier enden. Aber Manu baut mich wieder auf, mit dem einfachen aber genialen Vorschlag, eine Fahrradwerkstatt zu suchen.

Budapest Budapest

Zuerst fuhren wir in die Innenstadt um Geld zu wechseln und dann gleich nach einer Fahrradwerkstatt zu fragen. Wir fanden eine gute Wechselstube und kauften auch gleich wieder die Sticker fürs Rad und Postkarten. Ich sprach junge Passanten nach einem Bike-Laden an und nicht weit weg befand sich tatsächlich ein solcher. Nur hatte der Besitzer leider im Augenblick zu viele Reparaturen und konnte keinen Auftrag mehr annehmen. Er empfahl uns aber einen weiteren Laden, zwei Straßen weiter. Ich frage dort nach und der Monteur war sehr hilfsbereit. Er sagte: "Lass das Bike hier er tut was er kann, ich soll in zwei Stunden wieder kommen, vielleicht ist das Bike dann fertig."

Wir hatten Hunger und suchten in der Nähe eine ansprechende Location in einem Hinterhof auf. Dort bestellten wir überteuertes Designeressen und werden von der Bedienung schräg angeschaut, als wir nach Kronkorken fragten, die ich ja sammele. Die Speisen ließen lang auf sich warten, sind lecker, aber dafür winzig.

Meine Frau machte mir indess per SMS ebenfalls Mut und versprach aus der Ferne, dass alles gut wird. Oh wie ich sie in dem Moment vermisste.

Nach dem Essen schlenderten wir noch etwas im Diplomatenviertel herum und liefen langsam Richtung Radladen. Plötzlich zog ein Platzregen über uns hinweg und wir pressten uns in schmale Hauseingänge um nicht nass zu werden. Als der Regen ziemlich schnell vorüber war ging ich zum Radladen und siehe da, mein Bike war tatsächlich schon  fertig. Ich war super glücklich. Der Monteur meinte, es seien drei Speichen gebrochen, die er ausgetauscht hat. Er wollte 1500 Forint haben, was in etwa 5€ entsprach. Ich drückte ihm 2000 Forint in die Hand, den Rest für Bier, denn er hatte sich echt beeilt. Der Monteur freute sich und nahm es dankbar an.

Jetzt war meine Laune schlagartig wieder gut. Wir fuhren an der Rückseite des Parlamentes vorbei und fanden ein schönes Cafe. Wir setzten uns und tranken dickflüssige Schokolade und aßen dazu lecker zarte Palatschinka.

Palatschinka

Es war bereits Nachmittag und wir machten uns langsam auf den Rückweg zum Hotel wieder auf die andere Seite nach Buda. Wir fuhren nun über die berühmte Kettenbrücke mit den steineren Löwen und von da aus auf dem Bürgersteig durch einen stark befahrenen lauten Tunnel hindurch.

Kettenbrücke Löwen ohne Zunge Budapest Parlament die breite Donau

Wir waren auf der Suche nach einem Supermarkt, aber wir konnten eine gefühlte Ewigkeit keinen finden. Schließlich hatten wir doch Glück und wir deckten uns mit leckeren Quarkriegeln und Bier ein. Im Hotel angekommen war noch etwas Chillen angesagt. Dann wollten wir schön Essen gehen. Wenn man schon mal in Budapest ist, dann geht man..na..klar... zum Pakistani.

Das Essen schmeckte wirklich hervorragend mit MangoLassi, CobraBeer und Naan-Brot und allem was dazu gehört. Zurück im Hotel schrieben wir Karten und Manu überbrachte mir noch die traurige Nachricht des heute verstorbenen Slayer-Gitarristen, einem musikalischen Helden aus jungen Tagen. 

 

R.I.P. Jeff Hannemann

 

Tages-km: 21,16 Gesamt-km: 600,51 km

Fahr und Schiebezeit: 02:14:26h Tageshm: 107 Gesamthm: 1225

 

 

Tage 7 und 8                                 04.05. 2013

 

Budapest -Dunaujvaros- Solt- Kalocsa

Der Wecker klingelte heute schon um 07:15 Uhr. Manu ging duschen, ich hatte am Abend schon geduscht und konnte langsam wach werden. Die Sachen waren gepackt und so konnten wir um 07:30 Uhr zum Frühstück gehen. Dieses war diesmal besser als am Vortag. Wir haben das Zimmer bezahlt, die Postkarten abgegeben und sind abgefahren.

Wir wollten eine Post finden, damit wir ein Teil der Wäsche per Paket nach Hause schicken konnten. Wir hatten mal wieder viel zu viel dabei. Jeder packte etwa 2kg "StinkeWäsche" in einen großen Karton, dazu mein Mohnöl aus der Wachau und ungarische scharfe Paprikapaste und schickten das Paket zu je ca 22€ nach Hause. Wir wechselten gleich noch Geld und um 10 Uhr befanden wir uns endlich wieder auf dem Donauradweg. Die Sonne schien und wir hatten ein wunderschönes Panorama auf das Parlament in Pest.

Parlament am Morgen Parlament

Der Radweg führte uns nach Süden und wir kamen langsam hinaus zu den Vororten von Budapest. An einer russischen LUK-Oil Tankstelle kaufte ich eine neue Straßenkarte von Ungarn. Wir mussten insgesamt 22km fahren, bis wir das langgezogene Stadtgebiet emdlich verlassen hatten.

Der Weg führte nun über einsame flache Landschaften und machte richtig Spaß. Immer wieder war das Schild mit der Euroroute 6 zu sehen, ihr folgten wir nun. Wir kamen in die Partnerstadt des bei uns in der Nähe liegenden Örtchens Waghäusel (Gruß an Harry an dieser Stelle) und fuhren anschließend an einem großen beängstigend wirkenden Hochsicherheitsgefängnis vorbei.

Waghäusels Partnerstadt

Nach einigen Kilometernrollten wir lange an einem Alt-Arm der Donau entlang. Hier sah es aus wie am Balaton. Endlos zogen sich die Datschen und kleinen Häuser an den Ufern entlang. Nur der Weg war katastrophal. Er war von tiefen Schlaglöchern und Sandkuhlen durchsetzt. Entweder tat es ordentliche Schläge wenn man trotz ständiger Ausweichmanöver doch ein Schlagloch erwischte oder man versank bzw. rutschte aus in den Sandkuhlen. Der Weg tat unseren Rädern nicht gut. Nach etwa 25km auf dieser Strecke wechselte das Gelände und wir fuhren die nächsten 30km etwa ab Dunaujvaros auf dem Fahrstreifen auf dem Donaudamm.

Die Fahrspur führte über Erdboden, mal überwachsen, mal holprig und auch ab und zu mal angenehm glatt. Ich hörte Manu schimpfen wie einen Rohrspatzen. Auch dieser Weg kostete einiges an Kraft, wurde aber wenigstens optisch durch die sehr schöne Kulisse aufgewertet. Wir fuhren durch die Ungarische Tiefebene, die höchsten Punkte waren die Wassertürme in Dörfern oder Fabriken, die nötig sind, um den Wasserdruck aufrecht zu erhalten. Wir überholten zwei niederländische Reiseradlerinnen, die auf ihren Bikes in die gleiche Richtung fuhren

Donauradweg in Ungarn.

Irgendwann entdeckten wir parallel zu unserem Weg eine Straße und folgten dieser jetzt weiter. Bei einer Pinkelpause zerriss ich mir meine Fahrradhose genau im Schritt beim Absteigen vom Rad. Das war klar, jetzt wo ich das Zuviel an Wäsche heimgeschickt hatte. Ich zog mich um und meine vorletzte kurze Hose an. Die Sonne donnerte jetzt ordentlich herunter, das Thermometer in meinem Bike-Computer zeigte 32C° an.

Wir blieben jetzt auf der Landstraße und fuhren durch viele kleinere und größere Orte. In Solt tranken wir in einem kleinen Gasthof Wasser und Cola und ich holte mir wenig später ein gutes Softeis. An der Ecke, an der das Eiscafe lag, hielt auch der Bus. Ein stark alkoholisierter junger Mann schwankte heraus und förderte mehrmals in großen Schwallen Erbrochenes mitten auf den Gehweg. Nicht nur dass das die anderen Passanten auf der Straße kalt ließ, nein, einige von ihnen tappten auch noch mitten durch die Kotze. Wir hatten genug und fuhren weiter. Wir hielten noch einmal an einem kleinen Dorfladen und kauften Getränke, denn es war wirklich heiß. 15Km weiter kamen wir in der Dämmerung endlich im südungarischen Kalocsa an, neben Szeged das alte und neue Zentrum des ungarischen Paprikaanbaus.

Heugarben kurz vor Kalocsa

Auch hier war erst einmal Supermarkt suchen angesagt. Den ersten Lidl lehnten wir ab, aber da es schon ziemlich spät war, nahmen wir den folgenden Penny. Wir bevorzugen generell eher die einheimischen Supermärkte, einfach auch um die landestypischen Produkte zu kaufen. Bei Lidl, Aldi und Co gibt es zu großen Teilen eben nur die allseits bekannte deutsche Ware.

Beim Rad anschließen fuhr ich Manu an, nur weil er mal wieder wissen wollte was wir kaufen sollen. Ich wollte nicht ständig für zwei Leute denken. Ich war gereizt,  die Anstrengung, die Hitze und das tägliche Beeieinander hatten mich an diesem Tag dünnhäutig werden lassen. Er ging wieder zuerst in den Markt und ich entdeckte bereits eine Pension, bei der wir anfragen konnten. Als Manu dann rauskam, entschuldigte ich mich bei ihm und wollte selbst einkaufen gehen. Der Markt war aber kurz vor dem Schließen und die Mitarbeiter komplimentierten mich fast heraus. Ich rannte durch den Laden und schnappte mir schnell das Nötigste damit ich schnell noch bezahlen konnte.

Die gesehene Pension Alexandra war ein voller Erfolg. Sie war neu, groß, sauber und die Besitzerin sprach gut englisch. Wir konnten unsere Räder einschließen, ich wusch schnell ein paar Klamotten und entsorgte meine zerrissene Radhose. Wir klärten unseren Disput von vorhin, gingen duschen und anschließend in die City.

Heute hatte Manu die Sonne frontal erwischt. Er war krebsrot. Wir liefen durch die Stadt und suchten ein Lokal, denn unsere Mägen knurrten mittlerweile ordentlich. Wir landeten schließlich in einem schicken jugendlichen Lokal mit dem Namen Metropol. Während wir auf unser Essen warteten, tranken wir gutes eiskaltes Soproni. Der Kellner sprach perfekt deutsch, er hatte in Köln gearbeitet und er brachte uns sehr leckere Pasta und Salat. Wir gingen satt und müde nach Hause doch vor unserer Tür lag ein betrunkener Kerl auf der Bank, der das Weite suchte als wir in unsere Pension wollten. Ab ins Bett und gleich geschlafen.

 

Tages-km: 144,33 gesamt-km: 744,84   Tages-hm: 118 Gesamt-hm: 1343

 

Fahrzeit: 07:45:24h Durchschnitt: 18,00km/h

 

 

 

 

Tag 8: 05.05.2013

 

Kalocsa-Baja

 

Wir hatten ausgeschlafen und ein reichhaltiges gutes Frühstück. Statt Peffer und Salz gab es hier scharfen Paprika und Salz im Streuer. Wir zahlten 50€ + noch mal extra 2€ für die morgendlichen Kaffeegetränke.

Bei einer meiner Gepäcktaschen löste sich der Griff ab und ich improvisierte eine Reparatur mit Kabelbindern.

Im SPAR frischten wir die Vorräte auf → Energydrinks und Quarkriegel, das E und Q eines guten Starts in den Tag.

Wir schauten uns die große Kathedrale im Zentrum an und statteten dem Paprikamuseum einen Besuch ab. Darin wurde die Geschichte und Bedeutung der Paprika für Ungarn erklärt. Wir sahen uns die liebevolle Ausstellung an, kauften ein paar scharfe Mitbringsel und fuhren weiter.

Kalocsas Kathedrale Kalocsa Kalocsa Schloss von Kalocsa Paprika Museum Planet Paprika Hier wächst der scharfe Stoff Scoville lieber Chilli als in die Zitrone beißen

Das nächste Ziel war Baja, etwa 45km entfernt. Die Fahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, einzig ein große Haufen frischer Eingeweide mitten auf der Straße fanden wir sehr verstörend.

Wir kamen in Baja an und aßen erst mal ein Eis. Daraufhin setzten wir uns an einen kleinen Imbiss und nahmen ebenfalls noch Salat, Sandwiches und Palatschinka zu uns.

Baja Zentrum Storchennest in Baja

Gegen 14 Uhr brachen wir auf und fanden den Euro6 Radweg wieder. Wir folgten ihm ein paar Kilometer und merkten aber, dass wir statt weiter nach Süden zu fahren, einer westlichen Route folgten. Der Radweg wendet sich hier tatsächlich in Richtung Kroatien. Wir wollten jedoch nach Süden, zur serbischen Grenze fahren.

Wir drehten also wieder um und mitten auf der Landstraße hörte ich plötzlich einen leichten Schlag und daraufhin ein Schleifen. Ich stieg ab. Oh Nein! Wieder war eine Speiche gebrochen und sofort war ein großer Achter im Rad. Wahrscheinlich von der schlechten Strecke am Vortag. Verzweiflung machte sich erneut schnell breit.

Die einzigste Möglichkeit war zurück nach Baja zu schieben (7km) und eine Werkstatt zu finden. Allerdings war heute Sonntag. Ich sprach ein entgegenkommendes Ehepaar an und erklärte mit Zeigen auf Deutsch und Englisch mein Problem. Sie konnten mir ein Fahrradgeschäft nennen, allerdings macht das erst am Montag wieder auf. Ich speicherte mir schnell die Straße ins Navi ein, in der der Laden liegt und bedankte mich. Ich schob das Rad bis zur besagten Straße und fand den Laden auch recht schnell.

Manu organisierte in der Zeit ein DZ in der Pension Kaiser.Die Besitzer sprachen deutsch und es hing ihr Stolz, ein alter deutscher Stammbaum im Treppenhaus der sauberen und hübschen Pension. Wir packten die Sachen aufs Zimmer, duschten und konnten im TV die RTL Nachrichten schauen.

Am Abend machten wir noch einen Abstecher in die Stadt, aßen noch ein Eis und setzten uns in Flussnähe in ein Restaurant. Dort ließen wir uns Soproni 1895 schmecken, in hoffender Erwartung auf den nächsten Tag.

Soproni 1895

 

 

Tages-km:68,71        Gesamt-km: 813,55            Tages-hm: 89             Gesamt.hm: 1432

davon 6,8 geschoben

 

Fahrt und Schiebezeit: 04:42:59h

 

 

Tag 9                        06.05.2013

 

 

Baja (H) – Backi Breg (SRB) – Sombor (SRB)

 

Der Wecker klingelte um 07:30 Uhr und um 07:50 waren wir schon fertig. Ich war total aufgekratzt, denn natürlich wollte ich, dass alles mit der Fahrradreparatur klappt. An der gegenüberliegenden Straßenecke haben wir nun noch einen zweiten Reparaturservice entdeckt, der laut Hinweistafel vom Rad über den Rasenmäher bis zur Simson alles repariert. Der Laden öffnet um 08:30 Uhr.

Also genug Zeit zum Frühstücken. Im Speiseraum wurde viel Deutsch geredet. Scheinbar war in Baja gerade eine Art Treffen ehemaliger Ansässiger deutscher Herkunft. Das bestätigte mir später im Gespräch auch ein älterer Herr aus Starnberg, der extra nur dafür angereist war. Hier in Baja lebte lange Zeit eine größere Minderheit von Deutschen, auch heute sind noch viele ansässig, wenn auch längst nicht mehr so viel wie vor dem Fall des eisernen Vorhanges. Die Kinder der Pensionswirtsleute sprachen ebenfalls deutsch.

Ich stand um 08:45 vor dem Laden an der Ecke, aber leider hatten sie dort so kurzfristig keine Zeit zum Reparieren. Also direkt zum Radladen, den ich gestern schon gefunden hatte. Ich wartete ein paar Minuten und um 09:00 Uhr öffnete eine Verkäuferin. Ich schilderte und zeigte ihr das Problem und sie bat mich ein paar Minuten zu warten bis der Monteur kommt.

Dieser erschien etwa 10min später. Vor mir gaben noch zwei Damen ihr Rad mit Plattfuß ab, dann war ich an der Reihe. Er verstand sofort und meinte zu mir er benötigt etwa 45min inklusive Zentrierung des Rades.

Ich hatte also genug Zeit Manu im Hotel Bescheid zu geben und noch eine Bank aufzusuchen, denn ich hatte alle Forint aufgebraucht. Ich hob mal vorsichtshalber 3000 Forint ab, etwa 10 €.

Pünktlich um 10 Uhr war ich an der Werkstatt und das Rad war fertig. Er hatte es zentriert, das hatte der Monteur in Budapest scheinbar nicht gemacht, sondern nur die Speichen eingezogen. Der Monteur verlangte 750 Forint und war glücklich als ich ihm 1000 gab.

Ich war heilfroh, raste zum Hotel und wir konnten die Räder bepacken und starten. Ich ging noch einmal schnell in der Eckradladen und kaufte einen neuen Spanngurt für 400 Forint und dann fuhren wir ... immerhin bis zum nächsten Supermarkt am Ende der Stadt.

Dort versuchten wir noch ein paar Forint loszuwerden und waren schließlich auf der Straße Richtung serbische Grenze unterwegs. Bis dorthin waren es noch etwa 38km. Wir fuhren gemütlich dahin, da setzte langsam ein starker Wind ein und der Himmel wurde dunkel. Ich schaute nach einer Unterstellmöglichkeit, denn mittlerweile hatte ich durch diverse Radreisen ein Näschen entwickelt, wann die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es regnet. So auch in diesem Fall. Ich sah einen kleinen Imbiss mit überdachten Bänken und steuerte darauf zu.

Und es fing wieder an zu regnen. Der Imbiss war aus Holz und innen stockfinster. An einem Tresen empfing uns eine mürrische Angestellte, die auch aus einer "Redneck-Gegend" im mittleren Westen stammen könnte. Außerdem saß in einer Ecke ein zusammengekauerter Kerl, der Bier trank.

Ich bestellte ein Schweppes und Manu verlangte nach einem „American Coffee“. Das war zumindest mal die Standartbezeichnung für normalen Kaffee in Budapest gewesen. Sie blaffte Manu an mit: „We only have Hungarian Coffee!“  Okay I would like to have one cup, please." Und- Baff! stellte sie die Tasse vor ihn hin.

Wir zahlten, nahmen die Getränke mit raus und aßen dazu eigens mitgebrachte Kleinigkeiten, während es vor sich hinschüttete. Nach 15min ließ der Regen langsam nach und plötzlich kam wie aus dem Nichts ein gehbehinderter Mensch langsam auf Gehhilfen angelaufen. Wir fragten uns woher er plötzlich kam, ein Dorf war nicht in Sichtweite. Er setzte sich und beobachtete interessiert was wir taten. Wir packten langsam zusammen, denn der Regen hörte auf. Ich rief beim Abfahren noch ein Tschüss zu und hob die Hand. Der Mann reagierte nicht und starrte blos. Als wir einige Meter weg waren, sah ich mich noch einmal um und der Mann ging zurück, von woher er kam. Ziemlich creepy der Ort.

Wir ereichten langsam die Grenze zwischen Ungarn und Serbien und gleichzeitig der EU. Etwa einen Kilometer vor der Grenze gab es noch eine kleine Tankstelle, die wir sogleich ansteuerten. Wir wollten unsere letzten Forint ausgeben und kauften uns eine Straßenkarte von Kroatien, sowie teures Magnum-Eis und Manu Red Bull in Dosen. Irgendwie schafften wir es unser ganzes Geld loszuwerden. Die Tankstelle war ein Treffpunkt der umliegenden Ortschaften. Hier kamen die Bauern und Arbeiter und trafen sich um Bier zu trinken.

Um 14 Uhr passierten wir die serbische Grenze. Auf ungarischer Seite wurden wir durchgewunken und an der serbischen Seite schon etwas genauer kontrolliert. Wir bekamen neue Stempel in die Pässe.

Willkommen in Serbien Freudig Radfreundlich heimliches Foto aus der Hüfte von der Grenze der serbische Donauradweg

Nun waren wir in der Batschka, einem Teil der Voivodina, welcher ein kleiner relativ autonomer Vielvölkerstaat innerhalb Serbiens ist. Hier lebten Ungarn, Serben, Kroaten, Rumänen und weitere verschiedene Minderheiten noch relativ friedlich nebeneinander. Vielleicht ist es ein wenig so wie im früheren Jugoslawien unter Tito.

Erstaunlich fanden wir, dass direkt an der Grenze auf eine große Tafel der gesamte Donauradweg mit allen Stationen komplett durch Serbien bis nach Bulgarien angezeigt wurde. Soviel Fahrradfreundlichkeit hatten wir gar nicht erwartet.

Die Landstraße hatten wir fast für uns allein. Wir kamen durch Backi Breg, das erste Dorf in Serbien. Eine Hauptstraße führte durch das Dorf und links und rechts Höfe und Häuser. Ich sah seit langem wieder mal Yugos und Zastavas. Ich freute mich, denn diese Autos sind ab und zu auch in der DDR herumgefahren, eine Erinnerung an meine Kindheit.

Die Gegend war ärmlich und lebte von der Landwirtschaft. Optisch erinnerten mich die Orte an eine Mischung aus Rumänien, Albanien und Bosnien-Herzegowina. Man sah viele Roma, die wohl in die Randregionen des Landes abgeschoben werden.

Manu in Serbien wenig los Zastava und Yugo Zastava und Manu Belgrad

Die Beschilderung war sporadisch, deswegen hielt ich bei zwei älteren Männern mit wettergegerbter sonnengebräunter Haut und wenig Zähnen. Ich nannte Sombor als Ziel und die beiden waren super lieb und hilfsbereit und zeigten mit allen Mitteln die Richtung, in die wir uns halten sollten. Wir bedankten uns und fuhren weiter.

Uns kam ein Pferdefuhrwerk entgegen, welches mehrere Meter hoch Holz, alte Möbel und allerlei Hausrat gestapelt hatte. Auf dem Sitz saßen eine alte Frau mit Kopftuch und zahnlos, daneben ihr Mann wahrscheinlich ebenso alt und ebenso wenig Zähne. Das osteuropäische Flair gefiel mir, hier war es noch so ursprünglich wie man es sich vorstellt. Alles ein wenig ungeordnet, nicht so steril und sauber wie in deutschen Dörfern, alles folgt einer eigenen Ordnung, obwohl der Anblick der Armut eher gemischte Gefühle verursachte.

Wir kamen an eine Kreuzung, an der es entweder nach Kroatien ging oder südlich Richtung Novi Sad, der Hauptstadt der Voivodina. Wir nahmen den Weg Richtung Süden und erreichten etwa 20km weiter Sombor.

zwei Länder zur Wahl Voivodina

Hier hatte ich von Deutschland aus schon ein Zimmer vorgebucht, weil ich nicht einschätzen konnte, wie viele Unterkunftsmöglichkeiten hier vorhanden sind. Das Navi kannte die Straße nicht und so fragte ich eine entgegenkommende Frau nach der Straße. Auch ihr fehlten einige Zähne. Sie war sehr hilfsbereit und dank ihrer Hilfe fanden wir den Weg in unser domizil, die Villa Kronic.

Manu war etwas geschockt und überfordert, denn er hatte nicht mit den Bergen an Dreck und Müll in manchen Seitenstraßen gerechnet. Das ist leider ein großes Problem, dass es in der breiten Bevölkerung noch wenig Bewusstsein gibt in Richtung Umweltschutz, hier müssen sich die Leute in allererste Linie erst einmal um sich selbts kümmern.

Wir erreichten schnell unsere schicke Villa Kronic. Wir gaben die Pässe ab, damit die Rezeption uns polizeilich melden konnte, dass ist in Serbien Pflicht. Wir bezogen die schönen Zimmer und freuten uns über den Platz und den Balkon mit Blick ins Grüne. Wir gingen schnell duschen und fuhren mit den Rädern in die 3km entfernte Innenstadt, die ziemlich schick restauriert war. Es gab eine breite Einkaufsstraße mit Shops und Restaurants. Wir hoben Geld ab und schauten uns ein bischen in der Stadt um.

Sombor schickes Sombor Sombor Sombor

Schließlich suchten wir uns ein Lokal heraus und ließen es uns richtig gut gehen mit Sopska Salat, Gemüse Teller, der kultigen Cockta-Limo, die es in allen jugoslawischen Nachfolgestaaten gibt und zu meinen All-time Favoriten gehört. Es ist ein Getränk schwarz wie Cola, jedoch aus Hagebutten hergestellt und ohne Koffein.Sie schmeckt säuerlich-süß und ist kalt sehr erfrischend und ein guter Energiespender. Manu schmeckt es nicht unbedingt so gut, ihm wurde von lauwarmer Cockta auf einer Serpentinen Autofahrt durch das slowenische Soca Tal davon mal schlecht.

Geschlemme mit Sopska salat

Es gab gutes Jelen Pivo (Hirsch Bier), Palatschinka und einen Rakija zur Verdauung. Neben uns saß ein junges Paar aus Subotica. Wir unterhielten uns angeregt mit ihnen und bekamen viele Informationen.Sie hatten im Goethe-Institut Deutsch gelernt und beherrschten die Sprache ziemlich gut.

Wieder einmal setzte starker Regen ein. Wir bezahlten wir für unser Festmahl zusammen etwa 24€ und machten uns auf den Rückweg. Die drei Kilometer Rückweg wurden wir komplett durchnässt. Wir trafen bei der Rezeption in der Villa Kronic einen jungen Kellner und orderten noch Jelen Pivo fürs Zimmer.

Das tranken wir auf unserem Balkon, während wir dem starken Gewitter zu schauten. Später zockten wir noch eine Runde Diktatoren Quartett, welches Manu dabei hatte. Ich verlor, denn meine braven Diktatoren wie Brechnew, Tito und Honecker kamen nicht gegen Manus Stalin, Pol Pot oder Enver Hodscha an.

Serbien gefiel uns ziemlich gut.

Villa Kronic

 

Tages-km: 78,04 km Gesamt-km: 891,59 Tages-hm: 62 Gesamt-hm: 1494

 

 

 

Tag 10                                    07.05. 2013

 

Sombor (SRB) – Apatin (SRB) – Dalj (HR) – Osijek (HR)

 

Gegen 08:00 Uhr morgens wurde ich von einem Zischen geweckt. Ich öffnete langsam meine schweren Augen um zu schauen, woher das Geräusch stammte. Da sah ich Manu wie er glücklich seine eben geöffnete Dose Red Bull ansetzte und einen ordentlichen Guten-Morgen Schluck trank, Mit diesem Schluck war die 0,33 l Dose faktisch leer.

Draußen ging ein kräftiger Wind. Wir packten zusammen und beim Frühstück waren wir die Einzigsten in einem großen Speisesaal. Wir konnten zwischen Omelett mit oder ohne Käse wählen und orderten dazu Kaffee. Zusätzlich bekamen wir super weiches frisches Weißbrot gereicht und ein Kefir- oder Ayran ähnliches Getränk. Der Kaffee war türkisch, das heißt in der großen Tasse war die Hälfte des Inhalts Kaffeesatz. Das Getränk war so stark, dass es schon seifig schmeckte. Ich schüttete alles verfügbare an Milch und Zucker hinein, aber es wurde nicht besser. Manu schlürfte vergnügt seinen Kaffee und nahm meinen gern noch dazu an. Der Koffeingehalt in seinem Blut war an diesem Morgen bestimmt schon im zweistelligen Gramm-Bereich angelangt.

Um 09:30 starteten wir Richtung Innenstadt. Wir hielten an einem Supermarkt und ich freute mich über kalten Kwas aus der Dose. Der osteuropäische Brottrunk hatte uns oft auf unserer Baltikumradtour erfrischt.

nochmal Sombor Sombor neben dem Supermarkt

Manu kaufte serbische Energydrinks, damit er seinen KoffeinSpiegel halten konnte. Wir fuhren aus der Stadt raus, verfehlten den richtigen Weg und landeten erst einmal auf einem Pfad, der in einer Schlammpiste endete. Wir kamen mit etwa 5km/h voran und mussten höllisch aufpassen damit wir nicht im Schlamm landeten. Wir drehten um und es begann wieder zu tröpfeln.

Wir stellten uns unter einer mit Unmengen von Taubenkot beladenen Brücke unter, aber der richtige Regen wollte sich nicht einstellen. Also fuhren wir weiter und nach vielleicht 5km begann der Starkregen nun doch recht heftig einzusetzen. Ich entdeckte ein Wellblechdach vor einem Betrieb unter dem viele Autos standen. Daneben war ein Pförtnerhäuschen. Ich fragte ob wir uns unterstellen durften und wir konnten bleiben.

Unterschlupf unterm Wellblechdach

Nur kam plötzlich ein Mitarbeiter nach dem anderen aus der Firma heraus zum Parkplatz wo wir standen und schlossen ihre Autos ab, die vorher offenbar unabgeschlossen herum standen. Wir warteten etwa eine halbe Stunde dann konnten wir weiter fahren.

Unser nächstes Ziel war die Stadt Apatin. Wir entdeckten wieder den serbischen Donauradweg und folgten ihm durch kleine Dörfer bis wir endlich nach langer Zeit wieder die Donau sahen. Der Weg führte an schönen Auenwäldern entlang, die teilweise unter Wasser standen.

Nationalpark Donau Donauauen

Diese schöne Route führte uns direkt bis nach Apatin. Wir hielten an einer Tankstelle und kauften SRB-Sticker für die Räder. Dann entdeckten wir eine Pizzeria in einem renovierten Jugendstilhaus und aßen dort zu Mittag. Es gab Pasta und Palatschinka, dazu natürlich Cockta. Der junge Mann, der uns bediente, sprach gut Englisch und spielte Drums in einer Metal Band namens HSF 

Wir untehielten uns über Musik und bedauerten den Tod von Slayer Ikone Jeff Hannemann. Er brachte einen Beutel Kronenkorken und ich konnte nach Herzenslust neue Exemplare herausfischen.

Kronenkorken 

Wir bedankten uns für die nette Unterhaltung und die erfrischende Herzlichkeit und fuhren schließlich weiter. Da entdeckten wir die Jelen-Pivo Brauerei. Wir huldigten unserem liebsten serbischen Bier und posten und hampelten für ein paar Fotos vorm Gebäude herum.

Apatins Jelen Brauerei Apatins Jelen Brauerei Apatins Jelen Brauerei Amazing Jelen

Das nächste Ziel war die serbisch-kroatische Grenze bei Bogojevo. Wir hatten jetzt mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Wir kamen an den für die pannonische Tiefebene bekannten Ziehbrunnen vorbei.

Ziehbrunnen   Serbisch Orthodoxe Kirche saftiges Grün

Gegen 16 Uhr standen wir recht plötzlich an der Grenze, welche von der Donau gebildet wurde. In Fließrichtung betrachtet befand sich am linken Ufer die serbische Grenze und am rechten Ufer die kroatische Grenze. Auf der großen Brücke verabschiedeten wir uns von dem liebgewonnenem Fluss, an deren Ufern wir so weit gereist waren. Wir versprachen, dass wir sie eines Tages bis zu ihrer Mündung ins schwarze Meer begleiten wollen.

Abschied von der Donau Grenzbrücke zwischen SRB und HR bye bye Danube Welcome to Hrvatski Auch auf dieser Seite ist ein Radweg

Von nun an orientierten wir uns am Fluss Drau oder kroatisch Drava. Dieser große Nebenfluss der Donau entspringt in den österreichischen Alpen und legt einen langen Weg bis zur Mündung hier in die Donau zurück.

Wir passierten die kroatischen Grenze recht schnell und unkompliziert. Hier begann der Vormarsch der jugoslawischen Volksarmee bei der Belagerung von Vukovar, vor 20 Jahren. Die Heldenstadt befindet sich nicht weit von hier. Die Stadt wurde faktisch dem Erdboden gleich gemacht, die Einwohner hielten sehr lange stand und verteidigten die Stadt mit allem was sie zur Verfügung hatten.. Das traurige Wahrzeichen ist ein großer zerschossener Wasserturm. Hier befindet sich heute eine Gedenkstätte und Mahnmal gegen den Krieg.

Vukovar Wasserturm Quelle: croatia.org

Heute ist Slawonien, der östliche Teil Kroatiens mit der ärmste Teil im Land. Die Folgen des Krieges sind immer noch zu sehen. Wir fuhren an zerschossenen Fabriken und Häusern vorbei, deren Aufbau sich nicht mehr gelohnt hat und der Abriss wahrscheinlich auch zu teuer ist.

Wir kamen recht zügig voran und fuhren Richtung Osijek, der Hauptstadt Slawoniens. Kroatien präsentiert sich gleich wieder ganz anders. Sowohl landschaftlich als auch vom Menschenschlag und vor allem ist hier wieder alles geordneter und sauber.

Wir machten eine Rast in einem kleinen Dorf, tranken ein kühles Getränk und der Kefir von morgens tat sein übriges, wir sind sehr froh über eine Toilette. Auf der weiteren Fahrt suchen wir uns eine alte Bushaltestelle zum Unterstellen, den es begann wieder zu regnen. Die Haltestelle war von Einschusslöchern durchsiebt, das alte Metall war an manchen Stellen regelrecht zerfetzt worden. Das zeigte die Wucht und Durchschlagkraft wahrscheinlich von Kalaschnikows.

Wir fanden schöne Kronenkorken und fuhren irgendwann weiter, denn es tröpfelte nur noch. Wenige Kilometer vor Osijek jedoch begann wieder der starke Regen. Wir kamen bei der großen Ozujsko Brauerei vorbei und freuten uns wieder wie kleine Kinder, denn auch dieses Bier lieben wir.

Osiecko Pivo mmh lecker angenehm im Hals

Das Navi war uns wieder behilflich bei der Hotelsuche. Die ersten Hotels die wir ansteuerten, waren jedoch alle im oberen Preissegment, alle um die 90€ für eine Nacht. Das war uns definitiv zu viel Geld, nur leider fanden wir keine kleineren Pensionen. Es regnete in Strömen und wir fuhren mehrere Hotels an. Endlich fanden wir eines, welches ursprünglich 80€ kostete, wir konnten den Preis jedoch bei der hilfsbereiten Dame auf 60€ inkl. Frühstück herunterhandeln. Es war ein recht schickes Hotel, namens „Drava“. So ein Zufall.

Wir hängten unsere nassen Klamotten auf und duschten erst einmal lange warm, weil wir wegen des Regens ziemlich durchgefroren waren. Danach statteten wir der Innenstadt noch einen Besuch ab und landeten schließlich bei einem Italiener. Wir haben einen Copska-Salat gegessen, der konnte aber bei weitem nicht mit dem leckeren Salat tags zuvor in Serbien mithalten. Der Hauswein war aber recht gut. Manu war nach diesem Tag recht kaputt.

Osjiek, aber nicht unser Hotel Osjiek KAthedrale von Osjiek für die Helden

 

Tages-km: 106,20 Gesamt-km: 997,79 Tages-hm: 125 Gesamt-hm: 1619

Durchschnitt: 18,00 km/h Fahrzeit: 05:53:28h